Vergleich zwischen Psoriasis guttata und Plaque-Psoriasis hinsichtlich seruminflammatorischer Zytokine und antimikrobieller Peptide
Psoriasis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, bei der immunologische Störungen eine entscheidende Rolle in der Pathogenese spielen. Antimikrobielle Peptide (AMPs), einschließlich Cathelicidin (LL-37) und humanes Beta-Defensin-3 (HBD-3), bilden nicht nur die Grundlage der angeborenen Immunität, sondern fungieren auch als Brücke zur Aktivierung der adaptiven Immunantwort. Im Immunprozess sind mehrere inflammatorische Zytokine wie Tumornekrosefaktor-alpha, Interleukin (IL)-6, IL-10, IL-17, IL-22 und IL-23 an der Entstehung und Progression der Psoriasis beteiligt. Psoriasis guttata weist im Vergleich zu anderen Psoriasisformen eine bessere Prognose mit schneller Regression und längeren Remissionsphasen auf. Allerdings entwickeln sich 33,0 % bis 68,3 % der Psoriasis-guttata-Fälle im Verlauf von mindestens einem bis zehn Jahren zu einer chronischen Plaque-Psoriasis. Trotz dieses Progressionsmusters ist der pathogenetische Zusammenhang zwischen Psoriasis guttata und Plaque-Psoriasis unklar, wobei sich die meisten Studien auf Zytokinveränderungen bei Plaque-Psoriasis konzentrieren. Diese Studie verglich die Serumspiegel inflammatorischer Zytokine und AMPs bei Psoriasis vulgaris (guttata vs. Plaque) und untersuchte potenzielle Therapietargets, um die Pathogenese unterschiedlicher klinischer Manifestationen aufzuklären.
Die Studie wurde von der Ethikkommission des Peking University People’s Hospital genehmigt; alle Patienten unterzeichneten eine Einwilligungserklärung. Retrospektiv wurden Patienten und Kontrollen aus der dermatologischen Ambulanz der Klinik (Januar 2017–August 2018) ausgewählt. Eingeschlossen wurden 53 Patienten mit Psoriasis vulgaris (20 Psoriasis guttata, 13 milde Plaque-Psoriasis, 20 moderate-schwere Plaque-Psoriasis) und 24 gesunde Kontrollen. Die Diagnose erfolgte klinisch und/oder histopathologisch. Die Psoriasis-guttata-Gruppe umfasste Patienten mit Papeln <1 cm Durchmesser; die Plaque-Gruppe Patienten mit mindestens einer Läsion >5 cm Längsachse. Basierend auf der Klassifikation der National Psoriasis Foundation (USA) wurden Plaque-Patienten nach Body Surface Area (BSA) unterteilt: milde Plaque-Psoriasis (<3 % BSA) und moderate-schwere Plaque-Psoriasis (>3 % BSA). Hauptausschlusskriterien waren: Therapie innerhalb der letzten 4 Wochen; schwere Infektionen/Immunsuppression; Vorerkrankungen (renal, hepatisch, kardiovaskulär, pulmonal, rheumatisch, endokrin). Die Kontrollgruppe bestand aus gesunden Freiwilligen ohne entsprechende Vorerkrankungen.
Venöses Blut (5–10 ml) wurde unter sterilen Bedingungen entnommen, zentrifugiert und das Serum bei -70 °C gelagert. Die Quantifizierung von IL-10, IL-17, IL-22, IL-23, LL-37 und HBD-3 erfolgte mittels ELISA gemäß Herstellerprotokoll.
Die Datenanalyse erfolgte mit GraphPad Prism 5 und SPSS 24. Daten werden als Median (Interquartilsabstand) dargestellt; p <0,05 galt als signifikant. Gruppenvergleiche wurden mittels Kruskal-Wallis-Test mit Bonferroni-Korrektur durchgeführt; Korrelationen mittels Spearman-Rang-Test.
Das mittlere Alter der Patienten betrug 38,85 ±13,39 Jahre (22 Frauen, 31 Männer), der Kontrollen 47,58 ±16,30 Jahre (15 Frauen, 9 Männer). Keine signifikanten Unterschiede in Alter oder Geschlecht zwischen den Gruppen (siehe Zusatzmaterial Tabelle 1).
Zytokin- und AMP-Serumspiegel
- Psoriasis guttata: Signifikant höhere IL-10- und niedrigere HBD-3-Spiegel vs. Kontrollen.
- Milde Plaque-Psoriasis: Leichter Anstieg einiger Zytokine; signifikant erhöhte IL-22-Spiegel vs. Kontrollen.
- Moderate-schwere Plaque-Psoriasis: IL-10, IL-17, IL-22 und IL-23 signifikant höher vs. Kontrollen. IL-22 und IL-23 signifikant höher vs. Psoriasis guttata. IL-23 signifikant höher vs. milder Plaque-Typ.
Korrelationen
- Psoriasis guttata: Positive Korrelation zwischen IL-17 und IL-22.
- Moderate-schwere Plaque-Psoriasis: IL-10 korrelierte positiv mit IL-17/IL-22.
- Milde Plaque-Psoriasis: Negative Korrelation zwischen IL-23 und LL-37.
Diskussion
Die IL-23/17-Achse ist entscheidend für die Aufrechterhaltung der Entzündung bei Plaque-Psoriasis. In unserer Studie zeigten Patienten mit moderater-schwerer Plaque-Psoriasis signifikant höhere IL-23-Spiegel als Psoriasis-guttata-Patienten, was auf eine zentrale Rolle von IL-23 in der Krankheitsprogression hinweist. Biologika gegen IL-17/23 sind daher bei Psoriasis guttata weniger indiziert.
IL-10, produziert von regulatorischen T-Zellen (Tregs), war sowohl bei Psoriasis guttata als auch bei moderater-schwerer Plaque-Psoriasis erhöht, möglicherweise als kompensatorische Antwort auf entzündliche Trigger (z. B. Infektionen) oder chronische Inflammation. IL-22 zeigte keine Schlüsselrolle in der Pathogenese, da Blockade-Studien bei Plaque-Psoriasis erfolglos blieben.
Niedrige AMP-Spiegel bei Psoriasis guttata könnten mit häufigen Streptokokkeninfektionen assoziiert sein. Die verminderten AMP-Spiegel bei Plaque-Psoriasis (nicht signifikant) lassen sich möglicherweise durch Autoantikörper erklären, analog zu Befunden bei Lupus erythematosus.
Fazit
Die Studie zeigt unterschiedliche immunologische Profile bei Psoriasis guttata und Plaque-Psoriasis:
- Psoriasis guttata: Geprägt durch erhöhtes IL-10 und reduzierte AMPs.
- Plaque-Psoriasis: IL-23 dominiert, besonders bei schweren Verläufen.
Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer phänotyp-spezifischen Therapie und liefern Ansatzpunkte für gezielte Behandlungen.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000001227