Detaillierte Korrektur der Gross-Klassifikation der Ösophagusatresie basierend auf 434 Fällen in China
Die Ösophagusatresie (EA) zählt zu den häufigsten kongenitalen Anomalien des Ösophagus und ist in 70–90 % der Fälle mit einer tracheoösophagealen Fistel (TEF) assoziiert. Seit der ersten Beschreibung und Klassifikation durch Vogt im Jahr 1929 wurden verschiedene Klassifikationssysteme vorgeschlagen, darunter jene von Ladd, Gross, Swenson und Kluth. Die 1953 eingeführte Gross-Klassifikation bleibt eines der am weitesten verbreiteten Systeme. Trotz ihrer breiten Anwendung haben moderne chirurgische und bildgebende Verfahren Unstimmigkeiten in den illustrativen Darstellungen der Gross-Klassifikation offengelegt. Diese Studie analysiert 434 konsekutive EA/TEF-Fälle aus China und schlägt notwendige Modifikationen vor.
Das Studienprotokoll wurde von der Ethikkommission des Peking-Kinderkrankenhauses der Hauptstadt-Universität für Medizinwissenschaften (Nationales Zentrum für Kindergesundheit) gemäß der Deklaration von Helsinki genehmigt. Aufgrund des retrospektiven Studiendesigns wurde auf eine Einwilligung der Patienten verzichtet. Die Datenerfassung erfolgte mittels standardisierter Formulare, einschließlich radiologischer Befunde und Operationsberichte. Zwei erfahrene Radiologen maßen unabhängig den Durchmesser des proximalen Ösophagusbeutels in Ösophagogrammen. Die Übereinstimmung der Messungen wurde mittels Intraklassen-Korrelationskoeffizient (ICC = 0,89) geprüft. Die Datenanalyse erfolgte mit SPSS Version 22.0.
Ergebnisse
Von 2007 bis 2020 wurden 434 EA/TEF-Patienten am Peking-Kinderkrankenhaus und dem Kinderkrankenhaus der Universität Nanchang operiert. Die demografischen und klinischen Merkmale sind in Supplementary Table 1 zusammengefasst. Basierend auf Ösophagogrammen und intraoperativen Befunden wurden folgende Korrekturen der Gross-Klassifikation vorgenommen:
Korrektur A: Gross-Typ A
Der proximal blind endende Ösophagusbeutel ist stark dilatiert. Der unterentwickelte distale Ösophagusrest führt zu einem deutlich verkleinerten Magenvolumen (ca. 5 ml vs. 20–30 ml normal). Die Distanz zwischen den Ösophagusstümpfen beträgt 5–8 Wirbelkörper.
Korrektur B: Gross-Typ B
Der proximale Beutel ist weniger dilatiert als bei Typ A. Die Fistel verläuft aufsteigend zur posterioren Tracheawand (nicht horizontal). Die Magengröße ähnelt Typ A (ca. 5 ml).
Korrektur C: Gross-Typ C
Der proximale Ösophagusbeutel ist hypertrophiert (Durchmesser 1,5–2,0 cm), der Magen aufgebläht. Die Distanz zwischen den Stümpfen beträgt ca. zwei Wirbelkörper. Der distale Fisteldurchmesser liegt bei 0,5 cm.
Korrektur D: Gross-Typ D
Der proximale Beutel ist schmal, der Magen luftgefüllt. Die Fistel verläuft analog zu Typ B von der anterioren Ösophaguswand zur Trachea.
Korrektur E: Gross-Typ E
Isolierte TEFs (Typ E) befinden sich typischerweise auf Höhe des ersten thorakalen Wirbelkörpers (Apertura thoracis superior).
Korrektur F: Gross-Typ F
Strikturen betreffen vorwiegend das distale Ösophagusdrittel.
Diskussion
Die Studie identifiziert wesentliche Abweichungen zwischen der klassischen Gross-Klassifikation und aktuellen radiologisch-chirurgischen Befunden. Die Dilatation des proximalen Ösophagusbeutels reflektiert die fetale Schluckbewegung von Fruchtwasser: Bei Typ A und C führt die Obstruktion zu Hypertrophie, während bei Typ B und D die Fistelentlastung eine schmale Morphologie bedingt. Die präoperative Beurteilung der proximalen Beuteldilatation sowie der Fistellokalisation (endoskopisch/CT-basiert) ist entscheidend für die Operationsplanung.
Die Fistelanatomie bei Typ B und D (aufsteigender Verlauf) erfordert eine sorgfältige Ligatur zur Vermeidung postoperativer Komplikationen. Bei langstreckigen Defekten (Typ A/B) kann die extrathorakale Ösophagusverlängerung die Anastomosenspannung reduzieren. Die Wahl des Gastrostomie-Zugangs (subkostal, Mittellinie) ist bei Typ A/B essenziell, da der distale Ösophagusrest kaum über das Zwerchfell hinausragt.
Schlussfolgerung
Die vorgeschlagenen Modifikationen der Gross-Klassifikation basieren auf einer der größten EA/TEF-Kohorten Chinas und korrigieren anatomische Unschärfen. Diese aktualisierte Klassifikation bietet eine präzise Grundlage für chirurgische Entscheidungen, insbesondere in ressourcenlimitierten Settings. Eine korrekte bildliche Darstellung ist für Lehre, Praxis und Forschung unverzichtbar.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001673