Bronchiektasen als Indikator für schwere Coronavirus-2019-Pneumonie
Seit 2019 trat weltweit eine Epidemie von Pneumonien unklarer Ursache auf. Die Analyse von Proben der Atemwege führte zur Identifizierung eines neuartigen Coronavirus, das als 2019-nCoV bezeichnet wurde. Epidemiologische Daten zeigten, dass sich 2019-nCoV rasch von Mensch zu Mensch ausbreiten und die Coronavirus-Krankheit-19 (COVID-19) verursachen kann. Die hohe Infektiosität von COVID-19 führte zu einem schnellen Anstieg der Fälle und einer globalen Pandemie. Bis heute haben sich Millionen mit 2019-nCoV infiziert, wobei Hunderttausende Todesfälle verzeichnet wurden. Diese Zahlen werden täglich aktualisiert und steigen weiterhin signifikant an. COVID-19 stellt eine ernsthafte Bedrohung für die globale öffentliche Gesundheit dar.
Die weltweit steigende Fallzahl hat zu Engpässen bei medizinischen Ressourcen geführt. Die Einteilung der Behandlung nach Schweregrad der Erkrankung wird genutzt, um Ressourcen rational einzusetzen. Dennoch verschlechtern sich einige Patienten mit initial milden Symptomen rasch bis hin zur Asphyxie. Eine genaue Vorhersage des Schweregrads bei der Aufnahme ist daher entscheidend. Computertomographie (CT)-Aufnahmen können Lungenveränderungen bei COVID-19-Patienten objektiv darstellen, was CT zu einem wertvollen Instrument für Diagnose und Verlaufsbeurteilung macht.
In dieser retrospektiven Studie wurden Daten von COVID-19-Patienten aus einem Krankenhaus in Wuhan (Januar bis März 2020) analysiert. Die Studie wurde von der Ethikkommission des Union Hospital der Tongji Medical College der Huazhong University of Science and Technology genehmigt; eine Einwilligung der Patienten war nicht erforderlich.
Die Bestätigung einer 2019-nCoV-Infektion erfolgte gemäß WHO-Richtlinien mittels RT-PCR aus Rachenabstrichen. Ausgeschlossen wurden Patienten ohne Thorax-CT. Insgesamt wurden 90 laborbestätigte Fälle (47 Männer, 43 Frauen; mittleres Alter 55,1 ± 13,9 Jahre) eingeschlossen. Bei Aufnahme zeigten 64 Patienten (73,6 %) einen milden, 23 (25,6 %) einen schweren und 3 (3,3 %) einen kritischen Verlauf. Häufigste Symptome waren Fieber (90,2 %) und Husten (68,9 %). Bei 28 Patienten (31,1 %) trat innerhalb von 1,4 ± 2,9 Tagen eine Dyspnoe auf. Hypertension (22,2 %) und Diabetes (11,1 %) waren die häufigsten Komorbiditäten. Zwei Patienten hatten COPD; keine Vorgeschichte von Bronchiektasen.
In den CT-Befunden zeigten alle Patienten milchglasartige Trübungen (GGOs), 70 (77,8 %) interstitielle Veränderungen. Konsolidierungen traten bei 39 (43,3 %), fleckige Schatten bei 18 (20,0 %) und Bronchiektasen bei 14 (15,6 %) auf. Weitere Befunde umfassten Bronchialwandverdickungen und geringe Ergüsse. Bilaterale GGOs und/oder unilaterale Konsolidierungen dominierten.
In multivariablen Modellen korrelierten Bronchiektasen (OR 3,78; 95 %-KI 0,95–15,06; p = 0,050) und Konsolidierungen (OR 24,91; 95 %-KI 5,07–122,28; p < 0,001) mit dem Schweregrad – unabhängig von Alter, Geschlecht und Komorbiditäten. Bronchiektasen könnten auf durch COVID-19 verursachte Schleimpfropfen zurückgehen, wie Autopsien zeigten: Die Bronchiolen waren durch zähen Schleim verlegt, was zur Ansammlung von Exsudaten und Nekrosen der Mukosa führte.
Frühere Studien beschrieben eine rasche Progression von GGOs zu bilateralen Veränderungen innerhalb von 1–3 Wochen. Die hohe Sensitivität der CT ermöglicht eine frühe Detektion von COVID-19-Pneumonie und unterstützt die Schweregradeinteilung. Trotz der geringen Fallzahl bei COPD-Patienten bleibt der Einfluss von COPD auf den Verlauf weiter zu untersuchen.
Zusammenfassend sind Bronchiektasen, GGOs und Konsolidierungen in der CT mit dem Schweregrad von COVID-19 assoziiert. Diese Erkenntnisse unterstützen die klinische Diagnostik, Risikostratifizierung und personalisierte Therapieplanung.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001368