Effekte von Ketoazid-Supplementen bei chinesischen MHD-Patienten

Effekte von Ketoazid-Supplementen bei chinesischen Patienten unter chronischer Hämodialyse: Eine prospektive, randomisierte, kontrollierte monozentrische klinische Studie

Einleitung
Chronische Nierenerkrankungen (CKD) stellen ein globales Gesundheitsproblem dar, wobei die Ernährungstherapie eine entscheidende Rolle bei der Reduktion von Komplikationen und der Verbesserung des Behandlungsergebnisses spielt. Insbesondere Patienten unter chronischer Hämodialyse (MHD) sind aufgrund von Protein-Energie-Malnutrition gefährdet, die mit erhöhter Morbidität, Mortalität und reduzierter Lebensqualität assoziiert ist. Die KDOQI-Leitlinien (Kidney Disease Outcomes Quality Initiative) empfehlen für MHD-Patienten eine Proteinzufuhr (DPI) von 1,2 g/kg/Tag und eine Energiezufuhr (TEI) von 35 kcal/kg/Tag. Die Umsetzung dieser Empfehlungen gestaltet sich jedoch häufig schwierig, bedingt durch diätetische Restriktionen, Anorexie und sozioökonomische Faktoren.

In den letzten Jahren haben proteinreduzierte Diäten, ergänzt mit Ketoanaloga essenzieller Aminosäuren (KA), an Bedeutung gewonnen, da sie metabolische Störungen bei CKD-Patienten lindern und den Dialysebeginn verzögern können. Die Wirksamkeit von KA-Supplementen bei MHD-Patienten, insbesondere in chinesischen Populationen mit spezifischen Ernährungsgewohnheiten, bleibt jedoch unklar. Diese Studie untersuchte den Effekt von KA-Supplementen auf den Ernährungsstatus, Entzündungsmarker und die Körperzusammensetzung bei chinesischen MHD-Patienten ohne Malnutrition.

Methoden
Diese prospektive, randomisierte, kontrollierte monozentrische Studie wurde zwischen 2011 und 2014 am Peking Union Medical College Hospital durchgeführt. 29 MHD-Patienten wurden randomisiert einer Kontrollgruppe (n = 14) oder einer KA-Gruppe (n = 15) zugeteilt. Die Kontrollgruppe erhielt eine DPI von 0,9 g/kg/Tag, während die KA-Gruppe zusätzlich 0,1 g/kg/Tag KA (Ketosteril®; Fresenius Kabi AG, Deutschland) supplementierte. Beide Gruppen erhielten eine TEI von ≈28 kcal/kg/Tag.

Der Ernährungsstatus wurde mittels bioelektrischer Impedanzanalyse (BIA) evaluiert, um fettfreie Masse (LTM), Fettmasse (ATM) und Körperzellmasse zu bestimmen. Weitere Parameter umfassten anthropometrische Messungen (z. B. Trizeps-Hautfalten-Dicke, Handgriffstärke), biochemische Marker (Albumin, Präalbumin, Hämoglobin), Entzündungsmarker (hsCRP) und Aminosäurenprofile. Die Dialyseeffizienz wurde mittels Kt/V-Formel berechnet (K: Clearance, t: Dialysezeit, V: Harnstoffverteilungsvolumen).

Die Patienten wurden monatlich nachuntersucht; die Diätadhärenz wurde durch 3-Tage-Ernährungstagebücher überwacht. Die Datenanalyse erfolgte mit der Keto Nutritional Assessment-Software (Fresenius Kabi AG). Statistische Auswertungen wurden mit JMP® Pro-Software durchgeführt (Signifikanzniveau: p < 0,05).

Ergebnisse
Baseline-Charakteristika
Die Studie umfasste 15 Männer und 14 Frauen ohne signifikante Unterschiede in Alter, Geschlecht, BMI oder Dialysedauer zwischen den Gruppen. CKD-Ursachen waren chronische Glomerulonephritis, diabetische Nephropathie, Lupusnephritis, polyzystische Nierenerkrankung und medikamenteninduzierte Nephropathie.

