Asymmetrische Parietal- und Temporallappenatrophie aufgrund der m.8363G>A-Variante in der Transfer-Ribonukleinsäure (Lysin)
Der Fallbericht von Xu et al. beschreibt einen 54-jährigen männlichen Patienten mit einer multisystemischen mitochondrialen Erkrankung (MID), die auf die mitochondriale DNA (mtDNA)-Variante m.8363G>A in der Transfer-Ribonukleinsäure (tRNA) für Lysin zurückgeführt wird. Diese Variante war mit klinischen Manifestationen im Gehirn, an den Ohren und in der Muskulatur assoziiert. Der Patient wies eine mitochondriale Myopathie auf, die vorwiegend die Extremitätenmuskulatur betraf. Der Bericht spezifiziert jedoch nicht, ob weitere Muskelgruppen wie die faziale, okulomotorische, axiale, bulbäre oder respiratorische Muskulatur bei Diagnosestellung oder im Verlauf beteiligt waren. Diese Muskelgruppen sind bei MID häufig betroffen, und ihre Beteiligung könnte Aufschluss über Progressionsdynamik und Schweregrad der Erkrankung geben.
Die mitochondriale Myopathie infolge mtDNA-tRNA-Varianten führt typischerweise zu kombinierten Defekten der Atmungskette. Daher ist die Darstellung biochemischer Untersuchungsergebnisse der Muskelbiopsie essenziell. Insbesondere sollte geklärt werden, ob die Aktivität eines einzelnen oder mehrerer Atmungskettenkomplexe reduziert war. Solche Angaben würden das biochemische Korrelat der Myopathie und dessen Zusammenhang mit dem klinischen Phänotyp verdeutlichen.
Der Patient zeigte zudem eine Dysarthrie, deren Ursache unklar bleibt – ob durch bulbäre Muskelbeteiligung oder eine Hirnstammpathologie. Weiterhin könnten Nervenleitungsstudien aufzeigen, ob eine axonale oder demyelinisierende Polyneuropathie vorlag, die häufig mit MID assoziiert ist. Diese Details würden die neurologische Symptomatik umfassender darstellen.
Mitochondriale Myopathien gehen oft mit erhöhten Laktatwerten im Serum, in Ruhe oder unter Belastung, einher. Ein Laktat-Belastungstest (Messung unterhalb der anaeroben Schwelle) könnte diagnostisch wegweisend sein. Der Bericht sollte die Serumlaktatwerte des Patienten sowie deren Anstieg unter milder Belastung angeben. Da eine zerebrale Beteiligung bei MID häufig mit erhöhtem Liquorlaktat einhergeht, wäre die Darstellung eines erhöhten Laktatpeaks in der Magnetresonanzspektroskopie (MRS) oder einer zerebralen Laktatazidose im Liquor relevant.
Die phänotypische Ausprägung von mtDNA-Varianten hängt von der Heteroplasmie-Rate ab, d.h. dem Anteil mutierter mtDNA pro Mitochondrium oder Zelle. Die Heteroplasmie-Rate im Muskelgewebe des Patienten sollte quantifiziert werden. Da diese Rate zwischen Geweben variiert, wären zusätzliche Analysen in Haarfollikeln, Hautfibroblasten, bukkalen Mukosazellen, Urothelzellen oder Blutlymphozyten aufschlussreich, um die Organbeteiligung und Krankheitsheterogenität zu erklären.
Die Familienanamnese des Patienten bleibt unklar. Da 75 % der mtDNA-Varianten maternal vererbt werden, ist die klinische Symptomatik der Mutter sowie deren Trägerschaft der m.8363G>A-Variante entscheidend. Diese Informationen könnten Aufschluss über den Vererbungsmodus und das Erkrankungsrisiko für Familienmitglieder geben.
Hirnatrophien bei MID betreffen häufig das Kleinhirn oder die Basalganglien. Im vorliegenden Fall bestand eine asymmetrische Parietal- und Temporallappenatrophie. Unklar bleibt, ob diese fokale Atrophie das Endstadium einer stroke-like Läsion darstellt oder progredient entstand. Der Bericht sollte die zeitliche Entwicklung der Atrophie sowie eine mögliche Generalisierung im Krankheitsverlauf darlegen.
Die Therapie von MID umfasst typischerweise Vitamine, Liponsäure und Kofaktoren, deren Wirksamkeit jedoch begrenzt ist. Es sollte spezifiziert werden, welche Symptome sich unter Therapie besserten und ob dies spontan oder als Placeboeffekt erfolgte. Zudem wäre die Frage relevant, ob die zerebrale Atrophie parallel zur klinischen Besserung regredient war.
Da MID häufig multisystemisch verlaufen – initial oder im Verlauf – sind prospektive Untersuchungen zur Früherkennung subklinischer oder oligosymptomatischer Organbeteiligungen essenziell. Insbesondere die kardiale Beteiligung bedarf frühzeitiger Detektion zur Prognoseverbesserung. Der Bericht sollte Ergebnisse solcher prospektiven Multisystemuntersuchungen integrieren, um die Organmanifestationen umfassend abzubilden.
Zusammenfassend unterstreicht dieser Fall die Komplexität von MID und die Notwendigkeit detaillierter Untersuchungen zur phänotypischen Charakterisierung. Präzise Angaben zur Familienanamnese, Heteroplasmie-Raten in verschiedenen Geweben, prospektive Multisystemdiagnostik und Therapieeffekte würden das Verständnis dieser Erkrankung vertiefen. Der Fall betont zudem die Bedeutung der Früherkennung organischer Beteiligungen zur Optimierung des Outcomes.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001118