Die Rolle des Anteils dominanter Follikel bei PCOS-Patientinnen in IVF

Die Rolle des Anteils dominanter Follikel bei Patientinnen mit polyzystischem Ovarsyndrom während der In-vitro-Fertilisation mit Embryotransfer

Das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) ist eine der häufigsten reproduktiven Störungen und betrifft etwa 10 % der Frauen im gebärfähigen Alter. Diese Population hat ein extrem hohes Risiko für ein ovarielles Überstimulationssyndrom (OHSS). Mit der Entwicklung assistierter Reproduktionstechnologien (ART) besteht zunehmendes Interesse daran, OHSS zu reduzieren oder zu vermeiden. Derzeit wird das GnRH-Antagonisten-Protokoll für PCOS-Patientinnen stark empfohlen, das als evidenzbasierte Leitlinie (Grad A) der American Society for Reproductive Medicine zur OHSS-Prävention gilt.

In China wird das GnRH-Antagonisten-Protokoll seit fast 20 Jahren angewendet. Die klinische Schwangerschaftsrate liegt jedoch 8–10 % unter der des klassischen GnRH-Agonisten-Langprotokolls. Einflussfaktoren umfassen die ovarielle Reaktion, Protokollauswahl, Auslösezeitpunkt und Lutealphasenunterstützung. Die Kriterien für die hCG-Gabe im Antagonisten-Protokoll werden kontrovers diskutiert, insbesondere ob eine verzögerte oder frühere Auslösung vorteilhaft ist.

Die hCG-Gabe zur finalen Oozytenreifung ist ein entscheidender Schritt der kontrollierten ovariellen Stimulation (COS). Bisherige Kriterien (1–2 Follikel ≥18 mm oder 3 Follikel ≥17 mm) reflektieren nicht zuverlässig die Prognose, insbesondere bei PCOS mit hoher ovarieller Reserve. Der Anteil dominanter Follikel (PDF: ≥18-mm-Follikel / ≥10-mm-Follikel am hCG-Tag) wurde als möglicher Prädiktor vorgeschlagen.

Methodik

Diese retrospektive Studie analysierte 371 Zyklen im GnRH-Agonisten-Langprotokoll und 347 Zyklen im Antagonisten-Protokoll (2014–2016). Die Patientinnen wurden nach PDF in drei Gruppen eingeteilt: Gruppe A (PDF <20 %), B (20–40 %) und C (>40 %). Verglichen wurden ovarielle Stimulationsparameter, Befruchtungsraten, Embryoqualität, klinische Schwangerschaftsraten und OHSS-Inzidenz.

Ergebnisse

GnRH-Agonisten-Langprotokoll:

  • Die Befruchtungsrate war in Gruppe A signifikant höher (59,74 ± 31,21 % vs. 49,70 ± 37,95 %; p = 0,025).
  • Klinische Schwangerschaftsraten unterschieden sich nicht (63,6 % vs. 62,5 % vs. 67,5 %; p = 0,911).
  • Die OHSS-Rate stieg mit höherem PDF (Gruppe C: 6,7 %; p = 0,017).

GnRH-Antagonisten-Protokoll:

  • Gruppe C zeigte tendenziell höhere Schwangerschaftsraten (57,9 % vs. 46,6 %; p = 0,093).
  • Keine signifikanten Unterschiede bei Embryoqualität oder OHSS-Raten.

Diskussion

Ein PDF <20 % im Antagonisten-Protokoll war mit reduzierten Schwangerschaftsraten assoziiert, möglicherweise bedingt durch Zyklusstornierungen, GnRHA-Auslösung oder asynchrone Oozytenreifung. Im Langprotokoll erhöhte ein verzögerter hCG-Zeitpunkt das OHSS-Risiko ohne Nutzen für die Schwangerschaftsrate. Ein PDF von 20–40 % könnte einen Kompromiss zwischen OHSS-Risiko und Erfolgsrate darstellen.

Limitationen umfassen den retrospektiven Design und mögliche Verzerrungen durch Ultraschallmessungen. Prospektive Studien sind erforderlich, um individuelle Auslösekriterien für PCOS-Patientinnen zu optimieren.

Schlussfolgerung

Die PDF-Bewertung am hCG-Tag bietet potenzielle Vorteile für die Protokollsteuerung. Während im Antagonisten-Protokoll ein höherer PDF (>40 %) die Schwangerschaftsrate verbessern kann, sollte im Langprotokoll ein PDF >40 % aufgrund des OHSS-Risikos vermieden werden.

Schlüsselwörter: PCOS, dominante Follikel, IVF, OHSS, GnRH-Protokolle
DOI: 10.1097/CM9.0000000000000246

Ethikkommission: Institutional Review Board des Sun Yat-sen Memorial Hospital (2016, Nr. 44).

Schreibe einen Kommentar 0

Your email address will not be published. Required fields are marked *