Anwendung bilateraler supraklavikulärer Arterieninsellappen zur Rekonstruktion von hypopharyngealen und zervikalen Hautdefekten: Ein Fallbericht
Im Bereich der Kopf-Hals-Chirurgie stellt die Behandlung fortgeschrittener Malignome erhebliche Herausforderungen dar, insbesondere bei Rezidivtumoren nach primärer chirurgischer oder radiotherapeutischer Behandlung. Diese Rezidivtumoren infiltrieren häufig sowohl Mukosa als auch Haut, wodurch komplexe Defekte entstehen, die eine präzise Rekonstruktion erfordern. Die primären Ziele solcher Rekonstruktionen sind die Wiederherstellung des Verdauungstrakts zur Sicherung der Schluckfähigkeit und der Schutz vitaler Strukturen durch Rekonstruktion der zervikalen Haut und Weichteile. Dieser Fallbericht beschreibt die erfolgreiche Anwendung bilateraler supraklavikulärer Arterieninsellappen zur Deckung ausgedehnter hypopharyngealer und zervikaler Hautdefekte bei einem Patienten mit fortgeschrittenem Larynxkarzinom.
Fallbericht
Der 66-jährige Patient war vor sechs Jahren mit einem Larynxkarzinom (T2N0M0) diagnostiziert worden und hatte eine vertikale partielle Laryngektomie mit anschließender Radiotherapie (60 Gy/33F) erhalten. Drei Monate vor der aktuellen Vorstellung entwickelten sich Rötung und Schwellung der vorderen Halsregion, begleitet von Dysphagie und Dyspnoe. Die Symptome verschlechterten sich progredient, wesweit eine Notfalltracheotomie erfolgte. Die klinische Untersuchung zeigte Ulzerationen der Halshaut mit einer rupturierten Läsion (2 × 1 cm). Die Laryngoskopie ergab narbige Veränderungen der Glottis, Immobilität des linken Hemilarynx und Mukosaödem. Bildgebende Verfahren bestätigten einen irregulären Weichteiltumor (4,9 × 3,6 cm) im Laryngopharynx mit Infiltration der vorderen Halshaut, der zervikalen Faszie, des M. sternocleidomastoideus und der Schildknorpelplatte. Die histopathologische Untersuchung bestätigte ein Plattenepithelkarzinom.
Chirurgisches Vorgehen
Aufgrund der Vorbelastung durch Operation und Radiotherapie wurde eine lokale Lappenplastik gewählt. Das Resektionsausmaß umfasste die betroffene Halshaut (2 cm Sicherheitsabstand), eine totale Laryngektomie, Resektion der Hypopharynxwand (0,5–1 cm Mukosaresektionsrand), zervikale Lymphadenektomie und Tracheostoma. Intraoperative Schnellschnitte bestätigten tumorfreie Resektionsränder und fehlenden Lymphknotenbefall (Level IV/V). Die supraklavikulären Gefäße waren gut ausgebildet, sodass eine Lappenrekonstruktion möglich war.
Rekonstruktion
Zwei supraklavikuläre Arterieninsellappen wurden präpariert: Ein linker Lappen (7 × 4 cm) deckte den hypopharyngealen Mukosadefekt der Hinterwand, ein rechter Lappen (10 × 7 cm) den vorderen Hautdefekt. Die Entnahmestellen wurden primär verschlossen. Die Histopathologie bestätigte ein hochdifferenziertes Plattenepithelkarzinom ohne Residualtumor oder Lymphknotenmetastasen (rT4aN0M0).
Postoperativer Verlauf
Der Heilungsverlauf war komplikationsfrei ohne Infektionen, Schwellungen oder pharyngeale Fisteln. Orale Nahrungsaufnahme wurde am 12. postoperativen Tag aufgenommen, und nach einem Monat war eine normale Ernährung möglich. Die ösophageale Kontrastmitteldarstellung zeigte keine Stenosen, und die MRT-Untersuchung nach sechs Monaten bestätigte eine stabile Lappenintegration ohne Atrophie.
Diskussion
Supraklavikuläre Arterieninsellappen bieten Vorteile bei der Rekonstruktion komplexer Kopf-Hals-Defekte, insbesondere bei vorbestrahlten Patienten, bei denen freie Lappen aufgrund gefäßbedingter Einschränkungen kontraindiziert sind. Der Lappen, der aus Ästen der A. transversa cervicis gespeist wird, wurde erstmals 1997 von Pallua et al. beschrieben. Seine Vorteile umfassen dünnes Gewebe, einfache Formbarkeit und primären Wundverschluss ohne Schulterfunktionseinschränkung. Zudem entfällt die Notwendigkeit mikrochirurgischer Anastomosen, was insbesondere bei älteren Patienten vorteilhaft ist.
Limitationen sind eine mögliche Beeinträchtigung der Lappendurchblutung bei vorangegangener Radiotherapie im supraklavikulären Feld, weshalb eine präoperative Gefäßbeurteilung essenziell ist. Zudem muss ein Lymphknotenbefall intraoperativ ausgeschlossen werden.
Schlussfolgerung
Bilaterale supraklavikuläre Arterieninsellappen stellen eine sichere und effektive Option zur Rekonstruktion kombinierter pharyngealer und zervikaler Defekte dar. Sie ermöglichen funktionell und ästhetisch zufriedenstellende Ergebnisse, insbesondere bei Patienten mit limitierten Rekonstruktionsmöglichkeiten.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000831