Ein Ausbruch von humanem Astrovirus Linie 1b an einer Mittelschule in Guangxi, Südchina, im Jahr 2017
Zusammenfassung
Humane Astroviren (HAstV) sind bedeutende Erreger viraler Gastroenteritiden weltweit, insbesondere bei pädiatrischen Patienten unter fünf Jahren. Ausbrüche in Mittelschulen sind jedoch selten. Dieser Artikel beschreibt einen HAstV-Linie-1b-Ausbruch an einer Mittelschule in Guangxi, Südchina, 2017. Betroffen waren 125 Jugendliche (12–17 Jahre) mit Symptomen wie Fieber (99,2%), Bauchschmerzen (40,8%), Diarrhö (35,2%) und Erbrechen (6,4%). Phylogenetische Analysen identifizierten HAstV 1b mit 100%iger Nukleotididentität im Kapsidprotein-Gen (GenBank: MH643741). Der Ausbruch unterstreicht die Notwendigkeit verbesserter Hygienemaßnahmen in Schulsettings.
Hintergrund
HAstV-Infektionen manifestieren sich typischerweise als akute Gastroenteritis. Während Ausbrüche in Kindergärten und Krankenhäusern dokumentiert sind, sind Berichte über Ausbrüche bei Jugendlichen begrenzt. Dieser Ausbruch zeigt die klinische und epidemiologische Komplexität von HAstV in nicht-pädiatrischen Populationen.
Methoden
Fallidentifikation und Probenahme: Der Ausbruch wurde erstmals am 7. November 2017 gemeldet. Insgesamt wurden 125 Fälle erfasst. Zwei Probenahmezyklen erfolgten:
- Respiratorische Proben (19 Rachenabstriche) wurden auf Influenzaviren, Adenoviren, Parainfluenzaviren und andere respiratorische Erreger mittels Echtzeit-RT-PCR getestet.
- Gastrointestinale Proben (30 klinische Proben von Schülern, Kantinenmitarbeitern und Umweltproben) wurden auf Rotavirus, HAstV, Norovirus und Adenovirus untersucht.
Genetische Charakterisierung: Eine 449-bp-Region des Kapsidprotein-Gens wurde amplifiziert (Primer Mon269/Mon270) und sequenziert. Phylogenetische Analysen erfolgten mittels MEGA7 (Nachbarschaftsverbindungsmethode).
Ergebnisse
Epidemiologie: Der Ausbruch wies zwei Gipfel auf:
- Erster Gipfel (9.–10. November): 67 Fälle, wahrscheinlich durch eine gemeinsame Expositionsquelle.
- Zweiter Gipfel (15.–18. November): 35 Fälle, vermutlich durch Mensch-zu-Mensch-Übertragung.
Klinische Manifestationen: Neben gastrointestinalen Symptomen traten grippeähnliche Symptome wie Kopfschmerzen (48,0%), Husten (16,0%) und Schüttelfrost (16,0%) auf. Drei Patienten wurden hospitalisiert; alle erholten sich vollständig.
Laborbefunde:
- In respiratorischen Proben wurden Rhinovirus (3/19) und Adenovirus (1/19) nachgewiesen.
- In gastrointestinalen Proben testeten 13/30 auf HAstV positiv, darunter 6 Schüler, 6 Kantinenmitarbeiter und eine Küchenbrett-Probe.
Phylogenetische Analyse: Der Stamm 0631/Wuzhou/Guangxi/2017 zeigte 100%ige Übereinstimmung mit HAstV-1b-Stämmen aus China (post-2015).
Diskussion
Dieser Ausbruch illustriert das Potenzial von HAstV, nicht nur bei Kleinkindern, sondern auch bei Jugendlichen schwere Erkrankungen auszulösen. Die Kombination aus gastroenteritischen und respiratorischen Symptomen erschwerte die initiale Diagnose. Die Nachweise in Kantinenproben deuten auf kontaminierte Lebensmittel oder Oberflächen als Übertragungsweg hin.
Limitierungen:
- Fehlende asymptomatische Kontrollgruppen.
- Unzureichende Testung auf bakterielle Erreger.
Schlussfolgerung
Der Ausbruch unterstreicht die Bedeutung von HAstV als Ursache akuter Gastroenteritiden bei Jugendlichen. Schulhygieneprotokolle sollten optimiert werden, um ähnliche Ausbrüche zu verhindern. Weitere Forschung zur Epidemiologie von HAstV in nicht-pädiatrischen Populationen ist erforderlich.
Interessenkonflikte
Keine erklärt.
Danksagung
Die Autoren danken dem Guangxi CDC für die technische Unterstützung.
Referenz
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000072