Eine gutartige Läsion, die dem Mammakarzinom ähnelt

Eine gutartige Läsion, die dem Mammakarzinom ähnelt

Brusterkrankungen, die Malignome imitieren, stellen in der klinischen Praxis eine erhebliche diagnostische Herausforderung dar. Dieser Fallbericht beschreibt eine 60-jährige Frau, die sich mit einer schmerzlosen, inaktiven kleinen Raumforderung in der linken Brust vorstellte. Die Läsion wurde aufgrund ihrer makroskopischen und histologischen Merkmale initial als Mammakarzinom verdächtigt. Durch detaillierte pathologische Untersuchungen, Immunhistochemie und molekulare Analysen konnte die Läsion jedoch letztlich als radiale sklerosierende Läsion (RSL) diagnostiziert werden – eine gutartige Entität, die dem Mammakarzinom stark ähnelt.

Die Patientin wies keine relevante Vorerkrankungen auf und berichtete über keine weiteren Symptome. Ein B-Ultraschall zeigte einen runden hypoechogenen Knoten in der linken Brust mit struktureller Verzerrung. Aufgrund der suspekten Bildgebung erfolgte eine Lumpektomie, und das exzidierte Gewebe wurde mittels Schnellschnittuntersuchung histologisch aufgearbeitet.

Makroskopisch maß der Knoten 1,0 cm × 1,0 cm × 0,6 cm, zeigte eine grau-gelbe Schnittfläche mit fester Textur. Im Innern fanden sich dicht angeordnete, feine weißliche sternförmige Fasern sowie radiär auslaufende Randbereiche. Das Läsionsniveau lag deutlich unterhalb des umgebenden Brustgewebes. Eine 5 mm dicke Gewebeprobe wurde für die Gefrierschnittuntersuchung mit Hämatoxylin-Eosin (HE)-Färbung präpariert.

Mikroskopisch zeigte die Läsion ein radiäres sternförmiges Muster mit zentraler fibrotischer Narbe. Die darin eingebetteten Milchgänge waren komprimiert und von proliferierenden Zellen umgeben. Die angrenzenden Drüsenstrukturen wiesen unterschiedliche proliferative Aktivität auf, radiär angeordnet und graduell in normales Gewebe übergehend. Hochauflösende Mikroskopie bestätigte myoepitheliale Zellen um die hyperplastischen duktalen Epithelzellen. Der Nachweis dieser Zellen war entscheidend, da ihr Fehlen ein Kennzeichen invasiver Karzinome ist. Auf Basis dieser Befunde wurde die Läsion als RSL klassifiziert.

Die konventionelle Histopathologie bestätigte die Gefrierschnittdiagnose. Die Läsion enthielt verdrehte Drüsen und hyperplastische Epithelnester innerhalb sklerotischen Stromas. Radiär angeordnete Milchgänge und Lobuli umgaben den Herd. Zusätzlich wurden apokrine glanduläre Metaplasien sowie vereinzelte Kalziumablagerungen in den Drüsenlichtungen beobachtet.

Zur weiteren Charakterisierung erfolgte eine immunhistochemische Analyse: Zytokeratin 5/6 (CK5/6) zeigte eine fleckförmige Expression in den proliferierenden Zellen, was auf basalähnliche Zellen hindeutete. Die Positivität von P63 und Calponin unterstrich die Anwesenheit myoepithelialer Zellen und damit die Gutartigkeit. Molekulargenetisch wurde mittels Sequenzierung des Phosphatidylinositol-3-Kinase (PIK3CA)-Gens in 8 mm dicken Paraffinschnitten keine Mutation nachgewiesen.

Die Patientin war nach der Lumpektomie beschwerdefrei. Die endgültige Diagnose bestätigte eine RSL. Radiale sklerosierende Läsionen gehören zum Spektrum benigner sklerosierender Brustveränderungen, einschließlich radialer Narben und komplexer sklerosierender Adenosen. Trotz ihrer Gutartigkeit können RSL radiologisch und histologisch Karzinome imitieren, weshalb eine exakte Diagnosestellung essenziell ist.

RSL sind selten, aber mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko assoziiert. Risikofaktoren umfassen ein Alter über 50 Jahre und Läsionen >4 mm, insbesondere bei atypischer duktaler epithelialer Hyperplasie. Letztere, besonders bei Fehlen myoepithelialer Zellen, gilt als Vorstufe invasiver Karzinome. Der Nachweis dieser Zellen war hier ausschlaggebend für die Abgrenzung zur Malignität.

Studien von Wilsher et al. deuten darauf hin, dass RSL neoplastische Vorläuferläsionen niedriggradiger adenosquamöser Karzinome (LGASC) sein könnten. Sie beschrieben ein morphologisches Kontinuum zwischen benignen RSL und LGASC, wobei Letztere ausgedehntere Läsionen mit prominentem Stroma aufweisen.

PIK3CA-Mutationen finden sich in 25–30 % invasiver Mammakarzinome. Interessanterweise wurden solche Mutationen auch in RSL nachgewiesen: Wilsher et al. identifizierten sie in 77 % der Fälle, Wolters et al. in 63,6 %. Das Fehlen einer Mutation in diesem Fall unterstreicht die molekulare Heterogenität von RSL und den Bedarf weiterer Forschung zu ihrer Pathogenese.

Zusammenfassend betont dieser Fallbericht die Schwierigkeiten bei der Differenzialdiagnose malignomimischer Brustläsionen. RSL erfordern eine Kombination aus Histopathologie, Immunhistochemie und Molekularbiologie zur sicheren Abgrenzung. Myoepitheliale Zellen sind hierbei ein Schlüsselmerkmal. Weitere Studien sind notwendig, um die Rolle von RSL als mögliche Krebsvorstufen zu klären.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000041

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