Einfluss von Pankreas- und Gallengangsstents auf Komplikationen nach endoskopischer Papillektomie: Eine retrospektive Monozenter-Studie
Hintergrund und Rationale
Ampulläre Tumoren sind mit einer Prävalenz von 0,04–0,12% in Autopsiestudien selten und machen etwa 5% aller gastrointestinalen Tumoren aus. Durch die Verbreitung von Endoskopie und ERCP hat sich die Detektionsrate erhöht. Die endoskopische Papillektomie (EP) ist die First-Line-Therapie aufgrund ihrer Minimalinvasivität, jedoch mit Komplikationsraten von 6,1–58,3%, insbesondere Pankreatitis (3,8–33%) und Blutung. Prophylaktische Stentplatzierung in Pankreas- und/oder Gallengang wird zur Risikominderung eingesetzt, deren Wirksamkeit jedoch unklar bleibt.
Studienziele
Evaluierung der prophylaktischen Stentwirkung auf post-EP-Komplikationen sowie Identifikation von Risikofaktoren.
Methoden
Patientenkollektiv
Retrospektiv wurden 117 EP-Patienten (2006–2022) des Chinesischen PLA-Allgemeinkrankenhauses eingeschlossen. Ausschlusskriterien: Vorbehandlung, fehlende Stentplatzierung oder neuartige Wundschutztechniken. Gruppierung: Pankreasstent (PS-Gruppe, n=47), Gallenstent (BS-Gruppe, n=38), Dual-Stent (PBS-Gruppe, n=32).
Prozedurale Durchführung
Die EP erfolgte unter intravenöser Anästhesie mit Hochfrequenzgenerator, Argon-Plasma-Koagulation (APC) und CO₂-Insufflation. Bei Bedarf submuköse Epinephrin-Injektion, en-bloc- oder Piecemeal-Resektion. Stentplatzierung und endoskopische Sphinkterotomie erfolgten nach Ermessen des Endoskopikers.
Postprozedurales Management
Therapeutisches Fasten, Protonenpumpenhemmer, Antibiotika und Somatostatin für 1–3 Tage. Stententfernung innerhalb von 3 Monaten bei fehlender Stenose. Endoskopische Nachsorge über 5 Jahre.
Ergebnisse
Patientencharakteristika
Mediane Tumorgröße: 1,5 cm; en-bloc-Resektion bei 84,6%, R0-Resektion bei 70,9%. Signifikante Unterschiede zwischen Gruppen bei Sphinkterotomie, Clipseinsatz, Tumorgröße und Prozedurdauer.
Komplikationen
Gesamtkomplikationsrate: 37,6%. Pankreatitis: 14,5% (PS: 10,6%; BS: 23,7%; PBS: 9,4%; p>0,05). Blutung: 17,9%. Keine signifikanten Unterschiede zwischen Gruppen.
Risikofaktorenanalyse
- Pankreatitis: Höheres Alter protektiv (OR: 0,95; 95%-KI: 0,91–0,99; p=0,022).
- Blutung: Größere Tumoren (OR: 1,66; 95%-KI: 1,06–2,60; p=0,028).
Diskussion
Die Studie zeigt keine Überlegenheit von Pankreas- gegenüber Gallenstents oder Dual-Stents. Pankreasstents bleiben erste Wahl, Gallenstents sind bei schwieriger Kanülierung sinnvoll. Dual-Stents sind entbehrlich. Ältere Patienten haben ein geringeres Pankreatitisrisiko, größere Tumoren ein höheres Blutungsrisiko. Limitierend wirken retrospektives Design und Single-Center-Ausrichtung.
Fazit
Pankreasstents sind präferiert, Gallenstents eine Alternative. Dual-Stents sind unnötig. Risikostratifizierung und individualisiertes Management reduzieren Komplikationen.
Interessenkonflikt
Keine Angaben.
Finanzierung
Keine externe Finanzierung.
Ethikvotum
Die Studie wurde von der Ethikkommission des Chinesischen PLA-Allgemeinkrankenhauses genehmigt (Nr. S2021-214-01).
DOI
10.1097/CM9.0000000000002893