Aktuelle Merkmale, Behandlung und klinische Ergebnisse von Patienten mit Vorhofflimmern in China: Ergebnisse aus der Real-World-Studie des chinesischen Vorhofflimmern-Registers
Vorhofflimmern (VF) stellt ein wachsendes Public-Health-Problem dar, insbesondere im Kontext des globalen epidemiologischen Übergangs von übertragbaren zu nicht übertragbaren Erkrankungen. In China trägt VF erheblich zur Krankenhaussterblichkeit bei, was die Notwendigkeit eines vertieften Verständnisses klinischer Charakteristika, Behandlungsstrategien und Outcomes in dieser Population unterstreicht. Während der Großteil des aktuellen Wissens zu VF aus klinischen Studien und Beobachtungsstudien in Nordamerika und Westeuropa stammt, fehlen populationsspezifische Daten aus China. Diese Studie zielt darauf ab, diese Lücke durch eine umfassende Analyse von hospitalisierten VF-Patienten in China zu schließen, basierend auf dem Real-World-Studie des chinesischen Vorhofflimmern-Registers (RWS-CAF).
Methodik
Das RWS-CAF-Register ist eine multizentrische, prospektive Beobachtungsstudie, die konsekutive Patienten mit VF-Diagnose gemäß chinesischer Leitlinien umfasst. Die Studie erstreckte sich vom 1. November 2017 bis 31. Oktober 2018 und involvierte 362 Krankenhäuser der höchsten Versorgungsstufe in China. Eingeschlossen wurden Patienten ≥18 Jahre mit primärer Entlassungsdiagnose VF. Mittels standardisierter Erhebungsbögen wurden demografische Daten, Komorbiditäten (Hypertension, KHK, Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus, COPD), CHA2DS2-VASc- und HAS-BLED-Scores sowie Therapieparameter (Antikoagulation, Ablation, Antiarrhythmika) erfasst.
Ergebnisse
Von 170.646 eingeschlossenen Patienten (Altersdurchschnitt 68,7 Jahre; 55,9 % männlich) wiesen 54,3 % paroxysmales, 25,3 % persistierendes und 9,2 % lang-anhaltendes/permanentes VF auf. Prävalente Komorbiditäten waren Hypertension (42,7 %), KHK (25,9 %), Herzinsuffizienz (21,4 %), Diabetes (14,3 %) und COPD (2,9 %).
Im CHA2DS2-VASc-Score (erhoben bei 80,4 %) hatten 66 % der Patienten einen Score ≥2. Davon erhielten 79,1 % Antikoagulanzien, während 21,9 % keine Therapie erhielten. Bei Niedrigrisiko-Patienten (Score 0–1) wurden 51,8 % dennoch antikoaguliert. Neue orale Antikoagulanzien (NOAKs) dominierten bei Hochrisikopatienten (53,6 % vs. 46,4 % Warfarin), während Warfarin bei Niedrigrisiko-Patienten häufiger eingesetzt wurde (56,7 % vs. 43,6 % NOAKs).
Pulmonalvenenisolation (PVI) war die häufigste Ablationsmethode (77,6 % allein, 22,4 % mit zusätzlichen Ablationsverfahren). Bei Nicht-Ablationspatienten erhielten lediglich 30,7 % Antiarrhythmika, vorwiegend Betablocker (31,0 %) und Amiodaron (21,5 %).
Diskussion
Die Studie identifiziert Hypertension und KHK als Hauptkomorbiditäten des VF in China, mit vergleichsweise niedriger Diabetes- und COPD-Prävalenz. Kritisch ist die Diskrepanz bei der Antikoagulationsindikation: Während ein relevanter Anteil Hochrisikopatienten untherapiert bleibt, erfolgt bei Niedrigrisikopatienten eine Übertherapie. Die NOAK-Präferenz bei Hochrisikopatienten spiegelt wahrscheinlich Praktikabilitätsvorteile wider, während Warfarin bei Kostenaspekten relevant bleibt. Der geringe Einsatz rhythmuserhaltender Medikamente (30,7 %) unterstreicht Optimierungspotenzial.
Schlussfolgerung
Das RWS-CAF-Register liefert erstmals umfassende Einblicke in die Versorgungssituation von VF-Patienten in China. Zentrale Handlungsfelder betreffen die Leitliniengerechte Antikoagulation, die Steigerung der Rhythmustherapie und die differenzierte Komorbiditätenkontrolle. Die Ergebnisse unterstreichen den Bedarf an gezielten Interventionsstrategien zur Verbesserung der VF-Versorgung in China.
Interessenkonflikte
Keine deklariert.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001151