Retrospektive Analyse der realen Behandlungsergebnisse älterer chinesischer Patienten mit diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom

Retrospektive Analyse der realen Behandlungsergebnisse älterer chinesischer Patienten mit diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom

Das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL) ist das häufigste aggressive Lymphom, dessen Inzidenz mit dem Alter signifikant ansteigt. Etwa zwei Drittel der DLBCL-Fälle treten bei Patienten über 65 Jahren auf, wobei das mediane Diagnosealter zwischen 70 und 75 Jahren liegt. Ältere Patienten mit DLBCL haben im Vergleich zu jüngeren Patienten häufig eine schlechtere Prognose, bedingt durch eine geringere Toleranz gegenüber voll dosierten Therapien und das Vorliegen von Komorbiditäten. Ein höheres Alter (über 60 Jahre) wurde daher als ungünstiger prognostischer Faktor im Internationalen Prognostischen Index (IPI) zur Vorhersage des Überlebens bei DLBCL-Patienten etabliert. Die optimale Therapiestrategie für ältere Patienten bleibt kontrovers, weshalb diese Studie die klinischen Merkmale und Behandlungsergebnisse älterer chinesischer DLBCL-Patienten untersucht, mit Fokus auf den Einfluss klinischer und molekularer Faktoren auf das Überleben.

In der retrospektiven Studie wurden 349 ältere Patienten (über 60 Jahre) mit DLBCL-Diagnose am Nationalen Krebszentrum/Krankenhaus für Krebserkrankungen der Chinesischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften und der Peking Union Medical College zwischen April 2006 und Dezember 2012 analysiert. Die Patienten wurden in zwei Altersgruppen eingeteilt: 61–69 Jahre und ≥70 Jahre. Klinische Charakteristika, Therapieschemata und Outcomes wurden zwischen den Gruppen verglichen.

Das mediane Alter der Patienten betrug 68 Jahre (Spanne: 61–92 Jahre). Von 349 Patienten waren 204 (58,5%) 61–69 Jahre alt und 145 (41,5%) ≥70 Jahre. Das Geschlechterverhältnis (Männer:Frauen) lag bei 1,14. Bis auf den ECOG-Performance-Status (mehr Patienten ≥70 Jahre mit ECOG PS ≥2; P < 0,001) waren die klinischen Merkmale vergleichbar.

Die Therapien variierten: 59,9% erhielten initial Chemotherapie allein, 32,7% Chemoradiotherapie, 4,3% Operation plus Chemoradiotherapie und 3,2% andere oder keine Behandlung. Rituximab wurde bei 199 Patienten (57,0%) eingesetzt, ohne signifikanten Unterschied zwischen den Altersgruppen (59,3% bei 61–69 Jahren vs. 53,8% bei ≥70 Jahren; P = 0,297).

Die primären Endpunkte waren Gesamtüberleben (OS) und progressionsfreies Überleben (PFS). Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 82 Monaten (1–129 Monate) lagen die 5-Jahres-OS- und PFS-Raten der gesamten Kohorte bei 51,9% bzw. 45,8%. Die 5-Jahres-OS-Raten betrugen 58,3% (61–69 Jahre) vs. 42,8% (≥70 Jahre; P = 0,007), die PFS-Raten 51,0% vs. 38,6% (P = 0,034).

Rituximab-basierte Therapien verbesserten die Überlebensraten signifikant: Für die Gesamtkohorte lag die 5-Jahres-OS-Rate bei 63,1% (mit Rituximab) vs. 37,1% (ohne; P < 0,001), die PFS-Rate bei 56,6% vs. 31,8% (P < 0,001). Dieser Vorteil zeigte sich in beiden Altersgruppen: Bei 61–69-Jährigen betrug das 5-Jahres-OS 66,7% vs. 46,4% (P = 0,002), bei ≥70-Jährigen 57,7% vs. 25,4% (P < 0,001).

In der multivariaten Analyse waren fortgeschrittenes Stadium (Ann Arbor III/IV), erhöhte LDH-Werte, initiale Therapieintensität und Rituximab-Verzicht unabhängige Risikofaktoren für schlechteres OS bzw. PFS.

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung Rituximab-basierter Immunchemotherapie bei älteren DLBCL-Patienten. R-CHOP-ähnliche Schemata sollten auch bei ≥70-Jährigen erwogen werden, wobei Toxizitäten sorgfältig evaluiert werden müssen. Eine geriatrische Gesamtbewertung (CGA) könnte die Therapieoptimierung unterstützen.

Zusammenfassend zeigen die Daten, dass Rituximab-basierte Therapien das Überleben älterer DLBCL-Patienten unabhängig vom Alter verbessern. Zukünftige Studien sollten Strategien für Patienten mit Komorbiditäten oder eingeschränktem Allgemeinzustand priorisieren.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000354

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