Diagnostischer Wert der Dermatoskopie in Kombination mit Reflektanzkonfokalmikroskopie bei klinisch unklaren blauen Nävi
Der blaue Nävus (BN) ist eine benigne, erworbene pigmentierte Läsion mit bläulicher oder dunkelblauer Pigmentierung. Obwohl die meisten BN-Läsionen gutartig und stabil sind, können einige zu malignen blauen Nävi (MBN) entarten, einer Variante des malignen Melanoms mit vergleichbar ernster Prognose. Differenzialdiagnosen umfassen noduläres Melanom, pigmentiertes Basalzellkarzinom und kutane Melanommetastasen, die unnötige Exzisionen nach sich ziehen können. Nicht-invasive Bildgebungstechniken wie Dermatoskopie und Reflektanzkonfokalmikroskopie (RCM) zeigen Potenzial, die Diagnosegenauigkeit zu verbessern und Biopsien zu reduzieren.
Ziel dieser Studie war die Bewertung der diagnostischen Genauigkeit von Dermatoskopie, RCM und deren Kombination bei klinisch unklaren BN-Fällen. Die Hypothese lautete, dass RCM in Kombination mit Dermatoskopie den Anteil notwendiger Biopsien verringert. Die Studie wurde am China-Japan Friendship Hospital, Peking, durchgeführt und von der Ethikkommission genehmigt. Von Oktober 2017 bis Juni 2019 wurden 62 bläuliche Läsionen mit BN-Differenzialdiagnosen eingeschlossen, für welche primär eine Biopsie empfohlen worden war.
Dermatoskopische Aufnahmen erfolgten mittels digitalem Video-Dermatoskop (FotoFinder, Version 2.0.27, Medicam 800HD). RCM-Bilder wurden mit einem Nahinfrarot-Reflektanzkonfokalmikroskop (VivaScope® 1500) erstellt. Zwei unabhängige Dermatologen bewerteten zunächst die dermatoskopischen, später die RCM- und schließlich kombinierte Bilder blind zur Histologie. Sensitivität, Spezifität, falsch-positive/-negative Raten, positiver/negativer prädiktiver Wert, Youden-Index sowie Kappa-Werte zur Übereinstimmung mit der Histopathologie wurden berechnet.
Die diagnostische Genauität (gemessen an der Fläche unter der Kurve, AUC) war für alle Methoden gut, jedoch am höchsten bei der Kombination aus Dermatoskopie und RCM (AUC: 0,912 vs. 0,803 für Dermatoskopie allein; p = 0,0075). Die Kombination zeigte auch die stärkste Übereinstimmung mit der Histopathologie (Kappa = 0,822 vs. 0,631 für Dermatoskopie allein). RCM allein wies die niedrigste Genauität auf (Kappa = 0,372), möglicherweise bedingt durch die begrenzte Eindringtiefe der RCM, die die dermalen melaninproduzierenden Zellen bei BN nicht vollständig erfasst.
Der Anteil als malignan eingestufter Läsionen betrug 22,5 % (Dermatoskopie), 2,5 % (RCM) und 2,5 % (Kombination; p = 0,002). Biopsieempfehlungen sanken von 37,5 % (Dermatoskopie) auf 5,0 % bei kombinierter Anwendung (p = 0,001). Die bläuliche Farbe in der Dermatoskopie korrelierte oft fälschlich mit Malignität, während RCM zelluläre Merkmale zur Differenzierung lieferte. Die Kombination beider Methoden integriert makroskopische und zelluläre Informationen, was Fehleinschätzungen reduziert.
Limitationen umfassen die kleine Fallzahl, das Fehlen von MBN-Fällen sowie die begrenzte histopathologische Differenzialdiagnostik. Weitere Studien mit größeren Kohorten sind erforderlich.
Zusammenfassend zeigt diese Studie, dass RCM allein für die BN-Diagnostik unzureichend ist. Die Kombination mit Dermatoskopie erreicht die höchste Genauigkeit und sollte bei unklaren Befunden zur Vermeidung unnötiger Biopsien eingesetzt werden.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001007