Einfluss des Zwischenraums zwischen der Titanplatte einer Zero-Profile-Cage und der Wirbelkörperendplatte auf den Fusionsprozess bei der anterioren zervikalen Diskektomie und Fusion
Die anteriore zervikale Diskektomie und Fusion (ACDF) gilt als chirurgischer Goldstandard bei Patienten mit zervikaler spondylotischer Myelopathie, wenn konservative Therapien versagen. Unter den verwendeten Implantaten hat sich das Zero-Profile-Stand-Alone-Implantat (Zero-P; Synthes GmbH) aufgrund seines Designs ohne zusätzliche anteriore Platte und des reduzierten Risikos für Dysphagie und Weichteilirritationen etabliert. Dennoch bleiben die Positionierung des Implantats im Bandscheibenraum und der Kontakt zur Wirbelkörperendplatte entscheidende Faktoren für klinische und radiologische Ergebnisse. Diese Studie untersucht den Einfluss des Zwischenraums zwischen der Titanplatte des Zero-P-Implantats und der Endplatte (TPE-Zwischenraum) auf den Fusionsprozess und die Erhaltung der zervikalen Ausrichtung.
Methodik
Retrospektiv wurden 80 Patienten analysiert, die zwischen 2011 und 2018 eine einsegmentige ACDF mit Zero-P-Implantaten erhielten. Die Patienten wurden anhand postoperativer Röntgenbilder in zwei Gruppen eingeteilt: Gruppe A (41 Patienten) mit TPE-Zwischenraum und Gruppe B (39 Patienten) ohne TPE-Zwischenraum. In Gruppe A erfolgte ein übermäßiges Abtragen der Endplatten zur Erleichterung der Implantatinsertion, während in Gruppe B die Endplatten intakt blieben. Alle Eingriffe wurden über den klassischen Cloward-Zugang durch denselben Chirurgen durchgeführt.
Klinische Parameter (JOA-Score, NDI, VAS) und radiologische Messungen (Cobb-Winkel der Gesamthalswirbelsäule [Cobb C], segmentaler Cobb-Winkel [Cobb S], Bandscheibenhöhe [IDH]) wurden präoperativ, postoperativ und bei Nachuntersuchungen (3, 6, 12 Monate, jährlich) erfasst. Die Fusion wurde radiologisch und computertomografisch bewertet.
Ergebnisse
Beide Gruppen zeigten signifikante Verbesserungen der JOA-, NDI- und VAS-Werte ohne Unterschiede zwischen den Gruppen. Radiologisch wies Gruppe A im letzten Follow-up signifikant niedrigere Cobb-C- (p = 0,042) und IDH-Werte (p < 0,0001) auf. Cobb S war in Gruppe A ebenfalls reduziert, jedoch nicht signifikant (p = 0,101). Der Fusionsprozess verlief in Gruppe A schneller (p < 0,0001), bedingt durch den verstärkten Kontakt der PEEK-Cage mit den Endplatten. Die Gesamtfusionsrate unterschied sich nicht (Gruppe A: 97,6 %; Gruppe B: 94,9 %; p = 0,965).
Diskussion
Der TPE-Zwischenraum begünstigt zwar die Fusion durch erhöhten Druck auf die Cage-Hinterkante, schwächt jedoch die Stützfunktion der Titanplatte, was zu einer schlechteren Erhaltung der zervikalen Ausrichtung führt. Die Positionierung der Titanplatte entlang der anterioren Wirbelkortexlinie ist entscheidend, da die vordere Endplattenkante eine höhere mechanische Stabilität bietet. In Gruppe A führte das Fehlen des Titanplatten-Endplatten-Kontakts zu einem progressiven Verlust von Cobb C und IDH.
Schlussfolgerung
Ein TPE-Zwischenraum kann den Fusionsprozess beschleunigen, beeinträchtigt jedoch langfristig die zervikale Statik. Klinisch relevante Unterschiede zwischen den Gruppen fehlten, sodass der TPE-Zwischenraum die Prognose nicht wesentlich beeinflusst. Chirurgen sollten den Kompromiss zwischen schnellerer Fusion und reduzierter Ausrichtungsstabilität individuell abwägen.
Schlüsselwörter
Zero-Profile-Implantat, ACDF, zervikale Fusion, TPE-Zwischenraum, Cobb-Winkel
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001129