Bewertung der Fähigkeit zur bildgebenden Diagnose von Hauttumoren bei chinesischen Dermatologen
Hauttumoren, die aus normalen Hautzellen entstehen, können sich unkontrolliert vermehren und transformieren. Diese Tumoren sind weltweit zunehmend verbreitet und stellen aufgrund steigender Inzidenzraten und damit verbundener Kosten eine erhebliche Belastung für die Gesundheitssysteme dar. Die Diagnose von Hauttumoren umfasst typischerweise klinisches Screening, bildgebende Verfahren und histopathologische Untersuchungen. In China steht die Dermatologie vor einzigartigen Herausforderungen, darunter eine hohe Patientenzahl bei begrenzter Verfügbarkeit von Dermatologen. Mit nur etwa 24.000 Dermatologen im Land ergibt sich ein Verhältnis von etwa einem Dermatologen pro 60.000 Einwohner, wobei dieser Wert in unterentwickelten Regionen noch niedriger ausfällt. Diese Facharztknappheit, kombiniert mit der zunehmenden Prävalenz von Hauttumoren, unterstreicht die Notwendigkeit verbesserter diagnostischer Fähigkeiten unter chinesischen Dermatologen.
Die Entwicklung moderner bildgebender Technologien hat die diagnostische Genauigkeit und Effizienz von Dermatologen erheblich gesteigert. Im Jahr 2017 initiierten chinesische Experten die „Chinese Skin Image Database (CSID)“, eine Plattform für Forschung, Bildung und Anwendung dermatologischer Bildgebung in China. Um die Fähigkeiten chinesischer Dermatologen in der bildgebenden Diagnostik von Hauttumoren zu bewerten, entwickelten CSID-Experten einen Fragebogen mit 20 Fragen. Diese umfassten Fälle von malignen, grenzwertigen und benignen Hauttumoren, die zuvor pathologisch bestätigt worden waren. Die Teilnehmer erhielten kurze Anamnesen, klinische und dermatoskopische Bilder und mussten die Tumoren klassifizieren sowie Diagnosen stellen.
Die Studie wurde auf „Youmai“, einer Online-Lernplattform mit über 20.000 registrierten chinesischen Dermatologen, durchgeführt. Die Teilnehmer gaben Basisinformationen an und bearbeiteten den Fragebogen, wobei jede korrekte Antwort fünf Punkte einbrachte. Die Analyse der Ergebnisse von 963 Dermatologen aus 31 Provinzen, autonomen Regionen und regierungsunmittelbaren Städten zeigte signifikante Unterschiede in den diagnostischen Fähigkeiten. Die Teilnehmer arbeiteten in 616 medizinischen Einrichtungen, darunter Krankenhäuser der primären, sekundären, tertiären und weiteren Versorgungsstufen. Die Berufsbezeichnungen reichten von leitenden Ärzten (Professoren, Oberärzte) über Fachärzte bis zu Assistenzärzten.
Die Ergebnisse offenbarten deutliche Unterschiede zwischen Krankenhausniveaus: Dermatologen aus tertiären Krankenhäusern erzielten höhere Durchschnittswerte in Klassifizierung und Diagnose als Kollegen aus primären oder sekundären Einrichtungen. Unterschiede zwischen Berufsgruppen waren hingegen statistisch nicht signifikant. Regionale Disparitäten traten zutage, wobei Teilnehmer aus bestimmten Provinzen höhere Genauigkeit zeigten. Insgesamt lagen die durchschnittlichen Diagnosescores unter 50 Punkten, was auf ein geringes Niveau der bildgebenden Diagnosefähigkeit hindeutet.
Die Studie unterstreicht den dringenden Handlungsbedarf zur Verbesserung der Diagnosekompetenz. Experten empfehlen folgende Maßnahmen: (1) Schulungen zur Bildanalyse via Konferenzen, Videos und Lehrbücher; (2) Ausstattung von Krankenhäusern mit moderner Bildgebungstechnik; (3) internationale Kooperationen und Aufbau eines umfassenden Hautbild-Datensatzes für die chinesische Bevölkerung; (4) Entwicklung intelligenter Diagnosesysteme, die auf die chinesische Bevölkerung zugeschnitten sind.
Die aktuell geringe bildgebende Diagnosefähigkeit bei Hauttumoren erfordert gezielte Interventionen. Durch verbesserte Ausbildung, technische Ausstattung, globale Zusammenarbeit und KI-gestützte Systeme kann die Diagnostik optimiert werden. Dies würde nicht nur die Patientenversorgung verbessern, sondern auch zur Prävention von Hauttumoren in der Bevölkerung beitragen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000389