Kolorektalkrebs-Inzidenz und Mortalität: Aktueller Stand in 60 Ländern

Kolorektalkrebs-Inzidenz und Mortalität: Aktueller Stand, zeitliche Trends und zugehörige Risikofaktoren in 60 Ländern (2000–2019)

Globale Belastung durch Kolorektalkrebs im Jahr 2020

Kolorektalkrebs (KRK) bleibt eine bedeutende globale Gesundheitsherausforderung und war im Jahr 2020 die dritthäufigste diagnostizierte Krebsart und die zweithäufigste Ursache für krebsbedingte Todesfälle weltweit. Laut GLOBOCAN-Daten wurden in diesem Jahr etwa 1,9 Millionen neue KRK-Fälle und 935.000 Todesfälle verzeichnet. Die altersstandardisierten Inzidenzraten (ASIR) und Mortalitätsraten (ASMR) lagen bei 19,5 bzw. 9,0 pro 100.000 Einwohner.

Geografische Disparitäten in der KRK-Belastung waren deutlich sichtbar. Europäische Länder wiesen die höchsten Inzidenz- und Mortalitätsraten auf. Ungarn hatte die höchste ASIR (45,3 pro 100.000), gefolgt von der Slowakei (43,9 pro 100.000) und Norwegen (41,9 pro 100.000). Im Gegensatz dazu meldeten afrikanische Länder wie Guinea (ASIR: 3,3 pro 100.000) und Botswana (ASMR: 2,6 pro 100.000) die niedrigsten Raten. In Asien hatten Japan (ASIR: 38,5 pro 100.000) und Singapur (ASMR: 16,2 pro 100.000) erhöhte Raten, während Bangladesch die niedrigsten Werte verzeichnete (ASIR: 3,8; ASMR: 2,3 pro 100.000). China trug 29 % der globalen KRK-Fälle (555.477 neue Fälle) und 30,6 % der Todesfälle (286.162 Todesfälle) bei, was seine erhebliche Belastung widerspiegelt.

Es wurde eine starke Korrelation zwischen dem Human Development Index (HDI) und der KRK-Belastung beobachtet. Länder mit sehr hohem HDI hatten ASIRs, die fast fünfmal höher waren als die von Ländern mit niedrigem HDI (Abbildung 1). Beispielsweise meldete die Slowakei, ein Land mit sehr hohem HDI, die höchste ASMR (21,0 pro 100.000), während Bangladesch, ein Land mit mittlerem HDI, die niedrigste Rate aufwies.

Zeitliche Trends in der KRK-Inzidenz und -Mortalität (2000–2019)

Mithilfe der Joinpoint-Regressionsanalyse wurden Trends in der ASIR und ASMR in 60 Ländern untersucht. Zwischen 2000 und 2019 verzeichneten 33 Länder signifikante Anstiege der KRK-Inzidenz (durchschnittliche jährliche prozentuale Veränderung [AAPC]: 0,24–3,82), während 18 Länder steigende Mortalitätsraten aufwiesen (AAPC: 0,41–2,22). Diese Trends waren in Osteuropa, Lateinamerika und Asien am ausgeprägtesten (Abbildung 2).

Gruppenspezifische Trends

Die Länder wurden basierend auf den Inzidenz- und Mortalitätstrends in sechs Gruppen eingeteilt:

  • Gruppe A (Steigende Inzidenz und Mortalität): Umfasste China (AAPC für Inzidenz: 3,82; Mortalität: 1,18), Ecuador (3,02; 2,22) und Costa Rica (2,64; 1,82).
  • Gruppe C (Steigende Inzidenz, sinkende Mortalität): Enthielt Länder wie Südkorea (1,39; -0,54) und Finnland (0,48; -0,56), wo Screening-Programme wahrscheinlich zu den Mortalitätsrückgängen beitrugen.
  • Gruppe F (Sinkende Inzidenz und Mortalität): Bestand aus 15 Ländern mit hohem HDI, darunter Österreich (AAPC: -2,19; -2,74) und die Vereinigten Staaten (-0,69; -1,05), was erfolgreiche Präventions- und Früherkennungsstrategien widerspiegelt.

Geschlechtsspezifische Trends

Geschlechtsspezifische Disparitäten waren deutlich sichtbar. Männer wiesen höhere Inzidenzsteigerungen auf, wobei China (AAPC: 4,54), Costa Rica (3,40) und Ecuador (3,11) die stärksten Anstiege zeigten. Frauen in Ecuador (2,82), China (2,68) und Grenada (2,66) verzeichneten ebenfalls signifikante Anstiege. Die Mortalitätstrends spiegelten diese Muster wider, wobei Costa Rica (AAPC: 2,50 bei Männern) und Ecuador (1,97 bei Frauen) die größten Anstiege aufwiesen. Im Gegensatz dazu führten Österreich (-2,89 bei Männern) und Deutschland (-2,83 bei Frauen) die Rückgänge in der Mortalität an.

