Dynamische Krankheitsmanifestationen bei mit der SARS-CoV-2-Omikron-Variante infizierten Personen
Die COVID-19-Pandemie, verursacht durch das Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2 (SARS-CoV-2), hat weltweit immense Belastungen für Gesundheitssysteme und wirtschaftliche Entwicklung verursacht. Seit Ende 2021 hat die Omikron-Variante von SARS-CoV-2 in den meisten Ländern die dominierende Virusvariante gestellt. Während eine große Kohortenstudie aus dem UK die symptomatische Präsentation von Omikron- und Delta-Infektionen verglichen hat, bestehen begrenzte Daten zu Symptommerkmalen und deren Verlauf bei Omikron-infizierten Personen, insbesondere in asiatischen Populationen. Diese Studie zielt darauf ab, diese Lücke durch die Analyse dynamischer Krankheitsmanifestationen bei einer Patientenkohorte aus Shanghai, China, zu schließen.
Im Februar 2022 entwickelte sich in Shanghai ein COVID-19-Ausbruch, der primär durch die Omikron-Sublinie BA.2 verursacht wurde. In diese retrospektive Kohortenstudie wurden asymptomatische oder mild symptomatische Patienten ab 12 Jahren mit PCR-bestätigter COVID-19-Infektion eingeschlossen, die zwischen dem 6. und 14. Mai 2022 in ein mobiles Krankenhaus des Nationalen Ausstellungs- und Kongresszentrums Shanghais aufgenommen wurden. Die Diagnose erfolgte gemäß dem Diagnose- und Behandlungsprotokoll für COVID-19-Patienten (9. Tentative Edition) der Nationalen Gesundheitskommission Chinas. Datenerhebungen zu Symptomcharakteristika, Impfstatus, Komorbiditäten und dem Zeitpunkt des ersten positiven PCR-Tests erfolgten über standardisierte Fragebögen. Die Studie wurde durch die Ethikkommissionen des Changzheng-Krankenhauses Shanghai genehmigt, die informierte Einwilligung wurde durch Fragebogeneinreichung impliziert.
Von 2511 aufgenommenen Patienten nahmen 509 an der Befragung teil. Nach Ausschluss von 23 unvollständigen Datensätzen verblieben 486 analysierbare Fälle. Davon blieben 88 Patienten (18,1%) bis zur Entlassung asymptomatisch, während 398 Patienten (81,9%) mindestens ein Symptom entwickelten. Signifikante Unterschiede zeigten sich zwischen den Gruppen hinsichtlich Geschlechtsverteilung (46,0% vs. 34,0% weiblich) und Raucherstatus (16,6% vs. 27,3% aktive Raucher). Impfstatus, BMI und Komorbiditäten unterschieden sich nicht.
In der symptomatischen Gruppe lag die mediane Symptomanzahl bei vier. Häufigste Symptome waren Husten (57,6%), Auswurf (46,7%), Halsschmerzen (44,2%), Fieber (42,0%), Fatigue (36,0%), Rhinorrhoe (34,8%), Kopfschmerzen (31,5%) sowie Myalgien/Arthralgien (33,3%). Die Symptomprogression variierte deutlich: Während Fieber (Median: 38,0°C) und Fatigue sich meist innerhalb von 2 Tagen zurückbildeten (Medianremission: 2 Tage), persistierten Husten und Auswurf länger (Medianremission: 4 Tage). Clusteranalysen identifizierten zwei Hauptsymptomgruppen: (1) obere Atemwegssymptome (Husten, Auswurf, Halsschmerzen) und (2) systemische Symptome (Kopfschmerz, Fatigue, Myalgien), die beide eng mit Fieber assoziiert waren. Die mediane Gesamtsymptomdauer betrug 7 Tage (IQR: 4–10 Tage).
Multivariate Analysen zeigten, dass Komorbiditäten, Husten, Myalgien/Arthralgien und Geruchs-/Geschmacksverlust unabhängige Risikofaktoren für eine Symptompersistenz >10 Tage waren. Jüngere Patienten (<50 Jahre) zeigten ein erhöhtes Risiko für prolongierte Verläufe. Die Viruslast im Rachenabstrich korrelierte mit der Symptomprogression: Symptomatische Patienten wiesen signifikant niedrigere Ct-Werte (höhere Viruslast) auf als asymptomatische Fälle. Die mediane Virusscheidungsdauer betrug 6 Tage (asymptomatisch: 3 Tage; symptomatisch: 7 Tage).
Zusammenfassend zeigt die Omikron-Infektion charakteristische Symptomcluster mit überwiegend kurzer Remissionszeit (7–10 Tage), wobei symptomatische Verläufe mit längerer Virusscheidung assoziiert sind. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit alters- und risikoadaptierter Gesundheitsstrategien und tragen zur Optimierung öffentlicher Gesundheitsmaßnahmen bei.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002726