Diabetes Mellitus und ungünstige Ergebnisse nach Karotisendarteriektomie: Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse
Zusammenfassung
Die Karotisstenose ist eine relevante atherosklerotische Erkrankung, die durch eine chronische Verengung des Karotislumens gekennzeichnet ist. Dies kann zu abnormaler zerebraler Durchblutung bis hin zum vollständigen Verschluss der Arterie führen. Die Karotisendarteriektomie (CEA) wird für symptomatische und asymptomatische Patienten mit 60–99 %iger Stenose und niedrigem bis moderatem Operationsrisiko empfohlen. Im Vergleich zum Karotis-Stenting (CAS) weist die CEA geringere prozedurale Risiken und eine bessere Langzeitprävention von Schlaganfällen auf.
Diabetes mellitus (DM) ist ein etablierter Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. Frühere Metaanalysen untersuchten den Einfluss von DM auf Komplikationen nach Karotisrevaskularisation (CEA und CAS), ergaben jedoch inkonsistente Ergebnisse. Diese Studie zielte darauf ab, die Auswirkungen von DM spezifisch auf CEA-Ergebnisse systematisch zu bewerten, mit Fokus auf kurzfristige (30-Tage) und langfristige (≥3 Jahre) schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (MAEs: Tod, Schlaganfall, Myokardinfarkt [MI]).
Methoden
Eine Literaturrecherche (PubMed, EMBASE, Web of Science, CENTRAL, ClinicalTrials) identifizierte Studien von 2000–2023 gemäß PRISMA-Richtlinien. Die Bewertung des Bias-Risikos erfolgte mittels Newcastle–Ottawa-Skala (NOS). Insgesamt 19 Studien mit 122.003 CEA-Patienten wurden in die quantitative Synthese einbezogen.
Ergebnisse
DM war mit erhöhten Risiken für kurzfristige MAEs verbunden (Effektstärke [ES] = 1,52; 95 %-KI: 1,15–2,01; Prävalenz = 5,1 %), Tod/Schlaganfall (ES = 1,61; 95 %-KI: 1,13–2,28; 2,3 %), Schlaganfall (ES = 1,55; 95 %-KI: 1,16–1,55; 3,5 %), Tod (ES = 1,70; 95 %-KI: 1,25–2,31; 1,2 %) und MI (ES = 1,52; 95 %-KI: 1,15–2,01; 1,4 %). Langfristig stieg das MAE-Risiko um 24 % (ES = 1,24; 95 %-KI: 1,04–1,49; 12,2 %).
Subgruppenanalysen zeigten, dass DM bei asymptomatischen Patienten stärkere kurzfristige Risiken für Tod/Schlaganfall, Schlaganfall und MI bedingte (ES = 1,53; 95 %-KI: 1,29–1,83), während bei symptomatischen Patienten nur MAEs signifikant anstiegen (ES = 1,29; 95 %-KI: 1,08–1,53). Insulinpflichtiger DM war mit höheren Risiken für MAEs, Tod, Schlaganfall und MI assoziiert als nicht-insulinpflichtiger DM.
Diskussion
Die Ergebnisse unterstreichen, dass DM ein kritischer Prädiktor für Komplikationen nach CEA ist, insbesondere bei asymptomatischen und insulinpflichtigen Patienten. Präoperative Optimierung der Glukosekontrolle könnte die Outcomes verbessern, jedoch fehlen hierzu Langzeitdaten. Limitationen umfassen die Retrospektivität der meisten Studien und Heterogenität der Endpunktdefinitionen.
Schlussfolgerung
DM ist mit signifikant erhöhten kurz- und langfristigen Risiken nach CEA verbunden. Ein strukturiertes Diabetesmanagement sollte integraler Bestandteil der perioperativen Versorgung sein. Weitere Forschung zur Rolle der glykämischen Kontrolle ist erforderlich.
Keywords
Karotisendarteriektomie; Diabetes mellitus; unerwünschte Ereignisse; Metaanalyse; kardiovaskuläres Risiko
DOI
10.1097/CM9.0000000000002730