Aktualisierung des Diagnose- und Behandlungsstatus von Psoriasis in China

Aktualisierung des Diagnose- und Behandlungsstatus von Psoriasis in China: Ergebnisse aus dem Nationalen Psoriasis-Register

Psoriasis ist eine chronische immunvermittelte systemisch-entzündliche Erkrankung, die durch Hauterytheme, eine verminderte Lebensqualität und assoziierte systemische Begleiterkrankungen wie kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes und metabolisches Syndrom gekennzeichnet ist. Im Jahr 2017 waren 0,5 % der chinesischen Bevölkerung betroffen. Um die Diagnose und Therapie der Psoriasis in China zu verbessern, initiierte das Nationale Klinische Forschungszentrum für Haut- und Immunerkrankungen das Projekt „Standardisiertes Psoriasis-Diagnose- und Behandlungszentrum“, das 2022 das Nationale Psoriasis-Register (Psoriasis Center Registry) als nationale Plattform für realweltliche Datenerfassung mit über 300 medizinischen Zentren etablierte. Diese Studie präsentiert aktuelle Daten zu allgemeinen Charakteristika und Therapieverteilung bei Psoriasis-Patient:innen in China basierend auf Registerdaten von August 2020 bis März 2022.

Das Psoriasis Center Registry sammelte Basisinformationen von 55.402 Patient:innen aus 282 medizinischen Zentren. Das Studienprotokoll wurde durch die Ethikkommission des Peking University First Hospital genehmigt; alle Teilnehmenden gaben eine informierte Einwilligung. Erfasst wurden Demografie, persönliche und familiäre Krankengeschichte, klinische Manifestationen, Krankheitsschwere, Therapiestrategien und selbstausgefüllte Fragebögen. Die Schwere wurde mittels Psoriasis Area and Severity Index (PASI), Body Surface Area (BSA) und Investigator’s Global Assessment (IGA) bewertet. Adipositas wurde als BMI ≥ 27,5 kg/m² definiert. Komorbiditäten wie Hypertonie, Diabetes, koronare Herzkrankheit und Malignome wurden anamnestisch erfasst. Die Lebensqualität wurde mit dem Dermatology Life Quality Index (DLQI), Psoriasis-Arthritis (PsA) mittels Psoriasis Epidemiology Screening Tool (PEST) evaluiert.

Die Studie zeigte ein Geschlechterverhältnis von 1,8:1 (m:w) bei einem medianen Alter von 38,7 Jahren. Unter den Patient:innen waren 93,8 % Erwachsene. Die nationale Krankenversicherung für städtische Arbeitnehmende bzw. ländliche Bewohner:innen deckte 49,2 % bzw. 42,3 % der Kosten; 3,5 % zahlten selbst. Die Adipositasprävalenz bei Erwachsenen lag bei 19,0 %, die mediane Erkrankungsdauer bei sechs Jahren. Plaque-Psoriasis war der häufigste Subtyp (84,5 %), gefolgt von Psoriasis guttata (12,3 %), pustulöser (3,0 %) und erythrodermischer Psoriasis (3,6 %). PsA wurde bei 2,3 % diagnostiziert, obwohl 7,1 % einen PEST-Score ≥ 3 angaben. Prädilektionsstellen umfassten die Kopfhaut (63,9 %), Nägel (20,4 %), Handflächen/Fußsohlen (17,8 %) und Genitalbereich (12,1 %). Die medianen PASI-, BSA- und DLQI-Scores betrugen 6,8, 10 % bzw. 8. Schwere Verläufe zeigten sich bei 37,4 % (PASI), 53,2 % (BSA), 14,8 % (IGA) und 37,9 % (DLQI).

Komorbiditäten umfassten Hypertonie (5,5 %), Diabetes (3,4 %), koronare Herzkrankheit (0,9 %) und Malignome (0,3 %). Bei Patient:innen ≥ 60 Jahren lagen die Raten höher: Hypertonie (19,5 %), Diabetes (10,6 %), koronare Herzkrankheit (4,7 %) und Malignome (1,1 %). Die Studie betonte eine geringe Awareness für Psoriasis als systemisch-entzündliche Erkrankung und die Notwendigkeit regelmäßiger Komorbiditätsscreenings.

Bei Einschluss erhielten 59,3 % topische Therapien, meist Glukokortikoide (35,0 %) und Vitamin-D3-Analoga (21,8 %). Nicht-biologische Systemtherapien wurden 37,7 % verordnet, darunter Phototherapie (11,4 %) und orale Medikamente wie chinesische Kräuter (13,4 %) oder Acitretin (6,8 %). Biologika nutzten 28,7 %, vorwiegend Secukinumab (80,8 %) und Adalimumab (10,1 %). Erwachsene erhielten häufiger Biologika, Kinder eher topische oder nicht-biologische Systemtherapien.

Unter Biologika-Neuanwender:innen dominierten Plaque-Psoriasis (76,4 %), gefolgt von Psoriasis guttata (6,9 %), pustulöser (2,8 %) und erythrodermischer Psoriasis (5,8 %). Die Mehrheit der Plaque-Psoriasis-Patient:innen hatte PASI ≥ 10 (63,3 %) oder PsA mit Prädilektionsstellen (74,6 %). Jedoch erhielten 10,8 % Biologika ohne diese Kriterien, was subjektiven Bedürfnissen und ökonomischen Faktoren zugeschrieben wird.

Nach der Aufnahme von Secukinumab in die nationale Erstattungsliste (März 2021) stieg der Biologika-Anteil von 18,3 % (2020–2021) auf 30,8 % (2021–2022). Secukinumab war hierbei dominierend (84,9 %). Im Vergleich zu 2009–2010 (keine Biologika, 75,7 % topische Glukokortikoide, 72,0 % traditionelle chinesische Medizin) zeigt sich ein deutlicher Therapiewandel.

Limitationen umfassen unvollständige Daten und mögliche Unterrepräsentation der Allgemeinpopulation durch Fokussierung auf tertiäre Zentren. Zukünftige Studien sollten Daten aus weiteren Einrichtungen integrieren, um Langzeitverläufe, Triggerfaktoren und Therapieeffektivität zu analysieren.

Zusammenfassend unterstreicht diese nationale Realweltstudie die hohe Krankheitsschwere und Prävalenz psychosozial belastender Läsionen bei chinesischen Psoriasis-Patient:innen bei gleichzeitig geringer Komorbiditätserfassung. Sie betont die Notwendigkeit intensiver Therapie, psychosozialer Unterstützung und systematischer Screeningprogramme. Biologika etablieren sich zunehmend bei schwerer Psoriasis, PsA oder belastenden Lokalisationen – besonders nach Verbesserung der Kostenerstattung. Die Ergebnisse bilden eine wichtige Basis für zukünftige Forschungsstrategien in China.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002563

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