Ein neuartiges Nomogramm verbessert die Genauigkeit der Vorhersage des biochemischen Rezidivs nach radikaler Prostatektomie
Prostatakrebs bleibt eine der häufigsten Krebserkrankungen und die zweithäufigste Ursache krebsbedingter Mortalität bei Männern. Die radikale Prostatektomie (RP) ist eine Standardtherapie für lokalisierten Prostatakrebs. Allerdings entwickeln 20–30 % der Patienten ein biochemisches Rezidiv (BCR) nach RP, definiert als ein postoperativer prostate-spezifischer Antigen (PSA)-Wert über 0,20 ng/mL in zwei aufeinanderfolgenden Messungen. Die präzise Vorhersage von BCR ist entscheidend für die postoperative Nachsorge und die Entscheidung über adjuvante Therapien.
Bisherige Vorhersagemodelle nutzen klinische und pathologische Parameter wie präoperatives PSA, Gleason-Score, Tumorstadium, Resektionsrandstatus (SM), extrakapsuläre Ausdehnung (ECE), Samenblaseninvasion (SVI) und Lymphknotenbefall (LNI). Der CAPRA-S-Score ist ein etabliertes Werkzeug mit guter Diskriminationsfähigkeit. Allerdings berücksichtigen nur wenige Modelle die maximale Tumordurchmesser (MTD) in der Magnetresonanztomographie (MRT) oder das postoperative PSA-Nadir, obwohl deren prognostischer Wert belegt ist.
In dieser retrospektiven Studie wurden Daten von 337 RP-Patienten des Peking University Third Hospital (Januar 2010–März 2017) analysiert. Ausgeschlossen wurden Patienten mit neoadjuvanter Therapie, vorheriger transurethraler Resektion, nicht erkennbaren Läsionen im MRT, Nicht-Adenokarzinomen oder unvollständigen Nachsorgedaten. Die MTD wurde als größter Durchmesser der Indexläsion in axialen T2-gewichteten MRT-Bildern definiert. Das PSA-Nadir wurde als niedrigster PSA-Wert innerhalb der ersten beiden Nachsorgeuntersuchungen ohne adjuvante Therapie erfasst.
In univariablen und multivariablen Cox-Regressionsmodellen erwiesen sich PSA-Nadir und MTD als unabhängige Prädiktoren für BCR. Patienten mit nachweisbarem PSA-Nadir (≥0,01 ng/mL) zeigten ein signifikant kürzeres BCR-freies Überleben (BCRFS) als solche mit undetektierbarem PSA-Nadir (<0,01 ng/mL). Eine MTD >2,9 cm war ebenfalls mit kürzerem BCRFS verbunden. Die Kombination beider Faktoren stratifizierte Patienten in Risikogruppen, wobei die Gruppe mit beiden Risikofaktoren das kürzeste BCRFS aufwies.
Das entwickelte Nomogramm integriert PSA-Nadir, MTD, Gleason-Score, SM-Status und SVI. Es erreichte einen C-Index von 0,76, verglichen mit 0,70 für den CAPRA-S-Score in der Studienkohorte. Kalibrierungsplots zeigten eine gute Übereinstimmung zwischen vorhergesagten und beobachteten BCRFS-Raten nach 3 und 5 Jahren. Zeitabhängige ROC-Kurven und Entscheidungskurvenanalysen bestätigten die überlegene Vorhersagegenauigkeit gegenüber dem CAPRA-S-Score und einem Basisomodell ohne PSA-Nadir und MTD.
Einschränkungen umfassen das retrospektive Design, die begrenzte Stichprobengröße, fehlende externe Validierung und die kurze Nachbeobachtungszeit für Gesamtüberlebensanalysen. Prospektive Studien mit größeren Kohorten und längeren Follow-up-Zeiten sind notwendig.
Zusammenfassend unterstreicht diese Studie die prognostische Relevanz von PSA-Nadir und MTD. Das neue Nomogramm bietet eine präzisere Risikostratifizierung und verbessert das postoperative Management von Prostatakrebspatienten, insbesondere zur Identifikation hochriskanter Patienten, die von intensivierter Nachsorge oder adjuvanten Therapien profitieren könnten.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001607