Auswirkungen und Risikofaktoren von Sepsis auf Langzeitergebnisse nach spontaner intrazerebraler Blutung
Die spontane intrazerebrale Blutung (sICH) ist eine schwerwiegende akute zerebrovaskuläre Erkrankung mit hoher Morbidität und Mortalität, insbesondere bei älteren Bevölkerungsgruppen in China. Überlebende leiden häufig unter langfristigen funktionellen Einschränkungen, was die Frage nach beeinflussenden Faktoren aufwirft. Sekundärinfektionen während des Krankenhausaufenthalts werden kontrovers diskutiert: Einige Studien deuten auf keine signifikante Beeinträchtigung der funktionellen Erholung hin, während andere eine Korrelation zwischen Infektionen und schlechter Prognose belegen. Die sepsisassoziierte Enzephalopathie gilt als unabhängiger Risikofaktor für nosokomiales Koma bei sICH-Patienten. Dennoch mangelt es an umfassenden klinischen Studien zur Prävalenz und Langzeitauswirkungen von Sepsis bei sICH. Diese Studie untersucht Inzidenz, Risikofaktoren und Langzeitergebnisse von Sepsis in diesem Kollektiv.
Methodik
Retrospektiv ausgewertet wurden Daten erwachsener Patienten (≥18 Jahre), die zwischen Januar 2018 und Juni 2020 auf der neurochirurgischen Intensivstation des Southwest Hospital behandelt wurden. Die Sepsis-Diagnose erfolgte nach Sepsis-3-Kriterien (2016). Ausgeschlossen wurden Patienten mit chronischer Organinsuffizienz, tumor- oder gefäßmalformationsbedingter ICH, fehlender Therapie bis zur Entlassung oder Schlaganfallanamnese. Von 239 identifizierten Patienten erfüllten 68 (28,9 %) die Sepsis-3-Kriterien. Die Sepsis-Gruppe war älter (Durchschnittsalter 59,6 ± 12,5 Jahre), wies schlechtere Glasgow-Coma-Scale(GCS)-Werte bei Aufnahme sowie eine höhere Inzidenz von Ventrikeleinbrüchen (47,8 %) auf. Zudem erfolgten häufiger invasive Eingriffe wie Kraniotomie (59,4 %), lumbale Zisternendrainage/Punktion (47,8 %), tiefe Venenkatheterisierung (50,7 %) und Intubation/Tracheotomie (73,9 %). Erhöhte D-Dimer-Spiegel bei Aufnahme wurden ebenfalls beobachtet.
Ergebnisse
Sepsis erhöhte Mortalität und ungünstige Outcomes signifikant. Die 28-Tage-Mortalität lag bei Sepsis-Patienten bei 25,0 % vs. 2,1 % in der Kontrollgruppe. Nach 6 Monaten wiesen 67,2 % der Sepsis-Gruppe schlechte Outcomes auf (modifizierte Rankin-Skala: 4,40 ± 1,50; Glasgow Outcome Scale: 2,66 ± 1,53). Der maximale Procalcitonin(PCT)-Spiegel war in der Sepsis-Gruppe deutlich höher (11,13 ± 22,96 ng/ml vs. 0,60 ± 0,85 ng/ml). Uni- und multivariate Analysen identifizierten unabhängige Risikofaktoren für Sepsis: höheres Alter, lumbale Drainage/Punktion und Intubation/Tracheotomie. Sepsis, Alter, Hämatomvolumen, Ventrikeleinbruch, Kraniotomie, Venenkatheterisierung und Intubation/Tracheotomie korrelierten unabhängig mit schlechten 6-Monats-Outcomes.
Infektionsquellen
Bei 128 infizierten Patienten war der untere Respirationstrakt Hauptinfektionsort (69,5 %), gefolgt von interventionsassoziierten Infektionen (11,7 %: Katheter-, Wund-, Beatmungs-assoziiert). In bakteriellen Kulturen dominierte Klebsiella pneumoniae (49,0 %); 31,4 % zeigten Pilzinfektionen. Der Infektionsgipfel lag 3–5 Tage post-ICH, parallel zum Hirnödemmaximum.
Diskussion
Trotz Fortschritten in der Sepsis-Behandlung bleibt der Einfluss auf Langzeitergebnisse bei sICH unzureichend verstanden. Diese Studie unterstreicht die hohe Sepsis-Inzidenz bei sICH und deren Assoziation mit erhöhter Mortalität und funktioneller Verschlechterung. Frühe Diagnostik und optimierte Infektionstherapie sind entscheidend. Risikofaktoren wie Alter, Hämatomvolumen und invasive Prozeduren bedürfen besonderer Beachtung. Erhöhte PCT-Spiegel (insbesondere 3–5 Tage post-ICH) könnten prognostische Relevanz besitzen.
Schlussfolgerung
Die Ergebnisse betonen die Notwendigkeit multizentrischer Studien zur Validierung. Frühzeitiges Erkennen und Management von Sepsis könnten Mortalität senken und die Erholung verbessern. Identifizierte Risikofaktoren bieten Ansätze für gezielte Interventionen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001954