Diagnostischer Wert der Kombination von ACR TI-RADS und dreidimensionaler Scherwellenelastographie bei ACR-TI-RADS-4- und -5-Schilddrüsenknoten
Die Beurteilung und Diagnose von Schilddrüsenknoten hat aufgrund der steigenden Inzidenz von Schilddrüsenkrebs zunehmend an klinischer Bedeutung gewonnen. Unter den verfügbaren diagnostischen Tools hat sich das Thyroid Imaging Reporting and Data System des American College of Radiology (ACR TI-RADS) als weitverbreitetes Klassifikationssystem zur Risikostratifizierung von Schilddrüsenknoten etabliert. Die Notwendigkeit präziserer Methoden zur Reduktion unnötiger Biopsien und Operationen führte zur Erforschung moderner Bildgebungstechniken wie der dreidimensionalen Scherwellenelastographie (3D-SWE). Diese Studie untersucht den diagnostischen Nutzen der Kombination von ACR TI-RADS mit 3D-SWE bei der Differenzierung benigner und maligner ACR-TI-RADS-4- und -5-Knoten.
Einleitung
Schilddrüsenknoten sind ein häufiger Befund in der klinischen Praxis, wobei die Unterscheidung zwischen benignen und malignen Läsionen entscheidend ist. Das ACR-TI-RADS-System, das Ultraschallkriterien zur Risikoeinstufung nutzt, gilt als Standardtool. Knoten der Kategorien ACR TI-RADS 4 und 5 (TR4/5) weisen ein Malignitätsrisiko von ≥5 % auf. Um die diagnostische Genauigkeit zu erhöhen, wurden ergänzende Methoden wie die 3D-SWE evaluiert, die quantitative Messungen der Gewebesteifigkeit ermöglicht. Diese Studie bewertet die diagnostische Leistung der kombinierten Anwendung von ACR TI-RADS und 3D-SWE bei TR4/5-Knoten.
Methoden
Patientenauswahl
Retrospektiv wurden 112 Schilddrüsenknoten von 109 Patienten analysiert, die zwischen Januar 2020 und Dezember 2020 mittels Ultraschall untersucht und anschließend operiert wurden. Das Kollektiv umfasste 24 Männer und 85 Frauen (Alter: 22–77 Jahre). Einschlusskriterien waren: (1) Fehlen diffuser Schilddrüsenveränderungen, (2) TR4/5-Klassifikation, (3) vollständige Ultraschalldaten inklusive 3D-SWE, (4) pathologische Bestätigung, (5) keine Vorbehandlung. Ausschlusskriterien waren: (1) unzureichendes Referenzgewebe, (2) technisch unzureichende Elastografiemessung, (3) Strahlen-, OP-Vorgeschichte oder Schilddrüsenerkrankungen.
Ultraschalluntersuchung
Die Untersuchung erfolgte mit dem Supersonic Imagine AixPlorer (L15-4-MHz-Linearsonde, SLV16-5-MHz-3D-Volumensonde). Die ACR-TI-RADS-Klassifikation basierte auf 2D-Ultraschallkriterien (Lage, Größe, Form, Rand, Echogenität, Mikrokalzifikationen, Durchblutung). Für die 3D-SWE wurden der maximale (3D-C-Emax), mittlere (3D-C-Emean) Elastizitätsmodul und die Standardabweichung (3D-C-Esd) im koronaren Rekonstruktionsbild gemessen. Alle Messungen wurden von zwei erfahrenen Untersuchern (>10 Jahre) durchgeführt.
Statistische Analyse
Die ROC-Kurvenanalyse diente zur Bestimmung optimaler Cut-off-Werte für 3D-SWE-Parameter. Das konventionelle ACR TI-RADS wurde durch Integration des 3D-C-Emax-Cut-offs adaptiert: TR4-Knoten (4–6 Punkte) erhielten einen Zusatzpunkt bei 3D-C-Emax ≥51,5 kPa; TR5-Knoten (≥7 Punkte) blieben unverändert. Die statistische Auswertung erfolgte mit R 4.0 (Shapiro–Wilk-Test, t-Test/Mann–Whitney-U-Test, ROC-Kurven, Z-Test).
Ergebnisse
Baseline-Charakteristika und ACR TI-RADS
Von 112 Knoten waren 62 maligne (50 benigne). Maligne Fälle umfassten papilläre Karzinome (n=60) und follikuläre Adenokarzinome (n=2), benigne Fälle Knotenstruma (n=23), follikuläre Adenome (n=25) und Thyreoiditis (n=2). Maligne Knoten zeigten signifikant häufiger irreguläre Form (p=0,018), unscharfe Ränder (p=0,001), Mikrokalzifikationen (p=0,043), Hypervaskularisation (p=0,031) und „taller-than-wide“-Zeichen (p=0,003). Das konventionelle ACR TI-RADS erreichte eine AUC von 0,828, Sensitivität von 83,9 % und Spezifität von 66,0 % (Cut-off: TR5).
3D-SWE-Ergebnisse
3D-C-Emax (maligne: 62,7±24,1 kPa vs. benigne: 39,2±19,5 kPa; p<0,001), 3D-C-Emean und 3D-C-Esd waren bei malignen Knoten signifikant höher. Der optimale 3D-C-Emax-Cut-off betrug 51,5 kPa (AUC=0,798; Sensitivität=66,7 %; Spezifität=92,0 %).
Kombiniertes ACR TI-RADS
Durch Integration von 3D-C-Emax ≥51,5 kPa erhöhte sich die Anzahl der TR5-Knoten von 52 auf 56. Das kombinierte System erzielte eine AUC von 0,845, Sensitivität von 90,3 % und Spezifität von 66,0 %. Der AUC-Unterschied zwischen konventionellem und kombiniertem System war signifikant (Z=−2,65; p=0,008).
Diskussion
Die Studie zeigt, dass die Kombination von ACR TI-RADS mit 3D-SWE die diagnostische Leistung bei TR4/5-Knoten verbessert. Die 3D-C-Emax-basierte Adjustierung steigerte die Sensitivität bei akzeptabler Spezifität, wodurch unnötige Biopsien reduziert werden könnten. Limitationen umfassen die kleine Stichprobe und mögliche Verzerrungen durch die Fokussierung auf Hochrisikoknoten. Zukünftige Studien sollten die Ergebnisse an größeren Kollektiven validieren.
Fazit
Die Integration der 3D-SWE in das ACR-TI-RADS-System verbessert die Differenzierung benigner und maligner Schilddrüsenknoten signifikant. Der 3D-C-Emax-Cut-off von 51,5 kPa stellt einen wertvollen Zusatzparameter dar, der die diagnostische Genauigkeit erhöht und eine präzisere klinische Entscheidungsfindung ermöglicht.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002655