Auswahl chirurgischer Strategien bei Morbus Paget der Vulva
Morbus Paget der Vulva (VPD) ist ein seltener intraepithelialer Adenokarzinom, der vorwiegend ältere Personen im Alter von 50 bis 80 Jahren betrifft. Er macht 1–2 % der vulvären Malignome aus und äußert sich durch chronischen Juckreiz, Schmerzen und Erytheme. Die Erkrankung zeigt oft einen „Zuckerguss-Effekt“ auf der Haut, was Fehldiagnosen als Ekzem begünstigt. Aufgrund asymptomatischer Frühstadien erfolgt die Behandlung häufig erst nach über zwei Jahren, was zu hohen Rezidivraten und Therapieversagen führt. Die vollständige chirurgische Entfernung ist die bevorzugte Behandlung bei lokalisiertem VPD, jedoch erschweren unscharfe Tumorgrenzen, Satellitenläsionen und subklinische Ausbreitung die Operationsplanung.
Hintergrund und klinische Herausforderungen
VPD ist aufgrund seiner histologischen Komplexität schwer zu managen. Traditionelle Ansätze wie weite lokale Exzisionen weisen hohe Rezidivraten auf, selbst bei negativen Resektionsrändern. Die Mors-Mikrochirurgie konnte Rezidive reduzieren, bleibt jedoch umstritten. Diese Studie verglich die Wirksamkeit von erweiterter Resektion (≥2 cm Sicherheitsabstand, ggf. mit Lymphadenektomie) und palliativer Resektion (<2 cm Abstand, ohne aufwändige Biopsien) bei 54 VPD-Patientinnen (2010–2018), mit Fokus auf Rezidive, Mortalität, Komplikationen und Lebensqualität (QOL).
Studiendesign und Methodik
Die real-world-Studie (genehmigt durch die Ethikkommission des West China Hospital) umfasste 25 Patientinnen mit erweiterter und 29 mit palliativer Resektion bei durchschnittlich 4,6 Jahren Nachbeobachtung. Einschlusskriterien für die erweiterte Resektion waren negativ-histologische Schnittränder nach multiplen Biopsien, während die palliative Gruppe positive Ränder oder vereinfachtes Vorgehen aufwies.
Chirurgische Ergebnisse und Rezidivraten
Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in Mortalität, Überlebenszeit oder Rezidivraten zwischen den Gruppen. Die mediane Operationszeit betrug 3,0 vs. 1,5 Stunden, mit geringeren Kosten (8.000 vs. 15.000 CNY), weniger Hauttransplantationen (10,3 % vs. 32,0 %) und kürzerer Hospitalisierung (7 vs. 14 Tage) in der palliativen Gruppe. Narbenkontrakturen traten bei 6,9 % (palliativ) vs. 24,0 % (erweitert) auf.
Lebensqualitätsbewertung
Der EORTC QLQ-C30-Fragebogen offenbarte altersspezifische Unterschiede: Bei 50–69-Jährigen zeigte die palliative Gruppe bessere Werte für Fatigue, Schmerzen und finanzielle Belastung. Über 70-Jährige profitierten jedoch von geringerer Übelkeit nach erweiterter Resektion. Der VPD-Prognosefragebogen (Schmerzen, Juckreiz, Alltagsfunktion) ergab keine Gruppenunterschiede.
Prognostische Faktoren und Empfehlungen
Die Studie empfiehlt palliative Resektion für unter 70-Jährige, um Gewebe zu schonen und die QOL zu optimieren. Bei Älteren (>70 Jahre) könnte die erweiterte Resektion aufgrund möglicher ausgedehnterer Erkrankung vorteilhafter sein. Beide Strategien zeigten vergleichbare onkologische Sicherheit.
Diskussion und Implikationen
Die Ergebnisse widerlegen die Notwendigkeit radikaler Randsicherung bei jüngeren Patientinnen. Real-world-Daten unterstreichen die Bedeutung altersadaptierter Strategien: Weniger invasive Verfahren bei Jüngeren versus umfassendere Resektion bei Älteren. Retrospektives Design und kleine Stichprobe limitieren die Aussagekraft, doch bieten die Erkenntnisse wertvolle Orientierung für die klinische Praxis. Zukünftige Studien sollten multimodale Therapieansätze evaluieren.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001803