Diagnostischer Wert der Kombination von Rapid On-Site Evaluation und radialem Endobronchialultraschall bei peripheren pulmonalen Infektionsherden
Periphere pulmonale Läsionen (PPL) stellen aufgrund ihrer Lage im Lungengewebe und fehlender Sichtbarkeit unter konventioneller Bronchoskopie eine diagnostische Herausforderung dar. Der radiale Endobronchialultraschall (R-EBUS) hat sich als wesentliches Instrument zur Lokalisation dieser Läsionen etabliert, indem er charakteristische Ultraschallsignale generiert. Die Rapid On-Site Evaluation (ROSE), eine Methode zur Echtzeit-Zytologiebeurteilung, verbessert nachweislich die Diagnosegenauigkeit von Malignomen während R-EBUS-Eingriffen. Ihre Rolle bei der Diagnostik infektionsbedingter PPL blieb jedoch unklar. Diese Studie untersucht den diagnostischen Nutzen und die Sicherheit der Kombination von R-EBUS mit ROSE bei infektionsbedingten PPL, insbesondere Tuberkulose (TB), Pilzinfektionen und anderen Pneumonien.
Methodik und Studiendesign
In diese retrospektive Analyse wurden 280 Patienten mit peripheren pulmonalen Infektionserkrankungen eingeschlossen, die zwischen Januar 2019 und August 2021 am Dritten Affilierten Krankenhaus der Soochow-Universität behandelt wurden. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen unterteilt: 114 Patienten mit R-EBUS und ROSE (ROSE-Gruppe) sowie 166 Patienten ohne ROSE (Non-ROSE-Gruppe). Einschlusskriterien umfassten hospitalisierte Patienten ≥16 Jahre mit bronchoskopisch bestätigten peripheren Lungenläsionen, fehlender Atemwegstenose und vollständigen klinischen Verlaufsdaten. Ausschlusskriterien waren Verdacht auf Malignome, nicht-infektiöse Pathologien (z. B. Sarkoidose) und unvollständige Daten.
Technische Durchführung
R-EBUS wurde mit einem Olympus BF-P260F-Bronchoskop, einem EU-ME1-Prozessor und einer UM-S20-17S-Ultraschallsonde (1,4 mm Durchmesser) durchgeführt. Nach CT-gesteuerter Lokalisation der Läsionen erfolgte die Gewebeentnahme über eine Führungshülle, sobald die Sonde ein solides Areal identifizierte. In der ROSE-Gruppe wurden Proben umgehend mittels Diff-Quik-Färbung (Baso Ltd) mikroskopisch durch Pneumologen ausgewertet. Bei bestätigtem diagnostischem Material wurde die Probenentnahme beendet; anderenfalls erfolgten Anpassungen. Alle Proben unterzogen sich Hämatoxylin-Eosin-Färbung, mikrobiellen Kulturen oder molekularen Tests. Endgültige Diagnosen bei unklaren Fällen basierten auf CT-gesteuerten Biopsien, Resektionen oder klinisch-radiographischer Nachbeobachtung (≥6 Monate).
Hauptergebnisse
Diagnostische Leistung
Die ROSE-Gruppe zeigte eine höhere Trefferrate für spezifische Infektionen:
- Pulmonale Tuberkulose: Die initiale Diagnoserate betrug 88,9 % (24/27) in der ROSE-Gruppe vs. 60,0 % (18/30) in der Non-ROSE-Gruppe (( chi^2 = 6,116; P = 0,013 )). ROSE ermöglichte die schnelle Identifizierung granulomatöser Entzündungen mit Nekrose und Epitheloidzellen, was eine gezielte Weiterverarbeitung (z. B. X-pert MTB/RIF) erleichterte.
- Pulmonale Mykosen: Vergleichbare Raten (ROSE: 78,6 % [11/14] vs. Non-ROSE: 73,7 % [14/19]; ( P = 0,745 )). ROSE detektierte Pilzhyphen und nekrotisches Material bei Aspergillose.
- Andere Pneumonien: Kein signifikanter Unterschied (ROSE: 43,8 % [32/73] vs. Non-ROSE: 41,0 % [48/117]; ( P = 0,703 )).
Einfluss von Läsionseigenschaften
ROSE steigerte die Diagnosegenauigkeit unter spezifischen Bedingungen:
- Größe der Läsion: Bei Läsionen ≤3 cm erreichte die ROSE-Gruppe 42,4 % (14/33) vs. 21,9 % (14/64) in der Non-ROSE-Gruppe (( chi^2 = 4,478; P = 0,034 )).
- Lokalisation: Höhere Trefferraten in Oberlappen (Rechte Lunge: 68,4 % [26/38] vs. 46,0 % [23/50], ( P = 0,036 ); Linke Lunge: 70,6 % [12/17] vs. 38,2 % [13/34], ( P = 0,029 )).
- Sondenpositionierung: Bei direktem Läsionszugang verbesserte ROSE die Diagnoserate auf 68,2 % (58/85) vs. 52,8 % (66/125) ohne ROSE (( P = 0,026 )).
Sicherheitsprofil
Komplikationen waren überwiegend mild bis moderat:
- Blutungen: Geringere Inzidenz in der ROSE-Gruppe (5,3 % [6/114] vs. 12,7 % [21/166]; ( chi^2 = 4,233; P = 0,040 )). Alle Fälle wurden mit Hämostyptika kontrolliert.
- Pneumothorax: Ein Fall (Non-ROSE-Gruppe), der unter Sauerstofftherapie ausheilte.
Klinische Bedeutung und Mechanismen
ROSE verbessert die Diagnostik infektionsbedingter PPL durch zwei Hauptmechanismen:
- Echtzeit-Qualitätskontrolle: Sofortiges cytologisches Feedback sichert repräsentative Proben, insbesondere bei TB-Läsionen mit Nekrose, und reduziert Wiederholungseingriffe.
- Reduzierte Biopsieanzahl: Frühzeitige Bestätigung ausreichenden Materials minimiert Blutungsrisiken.
Die höhere Trefferrate bei kleinen Läsionen (≤3 cm) unterstreicht den Nutzen von ROSE in technisch anspruchsvollen Fällen. Die verbesserte Diagnostik in Oberlappen korreliert mit der Prädilektion der TB für apikale Regionen, wo Nekrosen die Probengewinnung erschweren.
Limitationen und zukünftige Forschung
Die retrospektive, monozentrische Designschwäche limitiert die Generalisierbarkeit. Unberücksichtigte Variablen wie Eingriffsdauer und Biopsiehäufigkeit sollten in prospektiven, multizentrischen Studien mit größeren Kohorten analysiert werden, um protokolläre Optimierungen zu validieren.
Fazit
Die Kombination von ROSE mit R-EBUS verbessert signifikant die Diagnostik infektionsbedingter PPL, insbesondere der pulmonalen TB, bei gleichzeitiger Reduktion von Komplikationen. Dieses Vorgehen optimiert die Probengüte, rationalisiert diagnostische Abläufe und erhöht die Patientensicherheit, wodurch es sich als wertvolles Instrument in der interventionellen Pneumologie etabliert.
DOI: doi.org/10.1097/CM9.0000000000002490