C1–C2-pedikuläre Schraubenfixierung bei Adoleszenten mit Os-odontoideum-assoziierter atlantoaxialer Dislokation und eine kombinierte Repositionstechnik für irreversible atlantoaxiale Dislokation
Zusammenfassung
Das Os odontoideum (OO) ist eine seltene kongenitale Anomalie des zweiten Halswirbels, charakterisiert durch ein vom Dens axis abgetrenntes Ossikel. Diese Instabilität führt häufig zu einer atlantoaxialen Dislokation (AAD) mit neurologischen Defiziten. Adoleszente Patienten sind aufgrund aktiver Lebensstile besonders gefährdet. Dieser Artikel evaluiert die C1–C2-pedikuläre Schraubenfixierung bei OO-assoziierter AAD und stellt eine neuartige Repositionstechnik für irreversible AAD (IrAAD) vor.
Hintergrund und klinische Relevanz
Die atlantoaxiale Instabilität bei OO kann zu Spinalkanalstenosen und Myelopathien führen. Herkömmliche transorale Dekompressionen bergen Infektionsrisiken. Die posteriore Schrauben-Stab-Fixierung ermöglicht dreidimensionale Stabilisierung, erfordert jedoch bei IrAAD zusätzliche Techniken.
Studiendesign und Patientenkollektiv
Retrospektiv analysiert wurden 15 Adoleszente (11–18 Jahre, 9 männlich/6 weiblich) mit OO-assoziierter AAD (2014–2016). Präoperative Bildgebung (Röntgen, CT, MRT) erfasste knöcherne Anatomie, A. vertebralis-Verlauf und Myelonkompression. Sechs radiologische Parameter quantifizierten die Instabilität:
- Atlantodentaler Abstand (ADI)
- Instabilitätsindex [(Dmax − Dmin)/Dmax × 100%]
- Cervikomedullärer Winkel (CMA)
Präoperatives Management
Bei allen Patienten erfolgte präoperative Schädelzugextension (3–5 kg über 1–2 Wochen). Elf Patienten zeigten suffiziente Reposition, vier blieben irreduzibel (IrAAD).
Operationstechnik
In Bauchlage unter Neurophysiologischem Monitoring erfolgte:
- Freilegung C1–C3 mit Gelenkkapselrelease
- C1–C2-pedikuläre Schraubenplatzierung nach Harm
- Kombinierte Repositionstechnik bei IrAAD:
- Distraktion über C2-Schraubenkopf
- Ventralisierung des C2-Dornfortsatzes
- Rotationskorrektur durch differenzielle Schraubenmanipulation
- Definitive Stabfixierung mit Kompressionsmanövern
- Autologe Beckenkammspan-Interposition C1–C2
Postoperative Ergebnisse
- 100% Repositionserfolg (inkl. IrAAD-Fälle)
- Knöcherne Fusion nach 3,6 Monaten (Median)
- Signifikante Verbesserung:
- CMA: 134,6° → 152,1° (p < 0,01)
- Dmin: 9,84 mm → 15,45 mm (p < 0,05)
- JOA-Score: 10,9 → 14,5
- Keine Re-Dislokationen oder neurovaskulären Komplikationen
Diskussion
Die C1–C2-pedikuläre Fixierung bietet adoleszenten Patienten stabile Verhältnisse ohne Wachstumsrestriktion. Die kombinierte Repositionstechnik umgeht transorale Zugänge durch:
- Gelenkmobilisation via Kapsulotomie
- Hebelwirkung am C2-Dornfortsatz
- Rotationskorrektur durch asymmetrische Schraubenmanipulation
Limitationen umfassen kleine Fallzahl und mittelfristiges Follow-up.
Schlussfolgerung
Die C1–C2-Schraubenfixierung mit der beschriebenen Repositionstechnik stellt eine sichere Option für OO-assoziierte AAD dar, insbesondere bei IrAAD. Die Methode kombiniert biomechanische Stabilität mit reduzierter Morbidität gegenüber transoralen Verfahren.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000000224