Chidamide-BEAC plus autologer Stammzelltransplantation bei Hochrisiko-Non-Hodgkin-Lymphom: Eine Phase-II-Studie

Chidamide-BEAC plus autologer Stammzelltransplantation bei Hochrisiko-Non-Hodgkin-Lymphom: Eine Phase-II-Studie

Das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) ist eine häufige hämatologische Malignität mit heterogenen Subtypen und variabler Prognose. Trotz Fortschritten in der zielgerichteten Therapie bleibt die autologe hämatopoetische Stammzelltransplantation (ASCT) ein Eckpfeiler der Behandlung aggressiver NHL, insbesondere bei Hochrisiko- oder rezidivierten/refraktären Fällen. Dennoch ist das optimale Konditionierungsregime für ASCT nicht standardisiert. Gebräuchliche Regime umfassen Carmustin, Etoposid, Cytarabin und Melphalan (BEAM); Carmustin, Etoposid, Cytarabin und Cyclophosphamid (BEAC); sowie Ganzkörperbestrahlung. Diese Regime zeigen typischerweise 3-Jahres-Progressions-freie Überlebensraten (PFS) von 40–50%. Neuere Studien untersuchen die Integration von Histon-Deacetylase-Inhibitoren (HDACi) in Konditionierungsschemata, da sie Tumorzellzyklusprozesse hemmen, Apoptose induzieren und die Arzneimittelresistenz verringern können.

Diese Phase-II-Studie evaluierte die Sicherheit und Wirksamkeit eines neuartigen Konditionierungsregimes mit Chidamide (HDACi) plus BEAC (Chi-BEAC) bei Hochrisiko- oder rezidivierten/refraktären NHL-Patienten unter ASCT. Der primäre Endpunkt war die 2-Jahres-PFS-Rate; sekundäre Ziele umfassten Sicherheit, 2-Jahres-Gesamtüberleben (OS) und die Rate kompletter Remissionen (CR) 3 Monate post-ASCT.

Studiendesign und Patientenselektion

Eingeschlossen wurden Patienten mit aggressiven NHL-Subtypen: Hochrisiko-Diffus-großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL), rezidiviertes/refraktäres DLBCL, Mantelzelllymphom (MCL) und periphere T-Zell-Lymphome (PTCL), ausgenommen ALK-positive anaplastisch-großzellige Lymphome (ALCL). Zudem wurden Patienten mit Stadium-IV-extranodalem NK/T-Zell-Lymphom (ENKTL) inkludiert. Alle Teilnehmer mussten eine CR oder partielle Remission (PR) vor ASCT erreichen. Die Studie wurde von den Ethikkommissionen des Jiangsu Province Hospital und Anhui Provincial Cancer Hospital genehmigt (Registrierung: NCT03603629873).

Therapieprotokoll

Das Chi-BEAC-Regime umfasste:

  • Chidamide (30 mg oral) an Tag −7, −4, 0 und +3 relativ zur Stammzellreinfusion
  • Carmustin (300 mg/m² intravenös) an Tag −6
  • Etoposid (150 mg/m²/Tag intravenös) an Tag −5 bis −2
  • Cytarabin (150 mg/m² zweimal täglich intravenös) an Tag −5 bis −2
  • Cyclophosphamid (1,0 g/m² intravenös) an Tag −5 bis −2

Ergebnisse und Sicherheitsanalyse

Von August 2018 bis November 2021 wurden 71 Patienten rekrutiert; 70 erhielten ASCT. Ein Patient wurde aufgrund stabiler Erkrankung (SD) vor ASCT ausgeschlossen, ein weiterer brach die Nachsorge ab. Von 69 auswertbaren Patienten zogen sich 6 zurück, sodass 63 in der Per-Protocol-Analyse verblieben.

Die mediane Zeit zur Neutrophilen- und Thrombozytenengraftment betrug 10 bzw. 11 Tage. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (≥Grad 3) umfassten febrile Neutropenie (37,7%), Hyponatriämie (24,6%) und Hypokaliämie (21,7%). Ein Grad-4-Ereignis (Anstieg der γ-GT) trat auf. Die 100-Tage-Transplantationsmortalität lag bei 0%. Zwei Patienten starben an Pneumonien nach 6,3 bzw. 8,0 Monaten.

3 Monate post-ASCT zeigten sich CR bei 79,7%, PR bei 13,0% und PD bei 7,2%. Von den PR-Patienten vor ASCT erreichten 41,0% post-ASCT eine CR (5 B-NHL, 4 T-NHL).

Überlebensdaten

Nach einem medianen Follow-up von 25,2 Monaten (1,8–43,6) waren 87,3% der Patienten lebend und 81,0% progressionsfrei. Die 2-Jahres-PFS- und OS-Raten betrugen 81,1% bzw. 86,1%. Unterschiede zwischen Subgruppen (B-NHL vs. T-NHL) waren statistisch nicht signifikant. Patienten mit CR vor ASCT wiesen tendenziell bessere Überlebensraten auf als PR-Patienten.

Diskussion

Die Chi-BEAC-Konditionierung zeigte vielversprechende Wirksamkeit, insbesondere bei T-NHL: Die 2-Jahres-PFS-Rate von 84,8% übertraf historische Daten. Bei AITL- und ENKTL-Patienten blieben 75% bzw. 80% längerfristig progressionsfrei. Diese Ergebnisse unterstützen präklinische Befunde zur HDACi-Wirksamkeit in T-Zell-Lymphomen.

Einschränkungen

Limitationen umfassen das nicht-randomisierte Phase-II-Design, die geringe Fallzahl und heterogene Histologien. Der Einfluss von CAR-T-Therapien auf B-NHL-Ergebnisse bedarf weiterer Untersuchung.

Fazit

Chi-BEAC erwies sich als sicheres und effektives Konditionierungsregime für Hochrisiko-NHL-Patienten. Die Integration von HDACi könnte insbesondere bei T-Zell-Lymphomen von Vorteil sein. Validierung durch randomisierte Studien mit größeren Kohorten ist erforderlich.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002636

Schreibe einen Kommentar 0

Your email address will not be published. Required fields are marked *