Beurteilung der Verteilung und des Volumens der Luftkammern um den inneren Gehörgang mittels Hochauflösender Computertomographie des Felsenbeins
Das Vestibularisschwannom, der häufigste Tumor im Kleinhirnbrückenwinkel (KBW), stellt erhebliche chirurgische Herausforderungen. Zu den chirurgischen Zugangswegen zählen die labyrinthetomierenden, mittelfossa-basierten, retrosigmoidalen und translabyrinthären Ansätze. Unabhängig vom gewählten Zugang zur Darstellung des Tumors im Meatus acusticus internus (MAI) muss der Knochen um den MAI abgetragen werden. Dieser Prozess exponiert unweigerlich angrenzende pneumatisierte Zellen, wodurch das Risiko eines postoperativen Liquorlecks steigt. Liquorlecks sind die häufigste Komplikation nach Tumorentfernung im KBW und treten in 2–10 % der Fälle auf. Die Behandlung erfordert häufig lumbale Drainagen oder Revisionseingriffe zur Meningitisprophylaxe, weshalb die Prävention von Liquorlecks entscheidend ist.
Risikofaktoren für Liquorlecks umfassen einen hohen BMI, intrakranielle Hypertension, Hyperpneumatisation der Felsenbeinluftzellen und verlängerte Operationszeiten. Bisherige Studien konzentrierten sich vorwiegend auf die Mastoidpneumatisation, wenngleich eine Hyperpneumatisation der Felsenbeinspitze als unabhängiger Risikofaktor diskutiert wird. Quantitative Daten hierzu fehlen jedoch. Eine präoperative Analyse der Pneumatisationsmuster um den MAI ist daher essenziell.
Die pneumatisierten Zellen der Felsenbeinspitze erstrecken sich von der oberen zur unteren Petrosuskante sowie zwischen Labyrinth und MAI. Ein größeres Volumen dieser Zellen korreliert mit ausgedehnter intraoperativer Kavitätenbildung. Bislang existieren jedoch kaum Daten zur 3D-Verteilung und Volumetrie dieser Strukturen. Diese Studie analysierte mittels multiplanarer Rekonstruktion von hochauflösenden CT-Daten (HRCT) die räumliche Verteilung und das Volumen der MAI-assoziierten Luftkammern.
Methodik
Retrospektiv wurden 110 HRCT-Aufnahmen von 73 Patienten (35 Männer, 38 Frauen; Alter: 41 ± 16 Jahre) mit Schallempfindungsschwerhörigkeit an der Beijing Tongren Hospital ausgewertet. Ausschlusskriterien umfassten Fehlbildungen, Entzündungen, Voroperationen oder Gefäßanomalien des Felsenbeins. Die Scans erfolgten an einem SOMATOM Definition Flash mit 0,5 mm Schichtdicke und Knochenrekonstruktionsalgorithmen.
Die Analyse erfolgte mittels spezifischer Planungssoftware: Die Luftkammern um den MAI wurden in vier Quadranten (I: anterior-superior; II: posterior-superior; III: posterior-inferior; IV: anterior-inferior) unterteilt. Das Volumen jedes Quadranten wurde schichtweise (1 mm) durch Flächenmessung berechnet.
Ergebnisse
Die durchschnittlichen Volumina der Quadranten I–IV betrugen 66,87 ± 132,16 mm³, 67,99 ± 111,47 mm³, 236,45 ± 372,47 mm³ bzw. 302,37 ± 560,17 mm³. Das Gesamtvolumen lag bei 673,68 ± 737,47 mm³. In 33,6 % der Fälle (Quadrant I) bzw. 50,9 % (Quadrant II) fehlten pneumatisierte Zellen. Die Volumina der inferioren Quadranten (III/IV) waren signifikant größer als die der superioren (p < 0,05). Männer wiesen höhere Volumina in Quadrant IV und insgesamt auf (p < 0,05). Alter oder Seitenunterschiede zeigten keinen signifikanten Einfluss.
Diskussion
Die Studie unterstreicht die Variabilität der Pneumatisation um den MAI, insbesondere in den inferioren Quadranten. Eine präoperative HRCT-basierte Volumetrie ermöglicht die Identifikation von Risikopatienten für Liquorlecks. Interessanterweise korrelierte eine geringere Pneumatisation mit größeren Tumoren, möglicherweise bedingt durch eine Obstruktion der Pneumatisationswege. Die inferioren Quadranten erfordern daher besondere Beachtung bei der chirurgischen Planung.
Schlussfolgerung
Die standardisierte 3D-Volumetrie der MAI-Umgebung mittels HRCT bietet eine präzise Grundlage zur Risikostratifizierung von Liquorlecks. Insbesondere die inferioren Luftzellengruppen sollten präoperativ evaluiert werden, um individuelle Strategien zur Felsenbeinkürettage und Versiegelung abzuleiten.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002451