DLG7/DLGAP5 als potenzielles therapeutisches Ziel bei Magenkarzinom

DLG7/DLGAP5 als potenzielles therapeutisches Ziel bei Magenkarzinom

Das Magenkarzinom zählt weltweit zu den aggressivsten und tödlichsten Malignomen, mit schätzungsweise 1,09 Millionen Neuerkrankungen und 770.000 Todesfällen im Jahr 2020. Fortgeschrittene Tumorstadien schließen oft chirurgische Interventionen aus, sodass die Chemotherapie als primäre Behandlungsoption verbleibt. Dennoch sind die Überlebensraten bei Patienten mit fortgeschrittenem Magenkarzinom weiterhin enttäuschend, was den dringenden Bedarf an neuen therapeutischen Zielen und wirksameren Therapiestrategien unterstreicht. Diese Studie untersucht die Rolle von Disc large homolog 7 (DLG7) und seinem kodierenden Gen DLGAP5 bei der Progression des Magenkarzinoms sowie ihr Potenzial als therapeutische Angriffspunkte.

DLG7, ein mikrotubuli-assoziiertes Protein, das durch das DLGAP5-Gen kodiert wird, spielt eine entscheidende Rolle bei der Chromosomenorganisation und Genstabilität. Eine Dysregulation der DLGAP5-Expression wurde bereits mit Karzinogenese in Verbindung gebracht, wobei Studien eine Überexpression in diversen Krebsarten, einschließlich Magenkarzinom, beschreiben. Die genauen Mechanismen, über die DLGAP5 zur Entstehung und Progression des Magenkarzinoms beiträgt, bleiben jedoch unklar. Ziel dieser Studie war es, die funktionelle Rolle von DLGAP5 im Magenkarzinom zu entschlüsseln und sein therapeutisches Potenzial zu bewerten.

Die Studie erfolgte mit ethischer Genehmigung des People’s Hospital of Tibet Autonomous Region; von allen Teilnehmenden lag eine informierte Einwilligung vor. Es wurden sechs Paare Magenkarzinomgewebe und angrenzendes Normalgewebe von chirurgisch behandelten Patienten analysiert. Quantitative Methoden zeigten, dass sowohl die DLGAP5-mRNA- als auch die DLG7-Proteinspiegel im Tumorgewebe signifikant höher waren als im Normalgewebe. Western-Blot-Analysen bestätigten diese Befunde in Magenkarzinomzelllinien (MKN-45, BGC-823, MGC-803) im Vergleich zu normalen Magenepithelzellen (GES1) mit statistischer Signifikanz (P < 0,010). Diese Ergebnisse decken sich mit früheren Studien, die DLGAP5 als selektiv hochreguliertes Gen in Magenkarzinomgeweben identifizierten.

Um die funktionelle Rolle von DLGAP5 zu untersuchen, wurde DLGAP5-shRNA (shDLGAP5) mittels Lentivirus-Infektion in MKN- und MGC-Zellen eingebracht. Der Einfluss des DLGAP5-Knockdowns auf die Zellproliferation wurde mittels CCK-8-Assay gemessen. Die Proliferationsfähigkeit der Knockdown-Zellen war nach 48, 72 und 96 Stunden signifikant reduziert (P < 0,010), was auf eine proliferationsfördernde Rolle von DLGAP5 hinweist. Dies korreliert mit früheren Beobachtungen, dass DLGAP5 die proliferative Kapazität humaner Zellen steigert. Zudem stabilisiert DLG7 das Onkoprotein Gankyrin, welches die Ubiquitinierung und den Abbau des Tumorsuppressors p53 fördert. Die DLGAP5-Überexpression könnte somit zur Akkumulation von Gankyrin beitragen, was den p53-Abbau beschleunigt und die Krebszellproliferation begünstigt.

In Scratch-Assays zeigte sich eine signifikant reduzierte Migrationsfähigkeit der MKN- und MGC-Zellen nach DLGAP5-Knockdown (P < 0,050), während die Kontrollgruppe unverändert blieb. Transwell-Invasionsassays bestätigten, dass der Knockdown auch die Invasionskapazität hemmte. Diese Daten unterstreichen die kritische Rolle von DLGAP5 bei der Förderung von Migration und Invasion – ein Phänomen, das bereits bei anderen Krebsarten wie dem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom beschrieben wurde.

In vivo-Experimente an Nacktmäusen, denen MGC-Zellen (NC-NM), mit negativer shRNA infizierte Zellen (NS-NM) oder shDLGAP5-Zellen injiziert wurden, zeigten eine signifikant verringerte Tumorgröße in der shDLGAP5-Gruppe. Immunhistochemische Analysen offenbarten eine reduzierte Ki-67-Expression (Hinweis auf verminderte Proliferation) und eine geringere VEGF-Expression (angedeutete Anti-Angiogenese-Wirkung) in der Knockdown-Gruppe. Hämatoxylin-Eosin-Färbungen bestätigten zudem eine Reduktion der Tumorvaskularisation.

Zusammenfassend liefert diese Studie überzeugende Evidenz, dass DLG7/DLGAP5 eine zentrale Rolle im Wachstum, der Migration, Invasion und Angiogenese von Magenkarzinomzellen spielt. Der DLGAP5-Knockdown hemmt diese Prozesse in vitro und in vivo, was ihn zu einem vielversprechenden therapeutischen Ziel macht. Die Überexpression von DLGAP5 fördert vermutlich die Tumorentwicklung durch multiple Mechanismen, darunter die Stabilisierung onkogener Proteine und die Unterdrückung von Tumorsuppressoren. Klinische Studien sind erforderlich, um die Translation dieser Erkenntnisse in die Praxis zu evaluieren.

Förderung: Diese Arbeit wurde unterstützt durch die Key Technology Projects of Tibet Autonomous Region, das PostDoctor Research Project am West China Hospital, Sichuan University, und die China Postdoctoral Science Foundation.
Interessenkonflikte: Die Autoren erklären keine Interessenkonflikte.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001859

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