Altersspezifische Trends

Bemerkenswert ist, dass die früh einsetzende KRK (bei Personen <50 Jahren) in 30 Ländern anstieg (AAPC: 0,28–3,62). China (3,62), Costa Rica (3,33) und Mexiko (2,78) verzeichneten die höchsten Anstiege. Im Gegensatz dazu meldeten 13 Länder mit hohem HDI, darunter Österreich (-2,09) und Deutschland (-1,58), Rückgänge in der Inzidenz bei Personen ≥50 Jahren. Auffällig ist, dass die USA bei älteren Erwachsenen einen Rückgang (-0,88), bei jüngeren Bevölkerungsgruppen jedoch einen Anstieg (0,56) verzeichneten, was auf sich verändernde Risikoprofile hinweist.

Risikofaktoren im Zusammenhang mit der KRK-Belastung

Ökologische Analysen identifizierten länderspezifische Faktoren, die mit der KRK-Inzidenz und -Mortalität verbunden sind:

  • Lebensstil- und metabolische Faktoren: Höherer Alkoholkonsum (β = 0,412 für Inzidenz; 0,315 für Mortalität) und erhöhte Cholesterinspiegel (β = 0,785 für Inzidenz) waren positiv mit der KRK-Belastung assoziiert.
  • Sozioökonomische Faktoren: Arbeitslosigkeit (β = 0,455 für männliche Inzidenz) und schlechtere Gesundheitssysteme korrelierten mit höheren Raten. Im Gegensatz dazu waren höhere Bildungsniveaus (β = -0,096 für weibliche Mortalität) protektiv.
  • Regionale Variationen: Bei Männern waren Alkohol, Cholesterin, Arbeitslosigkeit und die Qualität des Gesundheitssystems signifikante Treiber. Bei Frauen korrelierte die universelle Gesundheitsversorgung (UHC) paradoxerweise mit höherer Inzidenz (β = 0,160), möglicherweise aufgrund eines erhöhten Zugangs zu diagnostischen Verfahren.

Diskussion

Rückläufige Trends in Ländern mit hohem HDI

Die Rückgänge in der KRK-Inzidenz und -Mortalität in Ländern mit hohem HDI, wie Österreich und den USA, unterstreichen die Auswirkungen von Screening-Programmen und Lebensstiländerungen. Koloskopie und fäkale immunochemische Tests (FIT) haben sich als wirksam erwiesen, wobei Studien Reduktionen der Inzidenz um bis zu 49 % und der Mortalität um bis zu 47 % durch Screening zeigen. Die Screening-Beteiligung in den USA stieg von 38 % im Jahr 2000 auf 66 % im Jahr 2018, was mit den rückläufigen Trends übereinstimmt.

Steigende Belastung in Entwicklungsländern

Entwicklungsländer, insbesondere in Asien und Lateinamerika, sehen sich mit steigenden KRK-Raten konfrontiert, was auf Urbanisierung, Ernährungsumstellungen (erhöhter Verzehr von verarbeitetem Fleisch und Alkohol) und sitzende Lebensweisen zurückzuführen ist. Der rasche Anstieg in China (AAPC: 3,82) spiegelt diese Übergänge wider, die durch eine begrenzte Screening-Infrastruktur verstärkt werden.

Früheinsetzender KRK: Eine aufkommende Herausforderung

Der Anstieg des früheinsetzenden KRK, insbesondere in den USA, Australien und Europa, signalisiert dringende öffentliche Gesundheitsprobleme. Während genetische Faktoren (z. B. Lynch-Syndrom) eine Rolle spielen, können modifizierbare Risiken wie Fettleibigkeit, Alkohol und Antibiotikaübergebrauch dazu beitragen. Aktuelle Screening-Richtlinien (in der Regel ab 50 Jahren) müssen möglicherweise überprüft werden, um diesen Trend zu adressieren.

Einschränkungen und zukünftige Richtungen

Studieneinschränkungen umfassen die Abhängigkeit von modellierten GBD-Daten und das Risiko des ökologischen Fehlschlusses bei der Assoziation von populationsbasierten Faktoren mit individuellem Risiko. Zukünftige Forschungen sollten Daten zu Kolon- und Rektumkarzinomen getrennt betrachten und molekulare Treiber des früheinsetzenden KRK untersuchen.

Schlussfolgerung

Diese Studie beleuchtet die duale Realität der KRK-Belastung: signifikante Rückgänge in Ländern mit hohem HDI aufgrund von Präventionsbemühungen und alarmierende Anstiege in Entwicklungsregionen. Maßgeschneiderte Strategien – wie die Ausweitung des Screening-Zugangs, die Förderung eines gesünderen Lebensstils und die Bewältigung sozioökonomischer Disparitäten – sind entscheidend, um die globale Auswirkung von KRK zu verringern.

DOI: doi.org/10.1097/CM9.0000000000001619

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