Beurteilung der rechtsventrikulären Deformation bei Kindern mit korrigierter Fallot-Tetralogie mittels Speckle-Tracking-Echokardiographie
Die Fallot-Tetralogie (TOF) ist ein angeborener Herzfehler, dessen erste chirurgische Korrektur 1955 erfolgte. Der initiale chirurgische Ansatz umfasste die Verwendung eines transannulären Patches im rechtsventrikulären Ausflusstrakt (RVOT) zur Entlastung der Obstruktion. Dies führte jedoch häufig zu langfristiger Pulmonalklappeninsuffizienz und erhöhtem rechtsventrikulärem (RV) Volumen mit daraus resultierenden Komplikationen wie Arrhythmien und plötzlichem Herztod. Im Laufe der Zeit entwickelten sich chirurgische Strategien zur Erhaltung des Pulmonalannulus, die zwar die Regurgitation reduzierten, aber eine Kombination aus Pulmonalstenose und -insuffizienz verursachten. Aktuell steht die langfristige RV-Dysfunktion bei Patienten mit korrigierter TOF (rTOF) im Fokus. Die kardiale Magnetresonanztomographie (CMR) gilt zwar als Goldstandard zur Beurteilung der RV-Funktion, ist jedoch aufgrund von Kosten und Verfügbarkeit nicht routinemäßig einsetzbar. Die Echokardiographie, insbesondere die Speckle-Tracking-Bildgebung (STI), hat sich als vielversprechendes Werkzeug zur Abschätzung der RV-Funktion und zur Steuerung des CMR-Monitorings etabliert.
Die rechtsventrikuläre Funktion ist ein kritischer Prädiktor für klinische Outcomes bei rTOF-Patienten. Die echokardiographische Beurteilung gestaltet sich jedoch aufgrund der komplexen RV-Geometrie schwierig. STI ermöglicht die Quantifizierung myokardialer Deformationsparameter wie Strain und Strain Rate (SR). Während STI zur Linksherzanalyse etabliert ist, bleibt die Anwendung bei pathologischen RV-Zuständen wie rTOF unzureichend validiert.
Diese Studie untersuchte RV-Deformationsparameter bei pädiatrischen rTOF-Patienten in der frühen postoperativen Phase. Eingeschlossen wurden 57 konsekutive rTOF-Patienten (Alter bei Operation: median 0,61 Jahre; Nachbeobachtungsdauer: im Mittel 3,8 Jahre), die zwischen 2008–2016 operiert wurden. Ausschlusskriterien umfassten kürzliche Therapieänderungen, Arrhythmien und unzureichende Bildqualität. Die Daten wurden mit 24 gesunden Kontrollen verglichen. Die RV-Funktion wurde mittels 3D-Ejektionsfraktion (3D-EF), fraktioneller Flächenänderung (FAC), TAPSE (tricuspidal annular plane systolic excursion) und STI analysiert.
Die Echokardiographie erfolgte mit iE33- oder EPIQ-7C-Systemen (Philips). Die 3D-RV-Volumetrie wurde mittels X5-1- und X7-2-Sonden durchgeführt. Die Patienten wurden anhand des 3D-EF-Cutoffs (≥45% vs. <45%) in Gruppe I (n=37) und II (n=20) stratifiziert. Die STI-Analyse erfasste longitudinale und transversale Deformationsparameter der RV-Freiwand und des Septums.
Ergebnisse zeigten signifikant erweiterte RV-Durchmesser in beiden rTOF-Gruppen gegenüber Kontrollen (p<0,05), jedoch keine Unterschiede zwischen den rTOF-Gruppen. Alle RV-Funktionsparameter (außer TAPSE) waren bei rTOF-Patienten reduziert. Gruppe II wies schwerere Pulmonalstenosen auf (Gradient: 35,4 vs. 24,8 mmHg; p=0,002). Der globale longitudinale Strain (GLS) korrelierte eng mit der 3D-EF (r=-0,61; p<0,001). Ein multivarielles Modell zur 3D-EF-Prädiktion kombinierte FAC und GLS: Y = 15,624 + 0,541×FAC – 0,585×GLS (Standardisierte Koeffizienten: 0,557 bzw. -0,380; p<0,001).
Segmentale Analysen offenbarten bei erhaltener 3D-EF (Gruppe I) kompensatorisch erhöhte transversale Strain-Werte (Freiwand: 25,2±9,6% vs. Kontrollen 18,3±5,8%; p=0,002), während Gruppe II reduzierte longitudinale Deformation zeigte. Die Intra- und Interobserver-Variabilität für 3D-EF und GLS lag bei 8,0–14,3%.
Zusammenfassend demonstriert diese Studie subtile RV-Funktionseinbußen bereits in der frühen postoperativen Phase bei rTOF-Patienten. Die STI-basierte Analyse transversaler Deformationsparameter zeigt kompensatorische Mechanismen bei noch erhaltener EF auf. Die Methode eignet sich zur Detektion präklinischer RV-Veränderungen und könnte das CMR-Monitoring stratifizieren. Langzeitstudien sind erforderlich, um die prognostische Relevanz dieser Befunde zu validieren.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000126