Chronische bilaterale Manschettenfraktur der Patellae: Ein Fallbericht

Chronische bilaterale Manschettenfraktur der Patellae bei einem gesunden Kind: Ein Fallbericht

Die Manschettenfraktur der Patella ist eine seltene Verletzung im Kindesalter, die durch einen Abrissbruch mit einem kleinen knöchernen Fragment und einem großen Anteil an Gelenkknorpel gekennzeichnet ist. Sie macht etwa die Hälfte aller Patellafrakturen bei Kindern aus. Bilaterale Manschettenfrakturen sind jedoch extrem selten, und die Literatur zu Behandlung und Prognose, insbesondere in der chronischen Phase, ist begrenzt. Dieser Bericht beschreibt den ersten dokumentierten Fall einer chronischen bilateralen Manschettenfraktur der Patellae bei einem gesunden 13-jährigen Jungen und liefert Einblicke in Diagnostik, Therapie und Outcomes.

Fallvorstellung

Ein 13-jähriger Junge erlitt während eines Laufwettbewerbs beidseitige Knieverletzungen mit plötzlicher Schwäche und Sturz. Die initiale MRT zeigte beidseitige Diskontinuitäten der Patellarsehnen. Aufgrund eines fieberhaften Infekts (39,0°C) und einer Lymphozytopenie (CD4: 144/mL) wurde die geplante Operation verzögert. Nach antibiotischer Therapie und Erholung des Immunstatus (CD4: 400/mL) erfolgte die Verlegung in unsere Klinik.

Die klinische Untersuchung ergab Quadrizepsatrophie, Kniegelenksschwellung, Patella alta sowie eine tastbare Lücke an den Patellaspitzen. Die aktive Beweglichkeit war auf 40°–110° eingeschränkt. Bildgebend bestätigten Röntgen, CT und MRT die Diagnose chronischer bilateraler Manschettenfrakturen mit avitalen Knorpel-Knochen-Fragmenten.

Klinikverlauf und operative Therapie

Nach überstandener Atemwegsinfektion erfolgte die Operation 2 Monate posttraumatisch. Technik: Beidseitige offene Reposition und Fixation mittels transossärer Nähte (Orthocord®-Fäden, DePuy Mitek). Es wurden drei 2-mm-Tunnel von der Patellaspitze zum mittleren Patelladrittel gebohrt und die Sehnenstümpfe refixiert. Perioperativ erhielt der Patient Antibiotikaprophylaxe.

Postoperatives Management und Nachsorge

Die postoperative Ruhigstellung erfolgte für 3 Wochen in Streckschienen, gefolgt von Physiotherapie. Nach einem Jahr zeigte sich eine schmerzfreie volle Beweglichkeit (0°–130°). Die MRT dokumentierte eine kontinuierliche Patellarsehne und knöcherne Konsolidierung.

Diskussion

Chronische Manschettenfrakturen bergen Risiken wie Pseudarthrose, Patellamalalignment und Bewegungseinschränkung. Während bei akuten Frakturen konservative Optionen diskutiert werden, erfordern chronische Verletzungen meist operative Intervention. In diesem Fall ermöglichte die transossäre Nahttechnik trotz verzögerter Versorgung ein exzellentes Outcome. Kritisch zu beachten sind mögliche Komplikationen wie Patellanekrose oder Infekte, die durch perioperative Antibiotikagabe minimiert wurden.

Schlussfolgerung

Dieser Fall unterstreicht die Effektivität transossärer Nahttechniken auch bei chronischen bilateralen Manschettenfrakturen. Trotz 2-monatiger Verzögerung bis zur Operation erzielte der Patient ein vollständiges funktionelles Recovery. Frühzeitige Diagnostik und zeitnahe operative Versorgung bleiben jedoch entscheidend für optimale Ergebnisse.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000926

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