Geschlechtsspezifische Unterschiede in den Zusammenhängen zwischen wirtschaftlichem Status und systolischem oder diastolischem Blutdruck
Hypertonie ist ein wesentlicher Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen, die weltweit zu den führenden Ursachen vorzeitiger Mortalität und Behinderung zählen. In China lag die Prävalenz von Hypertonie bei Erwachsenen ab 18 Jahren im Jahr 2015 bei 23,2 %. Der Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und Blutdruck (BP) wird zunehmend untersucht, wobei ein niedriger sozioökonomischer Status die BP-Regulation durch strukturelle Nachteile im sozialen Kontext negativ beeinflussen kann. Bisher gibt es jedoch nur wenige Studien zu geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Assoziation zwischen niedrigem Einkommen und erhöhtem BP, insbesondere in der chinesischen Bevölkerung.
Diese Beobachtungsstudie untersuchte den Zusammenhang zwischen Einkommen und BP sowie geschlechtsspezifische Unterschiede in dieser Beziehung. Eine Querschnittsstudie wurde von September bis November 2018 in Huanghua, einer kreisfreien Stadt in der Provinz Hebei, durchgeführt. Die Stichprobengröße von 6474 Teilnehmern basierte auf der Diabetesprävalenz in Hebei (12,9 %) und wurde um 10 % erhöht, um unvollständige Daten zu berücksichtigen. Körperliche und laborchemische Untersuchungen sowie standardisierte Interviews wurden von medizinischem Fachpersonal mittels eines vereinfachten „China Chronic Disease and Risk Factor Surveillance“-Fragebogens durchgeführt.
Erhoben wurden Daten zu BP, Gewicht, Größe, Taillenumfang, Nüchternblutzucker und Blutfetten. Rauchen wurde als Konsum von mindestens einer Zigarette im Vormonat definiert, Alkoholkonsum als jeglicher Alkoholkonsum im Vorjahr. Hochintensive körperliche Aktivität umfasste u. a. Langstreckenlauf, Schwimmen oder Teamsportarten, mindestens einmal wöchentlich. Eine „salzreiche Ernährung“ wurde anhand einer qualitativen Selbstauskunft ermittelt. Der Body-Mass-Index (BMI) wurde berechnet, Übergewicht und Adipositas gemäß chinesischer Leitlinien klassifiziert. Der systolische (SBP) und diastolische Blutdruck (DBP) wurden als Mittelwert aus drei Messungen bestimmt. Dyslipidämie wurde bei erhöhtem Gesamtcholesterin, Triglyceriden oder LDL-Cholesterin bzw. erniedrigtem HDL-Cholesterin definiert. Diabetes lag bei einem Nüchternblutzucker ≥7,0 mmol/L (126 mg/dL) vor.
Die Stichprobe umfasste 2991 Männer (44,6 %) und 3714 Frauen (55,4 %). Die mittleren SBP- und DBP-Werte betrugen 128,8/83,1 mmHg (Männer: 129,5/83,8 mmHg; Frauen: 128,3/82,6 mmHg). Das jährliche Haushaltseinkommen lag bei 12.000 Yuan (Männer) bzw. 10.000 Yuan (Frauen).
In univariaten Analysen zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen Haushaltseinkommen und SBP/DBP bei Frauen, nicht jedoch bei Männern. Geschlechtsspezifische multivariate Analysen ergaben, dass nach Adjustierung für Störfaktoren das Pro-Kopf-Einkommen signifikant mit SBP und DBP bei Frauen assoziiert war: Ein Anstieg des Einkommens um 10.000 Yuan führte zu einer Reduktion von SBP um 1,33 mmHg und DBP um 0,62 mmHg. Bei Männern waren keine statistisch signifikanten Zusammenhänge nachweisbar.
Interaktionsanalysen zeigten einen geschlechtsspezifischen Effekt zwischen Einkommen und SBP (p <0,05), nicht jedoch für DBP. Dies deutet darauf hin, dass geschlechtsspezifische Mechanismen die Beziehung zwischen Wirtschaftsstatus und SBP moderieren. Mögliche Erklärungen umfassen geschlechtsspezifische Unterschiede in der Stressverarbeitung und allostatischen Last. Chronischer Stress in einkommensschwachen Gruppen könnte das Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-System aktivieren, was bei Frauen stärker zu einer SBP-Erhöhung führt.
Die Studie unterstreicht, dass der Einfluss eines niedrigen Wirtschaftsstatus auf erhöhten BP geschlechtsspezifisch ist. Frauen mit geringem Einkommen haben ein höheres Risiko für Hypertonie, was gezielte präventive Maßnahmen erfordert.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000953