Der Wert der Nüchternplasmaglukose zur Screening des Gestationsdiabetes mellitus vor der 24. Gestationswoche bei Frauen mit unterschiedlichem prägraviden Body – Mass – Index

Der Wert der Nüchternplasmaglukose zur Screening des Gestationsdiabetes mellitus vor der 24. Gestationswoche bei Frauen mit unterschiedlichem prägraviden Body-Mass-Index

Gestationsdiabetes mellitus (GDM) ist eine bedeutende Schwangerschaftskomplikation, die mit einem erhöhten Risiko für maternale und neonatale Morbidität verbunden ist. Die Diagnose erfolgt typischerweise zwischen der 24. und 28. Gestationswoche mittels 75-g oralem Glukosetoleranztest (OGTT). Diese späte Diagnose ermöglicht jedoch nur ein kurzes Zeitfenster für das Glukosemanagement, welches entscheidend für die Reduktion von Komplikationen ist. Eine frühzeitige Prädiktion von GDM könnte Interventionen beschleunigen, wird jedoch durch den physiologischen Abfall der Nüchternplasmaglukose (FPG) im Schwangerschaftsverlauf erschwert. Diese Studie untersuchte den prädiktiven Wert der FPG zur GDM-Screening vor der 24. Gestationswoche bei Frauen mit unterschiedlichem prägraviden Body-Mass-Index (BMI).

Es handelte sich um eine multizentrische retrospektive Kohortenstudie in China mit Teilnehmerinnen, die zwischen Juni 2013 und November 2014 eine Einlingsgeburt hatten. Daten zu prägravidem BMI, FPG vor der 24. Gestationswoche und GDM-Diagnose mittels OGTT (24.–28. Woche) wurden aus 21 Kliniken in Beijing, Guangzhou und Chengdu erhoben. Die Frauen wurden entsprechend dem prägraviden BMI in vier Gruppen eingeteilt: Gruppe A (Untergewicht, BMI < 18,5 kg/m²), Gruppe B (normal, BMI 18,5–23,9 kg/m²), Gruppe C (Übergewicht, BMI 24,0–27,9 kg/m²) und Gruppe D (Adipositas, BMI ≥ 28,0 kg/m²).

Die GDM-Prävalenz lag bei 20,0 % (6806/34 087). Die FPG-Werte sanken bis zur 19. Gestationswoche in allen BMI-Gruppen kontinuierlich, wobei höhere prägravid BMI mit höheren FPG-Werten assoziiert waren. Frauen mit FPG ≥ 5,10 mmol/L zwischen der 19. und 24. Woche sowie prägravidem Übergewicht/Adipositas zeigten eine signifikant höhere GDM-Inzidenz im Vergleich zu Frauen mit FPG ≥ 5,10 mmol/L und BMI < 24,0 kg/m² (78,5 % vs. 52,9 %, p < 0,001).

Die FPG-Werte erreichten in der 4.–5. Woche 5,08 ± 0,43 mmol/L, sanken auf 4,49 ± 0,44 mmol/L bis zur 22.–23. Woche und stabilisierten sich ab der 19. Woche. In logistischen Regressionsmodellen waren höhere FPG-Werte (OR 3,1; 95 %-KI 2,90–3,30 pro 0,50 mmol/L-Anstieg über 4,10 mmol/L) und höherer prägravid BMI (OR 1,1; 95 %-KI 1,06–1,13) unabhängige Risikofaktoren für GDM.

Die ROC-Analyse ergab eine AUC von 0,803 (BMI ≥ 24,0 kg/m²), 0,679 (BMI < 24,0 kg/m²) und 0,718 für die Gesamtpopulation. FPG ≥ 5,10 mmol/L zwischen der 19. und 24. Woche zeigte insbesondere bei übergewichtigen/adipösen Frauen eine hohe prädiktive Wertigkeit. Die Autoren empfehlen, diese Hochrisikogruppe ab FPG ≥ 5,10 mmol/L als GDM-Fälle zu behandeln, um frühzeitige Interventionen zu ermöglichen.

Zusammenfassend unterstreicht die Studie den klinischen Nutzen der FPG-Messung vor der 24. Gestationswoche, insbesondere bei Frauen mit prägravidem Übergewicht/Adipositas. Der FPG-Abfall bis zur 19. Woche und die Stabilisierung danach unterstützen die Verwendung eines einheitlichen FPG-Grenzwerts in diesem Zeitraum. Diese Erkenntnisse können die Risikostratifizierung und das Glukosemanagement in der Schwangerschaftsbetreuung optimieren.

DOI: 10.1097/CM9.0000000000000158

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