Prädiktive Faktoren für den Spontansteinabgang bei diabetischen Patienten mit akuter Harnleiterkolik
Nierensteine sind eine häufige urologische Erkrankung mit einer Prävalenz von 8,8 % in der US-Bevölkerung laut Daten der Nationalen Gesundheits- und Ernährungsumfrage (2007–2010). Die Prävalenz von Nierensteinen ist insbesondere bei Personen mit Adipositas, Diabetes und metabolischem Syndrom erhöht. Schweregrad und Dauer des Typ-2-Diabetes korrelieren dabei mit einem erhöhten Steinrisiko. Dennoch bleibt der Zusammenhang zwischen Diabetes und spontanem Steinabgang (SSP) bei Patienten mit akuter Harnleiterkolik unklar. Diese Studie untersucht den Einfluss von Diabetes auf SSP und identifiziert prädiktive Faktoren für SSP bei diabetischen Patienten.
Die retrospektive Analyse basierte auf der Datenbank der Cleveland Clinic Foundation zu Notaufnahmefällen mit Nierenkoliken. Eingeschlossen wurden Patienten, die zwischen Dezember 2010 und Mai 2013 mit Urolithiasis in der Notaufnahme vorgestellt wurden. Der „Kidney Stone Registry“, genehmigt durch die Ethikkommission der Cleveland Clinic Foundation, diente als Datengrundlage. Ausgeschlossen wurden Patienten mit Steinen ausschließlich im Nierenbecken, multiplen Harnleitersteinen, Einzelniere, Schwangerschaft, Fieber oder Infektionszeichen. Von 660 Patienten mit akuter Harnleiterkolik waren 100 (15,2 %) diabetisch.
Die Steinmessung erfolgte durch einen erfahrenen Endourologen anhand der axialen Durchmesser in CT-Bildern. Steinlokalisation und Hydronephrosegrad wurden ebenfalls per CT bestimmt. Patientencharakteristika wie Alter, Geschlecht, Komorbiditäten und Laborwerte wurden elektronischen Krankenakten entnommen. Bei Diabetikern wurde der HbA1c-Wert erfasst. Zusätzlich wurde die Ureterenwanddicke (UWT) an der Steinposition im axialen CT gemessen, definiert als maximale Weichteildicke um den Stein.
Die Assoziation von Diabetes mit SSP wurde über einen 90-Tage-Follow-up-Zeitraum untersucht. Patienten wurden alle 2–4 Wochen nachkontrolliert, um Symptomverschlechterung oder Nierenfunktionseinbußen zu erfassen. SSP wurde definiert als Steinaustritt ohne Intervention, bestätigt durch klinische Zeichen, Bildgebung oder Telefoninterview. Prädiktive Faktoren für SSP bei Diabetikern wurden mittels univariater und multivariater Analysen identifiziert. Die statistische Auswertung erfolgte mit SPSS 25.0; ein p-Wert <0,05 galt als signifikant.
Unter den 660 Patienten waren 418 (63,3 %) männlich, das Durchschnittsalter betrug 48,6 ± 15,0 Jahre. Insgesamt zeigten 418 (63,3 %) Patienten einen SSP. Weder Diabetesdiagnose noch HbA1c-Spiegel beeinflussten die SSP-Rate signifikant. Die Steinlokalisation war ein starker Prädiktor: distale Steine hatten die höchsten SSP-Raten (75,6 %), gefolgt von mittleren (58,3 %) und proximalen Harnleitersteinen (38,7 %). Die Steingröße korrelierte invers mit SSP: Die SSP-Raten betrugen 80,6 % (<5 mm), 44,5 % (5–7 mm) und 16,3 % (>7 mm).
Bei diabetischen Patienten waren kleinere Steine, distale Lokalisation und geringere UWT signifikant mit höheren SSP-Raten assoziiert. In der univariaten Analyse zeigten Hydronephrose und Leukozytenzahl keine Prädiktivkraft. Die multivariate Analyse bestätigte geringere UWT, kleinere Steine und distale Lage als unabhängige SSP-Risikofaktoren bei Diabetikern.
Die Ergebnisse decken sich mit früheren Studien zum SSP, insbesondere hinsichtlich Steinlokalisation und -größe. Eine multizentrische Studie berichtete SSP-Raten von 89 % (<5 mm), 49 % (5–7 mm) und 29 % (>7 mm), was den hier beobachteten Trends entspricht. Die klinische Relevanz der UWT wurde bereits von Yoshida et al. betont: Bei niedriger UWT lag die 4-Wochen-SSP-Rate bei 76,4 % vs. 14,7 % bei hoher UWT. Diabetiker sind aufgrund von Komplikationen wie Nierenfunktionsverschlechterung oder Urosepsis besonders gefährdet, weshalb die Identifikation prädiktiver SSP-Faktoren entscheidend ist.
Zusammenfassend zeigte Diabetes keinen direkten Einfluss auf SSP-Raten. Bei diabetischen Patienten mit akuter Harnleiterkolik sind jedoch geringere UWT, kleinere Steine und distale Lokalisation unabhängige Prädiktoren für SSP. Diese Erkenntnisse können die klinische Entscheidungsfindung unterstützen, um konservative Therapien gezielt einzusetzen, unnötige Operationen zu vermeiden und Komplikationen zu reduzieren. UWT und Steinmessung sind insbesondere bei der Indikationsstellung für interventionelle Verfahren wie ESWL oder Ureteroskopie zu berücksichtigen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001456