Analyse der Risikofaktoren für primären Gallereflux: Eine multizentrische Querschnittsstudie
Primärer Gallereflux (PBR), auch als duodenogastrischer Reflux bekannt, ist eine Erkrankung, bei der duodenale Inhalte wie Galle, Pankreassaft und Duodenalsaft in den Magen zurückfließen. Im Gegensatz zum sekundären Gallereflux, der nach Magenchirurgie auftritt, tritt PBR bei Personen ohne chirurgische Vorerkrankungen des oberen Gastrointestinaltrakts auf. PBR wird mit der Entstehung von Erkrankungen wie Gastritis, gastroösophagealem Reflux und Magenkarzinomen in Verbindung gebracht. Trotz seiner klinischen Relevanz sind die Risikofaktoren für PBR unzureichend erforscht. Diese Studie zielte darauf ab, Risikofaktoren für PBR mittels einer multizentrischen Querschnittsuntersuchung zu identifizieren.
Die Studie wurde in drei chinesischen Krankenhäusern durchgeführt: Xijing Hospital (Xi’an), Honghui Hospital (Xi’an) und Xianyang Central Hospital (Xianyang). Daten von gastroenterologischen Patienten wurden zwischen Juni 2021 und Juni 2022 erhoben. Ein standardisierter Fragebogen erfasste demografische Merkmale, Lebensgewohnheiten, gastrointestinale Symptome, Krankengeschichte, Medikamenteneinnahme und psychologische Faktoren. Geschulte Mitarbeiter führten Face-to-Face-Interviews durch.
Einschlusskriterien: Patienten im Alter von 18–75 Jahren mit Gastroskopie in den vorangegangenen vier Wochen. Ausschlusskriterien: Magenchirurgie in der Anamnese, unvollständige Daten. Die Diagnose und Graduierung des Gallerefluxes erfolgte endoskopisch anhand der Farbe und Konsistenz des Schleimsees: Grad 0 (kein Reflux), Grad 1 (hellgelb), Grad 2 (gelbgrün), Grad 3 (dunkelgelb, viskös mit Gallespuren). Die 931 Teilnehmer wurden in PBR- (n=332) und Nicht-BR-Gruppe (n=599) eingeteilt.
Univariate Analysen zeigten signifikante Unterschiede bei Lebensstilfaktoren, gastrointestinalen Symptomen, Vorerkrankungen und psychologischen Parametern. In der multivariaten Analyse waren folgende unabhängige Risikofaktoren assoziiert:
- Männliches Geschlecht (OR: 1,494; 95 %-KI: 1,049–2,127)
- BMI <24 kg/m² (OR: 1,640; 95 %-KI: 1,165–2,309)
- Häufiger Verzehr von Speiseresten (>3×/Woche; OR: 2,162; 95 %-KI: 1,204–3,881)
- Dyspepsie (OR: 1,641; 95 %-KI: 1,108–2,429)
- Gallenwegserkrankungen (OR: 2,447; 95 %-KI: 1,714–3,492)
- HAMA-Score >14 (OR: 2,354; 95 %-KI: 1,565–3,540)
- HAMD-Score >20 (OR: 3,033; 95 %-KI: 1,731–5,315)
Protektive Effekte zeigten sich bei Alkoholkonsum (OR: 0,560; 95 %-KI: 0,364–0,863) und NSAID-Einnahme (OR: 0,445; 95 %-KI: 0,270–0,733). Geschlechts- und altersspezifische Subanalysen offenbarten heterogene Risikoprofile: Bei Männern wirkte sich NSAID-Gebrauch protektiv aus, bei Frauen Alkoholkonsum. Ein BMI <24 kg/m² und Dyspepsie waren nur bei Frauen, Speiserestenkonsum nur bei Männern signifikant.
Limitationen: Die Querschnittsstudie erlaubt keine kausalen Rückschlüsse. Die regionale Beschränkung auf Nordwestchina limitiert die Allgemeingültigkeit der Ergebnisse. Dennoch liefert die Studie mit ihrer großen Stichprobe und umfassenden Risikofaktorbewertung wertvolle Erkenntnisse für Prävention und Therapie des PBR.
Zusammenfassend identifiziert diese Studie männliches Geschlecht, niedrigen BMI, Dyspepsie, Gallenwegserkrankungen, psychologische Faktoren sowie Ernährungsgewohnheiten als wesentliche PBR-Risikofaktoren. Alkoholkonsum und NSAID-Anwendung zeigen protektive Effekte. Diese Ergebnisse tragen zum epidemiologischen Verständnis des PBR bei und leisten einen Grundstein für gezielte Interventionsstrategien.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002725