Außerhalb der Regelarbeitszeit durchgeführte Primäre Perkutane Koronarintervention bei Einhaltung der First-Medical-Contact-to-Device-Zeit unter 90 Minuten zeigt vergleichbare Outcomes
Die primäre perkutane Koronarintervention (PPCI) ist die empfohlene Reperfusionsmethode für Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI). Die First-Medical-Contact-to-Device-Zeit (FMC-to-Device) ist ein kritischer Prognosefaktor, wobei kürzere Zeiten mit besseren Outcomes assoziiert sind. Aktuelle Leitlinien fordern eine FMC-to-Device-Zeit ≤90 Minuten. Unklar bleibt, ob Patienten, die außerhalb der Regelarbeitszeit („Off-Hours“) behandelt werden, vergleichbare Langzeitergebnisse aufweisen, insbesondere bei Leitlinienadhärenz. Diese Studie untersuchte den Einfluss der Behandlungszeit auf Outcomes bei STEMI-Patienten mit FMC-to-Device-Zeit ≤90 Minuten.
In dieser multizentrischen Retrospektivstudie (Peking, 2018) wurden 670 STEMI-Patienten nach erfolgreicher PPCI analysiert. Die Patienten wurden in On-Hours- (Werktage 08:00–18:00 Uhr) und Off-Hours-Gruppe (Nachtzeit, Wochenenden, Feiertage) eingeteilt. Daten wurden via „Heart and Brain Green Channel“-App erfasst. Primärer Endpunkt waren Major Adverse Cardiovascular Events (MACE: Gesamtmortalität, Reinfarkt, Zielgefäßrevaskularisation) nach 24 Monaten.
Das mediane Alter betrug 58,8 Jahre, 19,9 % waren weiblich. Die FMC-to-Device-Zeit lag insgesamt bei 69 Minuten (On-Hours: 65 vs. Off-Hours: 71 Minuten; p<0,001). Signifikant weniger Off-Hours-Patienten erreichten ≤60 Minuten (29,1 % vs. 40,7 %; p=0,002). Die Aktivierungszeit zum Katheterlabor war im Off-Hours-Bereich länger (22 vs. 16 Minuten; p<0,001). Andere Zeitintervalle (Symptom-to-Device, FMC-to-EKG) unterschieden sich nicht.
In der Nachbeobachtung traten bei 9,6 % MACE auf (On-Hours: 9,1 % vs. Off-Hours: 9,6 %; p>0,05). Kaplan-Meier-Analysen zeigten keine Gruppenunterschiede bei MACE (HR 1,06; 95 %-KI 0,64–1,75; p=0,788), Mortalität (5,0 % vs. 6,1 %; p=0,970), Reinfarkt (2,0 % vs. 2,4 %; p=0,502) oder Revaskularisation (1,4 % vs. 1,0 %; p=0,734). Unabhängige Prädiktoren für MACE waren höheres Alter und Herzfrequenz.
Trotz längerer FMC-to-Device-Zeit außerhalb der Regelarbeitszeit ergaben sich keine signifikanten Outcome-Unterschiede, möglicherweise bedingt durch vergleichbare Gesamtischämiezeiten (Symptom-to-Device). Limitationen umfassen den retrospektiven Charakter, fehlende Thrombosedaten und regionale Beschränkung auf Peking.
Schlussfolgerung: Bei Einhaltung der FMC-to-Device-Zeit ≤90 Minuten ist die PPCI außerhalb der Regelarbeitszeit sicher mit vergleichbaren 2-Jahres-Outcomes. Dies unterstreicht die Bedeutung leitliniengerechter Prozesszeiten unabhängig von der Tageszeit.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001621