Einfluss des Fingerlängenverhältnisses auf kontaktthermisch evozierte Potentiale in China
Kontaktthermisch evozierte Potentiale (CHEPs) haben sich als wichtiges elektrophysiologisches Diagnoseinstrument für die kleinfaserige Neuropathie etabliert, eine Erkrankung, die durch die Beteiligung myelinisierter Aδ- und nicht-myelinisierter C-Fasern bei verschiedenen Ätiologien gekennzeichnet ist. CHEPs werden von mehreren Faktoren beeinflusst, darunter Geschlecht, Alter und Körpergröße. Der Einfluss des Verhältnisses der zweiten zur vierten Fingerlänge (2D:4D) auf CHEP-Parameter wurde jedoch bisher nicht untersucht. Das Fingerlängenverhältnis, definiert als die Länge des Zeigefingers geteilt durch die Länge des Ringfingers, ist bei Männern typischerweise kleiner als bei Frauen. Diese Studie zielte darauf ab, den Einfluss des 2D:4D-Verhältnisses auf CHEPs zu erforschen und das Verständnis sowie die Methodik von CHEPs zu verbessern.
Es wurden gesunde Teilnehmer rekrutiert, die neurologische Untersuchungen, Labortests und Nervenleitgeschwindigkeitsuntersuchungen (NCS) der bilateralen Medianus-, Ulnaris-, Tibialis-, Fibularis- und Suralnerven durchliefen. Die Einschlusskriterien sind im ergänzenden Material beschrieben. Das 2D:4D-Verhältnis wurde durch Messung der Fingerlänge von der untersten Falte bis zur Spitze auf der palmaren Oberfläche bestimmt.
CHEPs wurden an vier Stellen durchgeführt: Unterarm (FA), Bein (LE), siebter Halswirbel (C7) und zwölfter Brustwirbel (T12). Die FA-Stelle lag am oberen Rand des distalen Drittels der ventralen Unterarme, LE oberhalb des lateralen Malleolus am distalen Drittel des rechten Beins. C7 und T12 befanden sich an den Dornfortsätzen der jeweiligen Wirbel. Pro Bedingung wurden zehn Reize mit einem Interstimulusintervall von 10–18 Sekunden appliziert. Die N2-Latenz, P2-Latenz und N2-P2-Amplitude wurden von zwei unabhängigen Klinikern ermittelt.
Die statistische Analyse erfolgte mit SPSS 19.0. Zusammenhänge zwischen CHEP-Parametern und 2D:4D-Verhältnis, Alter, Geschlecht und Körpergröße wurden mittels linearer Regression analysiert. Ein zweiseitiger p-Wert <0,05 galt als signifikant. Die Studie umfasste 137 Teilnehmer (72 Männer) mit einem Durchschnittsalter von 34 ± 14 Jahren.
Die N2-Latenz am rechten FA korrelierte mit Alter, Körpergröße und rechtsseitigem 2D:4D-Verhältnis (Regressionsgleichung: Y = -42,354 + 0,720 Alter + 0,796 Körpergröße + 237,795 2D:4D rechts; p <0,05). Die P2-Latenz am rechten FA korrelierte mit dem rechtsseitigen 2D:4D-Verhältnis (Y = 13,583 + 447,915 2D:4D rechts). Die N2-P2-Amplitude am rechten FA korrelierte invers mit dem Alter (Y = 191,771 – 0,904 * Alter).
Am linken FA korrelierte die N2-Latenz mit dem Alter (Y = -428,714 + 1,192 Alter) und die P2-Latenz mit dem linksseitigen 2D:4D-Verhältnis (Y = -739,764 + 1236,292 2D:4D links). Bei C7 und T12 korrelierten N2- und P2-Latenzen positiv mit dem Alter (C7-N2: Y = -203,837 + 8,980 Alter; C7-P2: Y = -246,253 + 9,689 Alter; T12-N2: Y = -221,157 + 9,927 Alter; T12-P2: Y = -276,103 + 12,502 Alter). Ähnliche Alterskorrelationen zeigten sich am LE (N2: Y = -309,588 + 13,181 Alter; P2: Y = -354,242 + 15,375 Alter). Die N2-P2-Amplituden an FA links, C7, T12 und LE zeigten keine Zusammenhänge mit den untersuchten Variablen.
Das 2D:4D-Verhältnis reflektiert pränatale Testosteron- und Östrogenspiegel und ist mit Erkrankungen wie Migräne assoziiert. In dieser Studie korrelierten die CHEP-Latenzen an FA mit dem 2D:4D-Verhältnis, nicht jedoch mit dem Geschlecht. Dies könnte darauf hinweisen, dass das 2D:4D-Verhältnis primär durch fetale Hormone geprägt wird, während der Zusammenhang mit adulten Hormonwerten unklar bleibt.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das 2D:4D-Verhältnis ein geschlechtsunabhängiger Einflussfaktor auf CHEPs ist. Weitere Studien mit größeren Stichproben sind erforderlich, um die Mechanismen zu klären. Diese Arbeit trägt zur Verbesserung der CHEP-basierten Diagnostik kleinfaseriger Neuropathien bei.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001868