Diätadhärenz und Dialyseeffizienz
Beide Gruppen hielten vergleichbare TEI (Kontrolle: 28,04 ± 6,63 kcal/kg/Tag; KA: 27,68 ± 3,52 kcal/kg/Tag) und DPI (Kontrolle: 0,95 ± 0,26 g/kg/Tag; KA: 0,96 ± 0,30 g/kg/Tag) ein. Die KA-Gruppe erhielt zusätzlich 0,1 g/kg/Tag KA. Die Kt/V-Werte waren zwischen den Gruppen vergleichbar (Baseline: Kontrolle 1,32 ± 0,22; KA 1,35 ± 0,17; nach 6 Monaten: Kontrolle 1,34 ± 0,25; KA 1,33 ± 0,25).

Ernährungsstatus
Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in anthropometrischen Parametern (Trizeps-Hautfalten-Dicke: Kontrolle 9,00 mm; KA 12,00 mm; Handgriffstärke: Kontrolle 25,65 kg; KA 21,10 kg) oder biochemischen Markern (Albumin: Kontrolle 40,50 ± 3,70 g/L; KA 39,07 ± 3,31 g/L; Präalbumin: Kontrolle 357,29 ± 95,68 mg/L; KA 321,67 ± 59,34 mg/L; Hämoglobin: Kontrolle 113,64 ± 13,85 g/L; KA 106,20 ± 17,64 g/L).

Kalzium-Phosphat-Stoffwechsel
Serumkalzium (Kontrolle: 2,28 ± 0,23 mmol/L; KA: 2,41 ± 0,17 mmol/L), Phosphat (Kontrolle: 1,90 ± 0,69 mmol/L; KA: 1,74 ± 0,51 mmol/L) und Parathormon (Kontrolle: 362,00 ng/L; KA: 236,00 ng/L) unterschieden sich nicht signifikant.

Entzündungsparameter und Lipidprofile
hsCRP (Kontrolle: 2,04 mg/L; KA: 3,35 mg/L), LDL-Cholesterin (Kontrolle: 2,52 ± 0,79 mmol/L; KA: 2,30 ± 0,75 mmol/L) und Lipoprotein(a) (Kontrolle: 133,50 mg/L; KA: 150,00 mg/L) waren vergleichbar.

Bioelektrische Impedanzanalyse
BIA-Parameter (LTM: Kontrolle 35,60 ± 10,28 kg; KA 32,76 ± 8,82 kg; ATM: Kontrolle 28,86 ± 11,41 kg; KA 32,09 ± 11,48 kg; Körperzellmasse: Kontrolle 19,31 ± 7,10 kg; KA 17,31 ± 5,78 kg) blieben unverändert.

Aminosäurenprofile
Das Verhältnis essenzielle/nicht-essenzielle Aminosäuren unterschied sich nicht signifikant (Baseline: Kontrolle 0,73; KA 0,76; nach 3 Monaten: Kontrolle 0,81; KA 0,65; nach 6 Monaten: Kontrolle 0,77; KA 0,71).

Diskussion
Die Studie zeigte, dass chinesische MHD-Patienten mit einer DPI von 0,9 g/kg/Tag und TEI von ≈28 kcal/kg/Tag über 6 Monate einen stabilen Ernährungsstatus aufrechterhielten. KA-Supplemente führten zu keiner signifikanten Verbesserung der untersuchten Parameter. Dies deutet darauf hin, dass die aktuellen Leitlinienempfehlungen möglicherweise nicht universell anwendbar sind, insbesondere für asiatische Populationen.

Das Fehlen eines KA-Effekts könnte auf die niedrige Dosierung, kurze Studiendauer oder kleine Stichprobengröße zurückzuführen sein. Die unveränderten Aminosäurenprofile und Entzündungsmarker legen nahe, dass KA in dieser Dosierung keine metabolischen oder entzündlichen Prozesse beeinflussen.

Limitationen
Einschränkungen umfassen die kleine Stichprobengröße, kurze Nachbeobachtungszeit und mögliche Ungenauigkeiten der 3-Tage-Ernährungstagebücher. Die Restnierenfunktion wurde nicht evaluiert.

Schlussfolgerung
Zusammenfassend führte die zusätzliche Gabe von KA (0,1 g/kg/Tag) bei chinesischen MHD-Patienten zu keinen signifikanten Verbesserungen des Ernährungsstatus oder der Körperzusammensetzung. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit individueller Ernährungsempfehlungen unter Berücksichtigung ethnischer und soziokultureller Faktoren. Weitere Studien mit größeren Kohorten und längerer Dauer sind erforderlich.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000578

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