Biomarker verbessern die langfristige Vorhersagefähigkeit des KAMIR-Risikoscores bei chinesischen Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt
Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) weisen ein hohes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse auf, weshalb die Risikostratifizierung ein zentraler Bestandteil des modernen STEMI-Managements ist. Bisherige Risikomodelle wie der Thrombolysis in Myocardial Infarction (TIMI)-, Platelet Glycoprotein IIb/IIIa in Unstable Angina: Receptor Suppression Using Integrilin Therapy (PURSUIT)- und Global Registry of Acute Coronary Events (GRACE)-Score haben Limitationen, darunter eine kurzfristige Prognosefokussierung, komplexe Berechnung und eine primäre Validierung in westlichen Populationen. Der GRACE-Score, obwohl in Leitlinien empfohlen, ist möglicherweise für asiatische Patienten, insbesondere Chinesen, weniger geeignet.
Der Korea Acute Myocardial Infarction Registry (KAMIR)-Risikoscore, entwickelt für koreanische Patienten, zeigte in Studien eine überlegene Vorhersagekraft für kurz- und langfristige Risiken. Diese Studie untersuchte erstmals seine Anwendbarkeit bei chinesischen STEMI-Patienten und evaluierte, ob Biomarker – Homocystein, hochsensitives C-reaktives Protein (hs-CRP) und N-terminales pro-B-Typ natriuretisches Peptid (NT-proBNP) – die prognostische Wertigkeit des KAMIR-Scores steigern können.
Methoden
In die Studie wurden 1.093 konsekutive STEMI-Patienten aus zwei chinesischen Krankenhäusern (Januar 2010–Dezember 2012) eingeschlossen, die eine primäre perkutane Koronarintervention (PCI) erhielten. Die Nachbeobachtungszeit betrug median 48,2 Monate. Neben der Berechnung der KAMIR- und GRACE-Scores wurden Homocystein, hs-CRP und NT-proBNP gemessen. Die prognostische Leistung der Scores sowie der additive Effekt der Biomarker wurde mittels ROC-Analysen, Cox-Regression und Kaplan-Meier-Kurven evaluiert.
Ergebnisse
Der KAMIR-Score übertraf den GRACE-Score signifikant in der Vorhersage des Gesamtmortalitätsrisikos (AUC: 0,802 vs. 0,721; p<0,001) und majorer kardiovaskulärer Ereignisse (MACE; AUC: 0,683 vs. 0,656; p<0,001). Alle drei Biomarker zeigten unabhängige prädiktive Assoziationen:
- Homocystein: Hazard Ratio (HR) für Mortalität = 1,019 (95%-KI: 1,015–1,024; p<0,001); für MACE = 1,019 (95%-KI: 1,015–1,024; p<0,001).
- Hs-CRP: HR für Mortalität = 1,052 (95%-KI: 1,000–1,104; p=0,018); für MACE = 1,012 (95%-KI: 1,003–1,021; p=0,020).
- NT-proBNP: HR für Mortalität = 1,142 (95%-KI: 1,004–1,280; p=0,021); für MACE = 1,136 (95%-KI: 1,104–1,168; p=0,006).
Die Kombination der Biomarker mit dem KAMIR-Score verbesserte die AUC-Werte deutlich:
- Gesamtmortalität: AUC erhöhte sich von 0,802 (KAMIR allein) auf 0,940 (Z=6,177; p<0,001).
- MACE: AUC stieg von 0,683 auf 0,789 (Z=6,900; p<0,001).
Die Risikostratifizierung mittels KAMIR-Score (niedrig: 0–1 Punkte; intermediär: 2–3 Punkte; hoch: ≥4 Punkte) korrelierte stark mit dem Mortalitäts- (χ²=158,579; p<0,001) und MACE-Risiko (χ²=147,731; p<0,001). Höhere Biomarker-Level waren mit schlechteren Outcomes assoziiert (Kaplan-Meier-Kurven: p<0,001).
Diskussion
Die Biomarker spiegeln pathophysiologische Prozesse wider: Homocystein fördert Endotheldysfunktion und Thrombose, hs-CRP indiziert systemische Inflammation, und NT-proBNP korreliert mit myokardialer Belastung. Ihre Integration in den KAMIR-Score ermöglicht eine umfassendere Risikobewertung. Trotz Limitationen (monozentrische Daten, ethnisches Fokus) unterstreicht die Studie die klinische Relevanz eines adaptierten Scores für chinesische STEMI-Patienten.
Schlussfolgerung
Der KAMIR-Score ist dem GRACE-Score in der langfristigen Prognoseabschätzung überlegen. Die Ergänzung durch Homocystein, hs-CRP und NT-proBNP optimiert die Risikoprädiktion und könnte die personalisierte Sekundärprävention verbessern. Weitere Validierungen in diversen Populationen sind erforderlich.
Interessenkonflikte
Keine angegeben.
Finanzierung
Die Studie wurde durch Zuschüsse der National Natural Science Foundation of China (Projektnummern: 81270193, 81470377) unterstützt.
DOI
10.1097/CM9.0000000000000015