Ein Fall von akutem zerebralem Infarkt verursacht durch ein Myxom des linken Vorhofs
Einleitung
Dieser Fallbericht beschreibt einen 42-jährigen männlichen Patienten mit einem akuten zerebralen Infarkt infolge eines linksatrialen Myxoms. Der Krankheitsverlauf von den initialen Symptomen bis zur Diagnose und Therapie bietet wichtige Einblicke in diese seltene, aber klinisch relevante Erkrankung. Der Fall unterstreicht die Bedeutung kardialer Emboliequellen bei jungen Patienten mit schlaganfallähnlicher Symptomatik, auch ohne offensichtliche kardiale Manifestationen.
Präsentation des Patienten und initiales Management
Der 1,78 m große und 70 kg schwere Patient stellte sich am 4. Juli 2018 in der Notaufnahme mit 5-tägiger Anamnese von Schwindel und linksseitiger Schwäche vor. Die Symptome traten erstmals während einer intensiven Surfaktivität in Sanya (Südchina) auf, begleitet von Übelkeit und Erbrechen. Im Verlauf entwickelten sich eine linksseitige Hemiparese mit Schwierigkeiten beim Anheben des linken Arms und unsicherem Gang. Bewusstseinsverlust oder Synkopen wurden verneint.
Die initiale Untersuchung in einem lokalen Krankenhaus zeigte eine Hypotension (90/60 mmHg) bei normwertiger Blutglukose (5,0 mmol/l). Unter Therapie mit Glukose, Vitamin C und Kaliumchlorid besserte sich die Symptomatik leicht. Zur weiteren Abklärung suchte der Patient später die Dongzhimen-Klinik in Beijing auf.
Diagnostische Abklärung und Befunde
Eine kranielle MRT mit diffusionsgewichteter Bildgebung (DWI) zeigte multiple akute und subakute Infarkte in bilateralen Frontallappen, rechtem Parietallappen, lateralem Ventrikel, Basalganglien, Thalamus und temporoparietalem Bereich, was zur Diagnose eines akuten zerebralen Infarkts führte.
Die körperliche Untersuchung in Beijing ergab stabile Vitalparameter (36,3°C, Puls 76/min, Blutdruck 124/78 mmHg, SpO₂ 97%). Neurologisch zeigten sich eine linksseitige Kraftminderung (Grad IV) bei erhaltener Muskeltonus und positivem Paresetest. Die Herzauskultation war unauffällig ohne pathologische Geräusche.
Das 24-Stunden-EKG dokumentierte einen Sinusrhythmus mit ventrikulären Extrasystolen. Die Echokardiographie offenbarte eine Vorhofvergrößerung links und ein linksatriales Myxoma. Serologisch fiel ein positiver Syphilis-spezifischer Antikörper (TP) mit einem Titer von 4,75 auf.
Anamnese und Risikofaktoren
In der Eigenanamnese waren eine Cholezystektomie vor 7 Jahren sowie eine Adipositas (BMI 30 bei 95 kg Körpergewicht) vor 4 Jahren relevant. Durch Diät und Lauftraining hatte der Patient sein Gewicht auf 70 kg reduziert (BMI 22). Familienanamnestisch bestanden keine kardiovaskulären Erkrankungen.
Therapie und Outcome
Nach Diagnose eines kardiogen embolischen Infarkts bei linksatrialem Myxoma erfolgte im August 2018 die erfolgreiche Myxomresektion am FuWai-Hospital. Die histopathologische Aufarbeitung bestätigte ein Myxom ohne Infiltration des Herzstiels. Bei der Nachuntersuchung war der Patient neurologisch vollständig remittiert.
Diskussion
Kardiale Myxome (KM) stellen mit >50 % die häufigsten primären Herztumoren dar. Bei jungen Schlaganfallpatienten verursachen sie etwa 2 % der zerebralen Infarkte, wobei embolische Ereignisse häufig vor kardialen Symptomen auftreten (55,6 % der Fälle). Die Tumorgenese involviert mutmaßlich primitive mesenchymale Stammzellen mit multidirektionalem Differenzierungspotenzial.
Interessant ist der zeitliche Zusammenhang mit intensiver körperlicher Aktivität, die möglicherweise zur Embolisation beitrug. Die serologische Syphilis-Relevanz bleibt unklar, da keine Literatur zu einer Assoziation mit KM existiert. Der Gewichtsverlust des Patienten (von BMI 30 auf 22) wirft Fragen zur Auswirkung rascher Gewichtsreduktion auf die kardiovaskuläre Vulnerabilität auf.
Klinische Implikationen
- Kardiale Emboliequellen sollten bei jungen Schlaganfallpatienten stets erwogen werden.
- Die Echokardiographie ist unverzichtbarer Bestandteil der Infarktabklärung.
- Körperliche Anstrengung kann bei kardialen Tumoren embolische Ereignisse triggern.
- Weitere Forschung zu möglichen Interaktionen zwischen KM, Syphilis und metabolischen Faktoren ist notwendig.
Zusammenfassung
Dieser Fall unterstreicht die diagnostische Herausforderung bei Myxomen mit primär neurologischer Symptomatik. Die erfolgreiche chirurgische Therapie zeigt die Bedeutung rascher Diagnostik und interventioneller Konsequenz. Ungeklärte Assoziationen zu Syphilis und Gewichtsverlust bedürfen weiterer Untersuchungen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000111