Charakteristika und Referenzwerte des Atherogenen Plasma-Index in einer erwachsenen Bevölkerung Chinas
Der Atherogene Plasma-Index (AIP) ist ein wichtiger Biomarker, der aus der logarithmischen Umrechnung des Verhältnisses von Triglyceriden (TG) zu HDL-Cholesterin (HDL-C) abgeleitet wird. Er dient als umfassender Indikator für die Lipidhomöostase im Plasma und wird zunehmend als unabhängiger Prädiktor für das kardiovaskuläre Risiko (CVD) anerkannt. Trotz seiner klinischen Relevanz gibt es kaum Daten zu Charakteristika und Referenzwerten des AIP in der chinesischen Bevölkerung. Diese Studie untersuchte daher Unterschiede in AIP-Werten zwischen ethnischen Gruppen und etablierte altersspezifische Referenzwerte für chinesische Erwachsene.
Die Studie basierte auf der China National Health Survey (CNHS), einer bevölkerungsbezogenen Querschnittsstudie (2012–2017), die 50 urbane Gemeinden und 90 Dörfer in 11 Provinzen umfasste. Ausgeschlossen wurden Teilnehmer mit unvollständigen Daten oder chronischen Erkrankungen, die Laborparameter signifikant beeinflussen. Es wurden demografische, anthropometrische und klinische Daten erhoben. Der AIP wurde als dekadischer Logarithmus von TG/HDL-C berechnet. Referenzwerte wurden nach Geschlecht und Alter mittels Perzentilen (2,5.–97,5.) bestimmt. Die statistische Auswertung erfolgte mit R Version 4.0.2.
In die Analyse wurden 30.236 Teilnehmer (11.752 Männer, 18.484 Frauen) mit einem mittleren Alter von 48,39 Jahren einbezogen. Der mittlere AIP lag bei 0,01, mit signifikant höheren Werten bei Männern (0,10 vs. −0,04 bei Frauen). Ethnische Unterschiede zeigten sich deutlich: Die Han-Bevölkerung wies die höchsten AIP-Werte auf, während die Bouyei die niedrigsten Werte zeigten (besonders ab 50 Jahren). Altersspezifisch stieg der AIP bei Männern bis 40–49 Jahre an und sank anschließend, während er bei Frauen bis zur Menopause kontinuierlich anstieg und sich danach stabilisierte. Diese Trends entsprechen früher berichteten TG-Veränderungen.
Die Referenzbereiche variierten altersabhängig: Für Männer im Alter von 30–39 Jahren betrug der Bereich −0,45 bis 0,94, für Frauen in den 20ern −0,64 bis 0,38. Die 95. Perzentile zeigten stärkere Schwankungen als die 5. Perzentile. Die ethnischen Unterschiede spiegeln vermutlich genetische, lebensstilbedingte und sozioökonomische Faktoren wider, wobei die Bouyei durchweg niedrigere Körperfettwerte aufweisen.
Die Studie unterstreicht den klinischen Nutzen des AIP als kostengünstiges Instrument zur CVD-Risikobewertung, insbesondere in Entwicklungsländern. Die Einbeziehung alters- und ethnizitätsspezifischer Referenzwerte verbessert die Risikostratifizierung. Limitationen umfassen die nicht bevölkerungsgewichtete Stichprobe, die Querschnittsdesign-bedingte Einschränkung kausaler Schlüsse und unberücksichtigte Umwelt- und Verhaltensfaktoren.
Zusammenfassend liefert diese Studie erstmals umfassende Referenzwerte und Charakteristika des AIP in der chinesischen Bevölkerung. Die Ergebnisse betonen die Notwendigkeit, Alters- und Ethnizitätsunterschiede in der klinischen Praxis zu berücksichtigen, um das kardiovaskuläre Risiko präziser zu erfassen.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000002182