Eine Dandy – Walker – Malformation in Assoziation mit einem Gangliogliom

Eine Dandy-Walker-Malformation in Assoziation mit einem Gangliogliom

Die Dandy-Walker-Malformation (DWM) ist eine seltene kongenitale Fehlbildung der Hinterhauptgrube, die durch eine Triade neuroradiologischer Befunde gekennzeichnet ist: vollständige oder partielle Agenesie des Kleinhirnwurms, zystische Erweiterung des vierten Ventrikels und Vergrößerung der hinteren Schädelgrube. Die Erstbeschreibung erfolgte 1914 durch Dandy und Blackfan. Mit einer Inzidenz von etwa 1:25.000 bis 30.000 Lebendgeburten handelt es sich um die häufigste kongenitale Kleinhirnfehlbildung. Die Diagnose basiert primär auf den charakteristischen bildgebenden Befunden in Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT). Obgleich die DWM häufig mit weiteren kongenitalen Anomalien oder zytogenetischen Aberrationen assoziiert ist, bleibt eine Koexistenz mit Neoplasien außergewöhnlich selten. Dieser Fallbericht beschreibt eine seltene Kombination von DWM mit einem Gangliogliom, einem niedriggradigen Tumorentität des Zentralnervensystems (ZNS).

Der Patient war ein 6-jähriger Junge mit einer dreimonatigen Anamnese rezidivierender Kopfschmerzen. Begleitsymptome wie Schwindel, Übelkeit, Erbrechen oder Paresen wurden verneint. Die neurologische Untersuchung zeigte unauffällige Sehfunktion, Muskelkraft und -tonus. Laborchemisch fielen ein erhöhtes C-reaktives Protein (21,7 mg/L), Hyperglykämie (7,6 mmol/L) sowie erniedrigte Serumspiegel von Albumin (39,6 g/L), Kalium (3,5 mmol/L), Natrium (136,5 mmol/L) und Phosphat (1,4 mmol/L) auf. Die zytologische Liquoruntersuchung war unauffällig. Bildgebend zeigten CT und MRT eine DWM-Variante sowie eine rundliche Weichteilformation suprasellär mit inhomogener Dichte. Die Läsion reichte bis zum Interpedunkularzisternenbereich; die Grenze zum rechten Gyrus parahippocampalis war unscharf.

Nach stereotaktischer Hypothalamusbiopsie ergab die histopathologische Aufarbeitung ein Gangliogliom mit proliferierenden Gliazellen, reifen und unreifen Ganglienzellen sowie Gefäßproliferationen. Immunhistochemisch exprimierten die Tumorzellen Glial Fibrillary Acidic Protein (GFAP), Olig-2, Neuron-spezifische Nuklearenolase (NeuN) und CD34. Mutationen in BRAF V600E, p53, IDH1 R132H und H3K27M wurden ausgeschlossen. Die Diagnose lautete auf ein WHO-Grad-I-Gangliogliom bei DWM.

Trotz neurochirurgischer Evaluierung erfolgte keine Resektion oder adjuvante Therapie, sondern klinisch-radiologische Verlaufskontrolle. Nach sechs Monaten zeigten Kontroll-CT und MRT keine Progression; die Kopfschmerzen waren remittiert. Dieser Fall unterstreicht die Rarität der DWM-Gangliogliom-Assoziation und legt potenzielle pathogenetische Zusammenhänge nahe.

Die Ätiologie der DWM bleibt unklar, jedoch wird ein Entwicklungsarrest des Rhombenzephalons vor der 12. Gestationswoche diskutiert. Genetische Faktoren wie Störungen des Sonic-Hedgehog(Shh)-Signalwegs sowie Mutationen in ZIC1, ZIC4, FGF8 und FGF17 wurden postuliert. Im vorliegenden Fall konnten mittels Next-Generation-Sequenzierung keine pathologischen Molekularalterationen identifiziert werden.

Bei 70–90% der DWM-Patienten entwickelt sich eine supratentorielle Hydrozephalus, häufigste Komplikation der Fehlbildung. Assoziierte Konditionen umfassen Nephroblastom, Zungenhamartome und kavernöse Angiome. Ein Zusammentreffen mit ZNS-Gliomen wurde bisher nicht systematisch erfasst, was diesen Fall exemplarisch hervorhebt.

Differentialdiagnostisch sind Joubert-Syndrom, Mega Cisterna Magna, Blake-Pouch-Zyste, isolierte Vermishypoplasie, Arachnoidalzysten und Kleinhirnhypoplasien abzugrenzen. Therapeutisch stehen Shunt-Systeme (ventrikuloperitoneal, zystoperitoneal), Membranexzision oder endoskopische Verfahren im Vordergrund. Die Prognose variiert erheblich – von lebenslanger Asymptomatik bis hin zu letalen Komplikationen bei Syndromassoziation.

Im beschriebenen Fall rechtfertigte der niedrigmaligne Tumorcharakter und fehlende Progression ein konservatives Management. Dies unterstreicht die Notwendigkeit individueller Therapieansätze. Die Koinzidenz von DWM und Gangliogliom wirft Fragen zu gemeinsamen Pathomechanismen auf. Zukünftige Forschung könnte molekulare Zusammenhänge klären und therapiestrategische Implikationen generieren.

Zusammenfassend illustriert dieser Bericht eine seltene DWM-Gangliogliom-Assoziation und betont die Bedeutung umfassender Diagnostik sowie personalisierter Therapieplanung. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um potentielle pathogenetische Schnittstellen zu identifizieren und die klinische Versorgung zu optimieren.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000457

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