Einsatz eines kompakten hochauflösenden zweidimensionalen Exoskops bei der chirurgischen Behandlung großer Vestibularisschwannome
Das Vestibularisschwannom (VS) ist ein benigner Tumor, der 8 % aller intrakraniellen Tumoren und 85 % der Tumoren im Kleinhirnbrückenwinkel ausmacht. Große und symptomatische VS erfordern häufig eine chirurgische Resektion mit dem primären Ziel der Tumorentfernung unter Erhalt der Funktion des N. facialis und N. cochlearis. Traditionelle Techniken nutzen ein binokulares Operationsmikroskop, das hohe Vergrößerung, dreidimensionale (3D) Visualisierung und Tiefenausleuchtung bietet. Dieses Mikroskop weist jedoch Limitationen auf, darunter eine geringe Schärfentiefe, häufige Fokusanpassungen und ergonomische Herausforderungen. Das kompakte hochauflösende (HD) zweidimensionale (2D) Exoskop stellt eine potenzielle Alternative dar, mit längerer Brennweite, größerer Schärfentiefe und verbesserter Ergonomie. Diese Studie evaluiert die Sicherheit und Effizienz des 2D-Exoskops im Vergleich zum traditionellen Mikroskop bei der Resektion großer VS.
Hintergrund und Rationale
Die Standardbehandlung großer VS erfolgt mikrochirurgisch. Trotz der Vorteile des Operationsmikroskops motivieren dessen Nachteile – wie sperrige Bauweise, häufige Fokusanpassungen und ergonomische Belastung – die Suche nach Alternativen. Das 2D-Exoskop kombiniert kompaktes Design mit HD-Visualisierung und könnte diese Probleme adressieren. Diese Studie vergleicht klinische Ergebnisse, chirurgische Effizienz und Chirurgenkomfort zwischen beiden Systemen.
Methoden
In dieser prospektiven Kohortenstudie am Allgemeinkrankenhaus der Medizinischen Universität Tianjin (Januar 2013–Juni 2018) wurden Patienten mit Koos-Grad-3- und -4-VS randomisiert der Exoskop- (n = 39) oder Mikroskopgruppe (n = 42) zugeteilt. Einschlusskriterien: Alter 18–70 Jahre. Ausschlusskriterien: Koos-Grad 1–2, Neurofibromatose Typ 2, beidseitige VS, Voroperationen/Radiatio, Schwangerschaft, Teilnahme an anderen Studien.
Alle Patienten erhielten eine standardisierte Diagnostik (klinische Untersuchung, Audiometrie, Bildgebung). Tumorcharakteristika (Größe, Koos-Grad, zystisch/solid) wurden erfasst. Die Operation erfolgte via retrosigmoidalem Zugang unter Verwendung des ViTOM-Exoskops (Karl Storz GmbH; 90°-Teleskop, HD-Kamera, zwei 26-Zoll-Monitore) bzw. der Mikroskope Leica M525 OH4 und Carl Zeiss OPMI PENTERO 900.
Ergebnisparameter umfassten Operationsdauer, Blutverlust, Resektionsausmaß, Anzahl der Fokusanpassungen, prä-/postoperative Nervenfunktionen (N. facialis: House-Brackmann-Skala; Hören: AAO-HNS-Kriterien), Komplikationen und Chirurgenkomfort (Skala: 0 = komfortabel, 2 = unkomfortabel).
Ergebnisse
Die 81 Patienten (39 Exoskop, 42 Mikroskop) zeigten vergleichbare demografische und Tumorcharakteristika. Keine signifikanten Unterschiede bestanden in Operationsdauer, Resektionsausmaß oder postoperativer Nervenfunktion.
Der Blutverlust war in der Exoskopgruppe signifikant geringer (190,8 ± 83,4 ml vs. 230,0 ± 83,3 ml; p = 0,036). Die Exoskopgruppe erforderte weniger Fokusanpassungen (3,4 ± 0,7 vs. 10,3 ± 0,9; p < 0,001). Chirurgen berichteten höheren Komfort mit dem Exoskop: 71,8 % (Primärchirurg) bzw. 94,9 % (Assistenz) vs. 35,7 % bzw. 54,8 % in der Mikroskopgruppe (p = 0,001 bzw. p < 0,001).
Diskussion
Das 2D-Exoskop erwies sich als sichere und effektive Alternative zum Mikroskop bei der Resektion großer VS. Gleichwertige onkologische und funktionelle Ergebnisse wurden erreicht, ergänzt durch reduzierte Blutverluste, weniger Fokusanpassungen und verbesserten Chirurgenkomfort. Die ergonomischen Vorteile (neutrale Körperhaltung, geteiltes Sichtfeld) sowie die größere Schärfentiefe und Bildfeldbreite des Exoskops erklären möglicherweise die Reduktion des Blutverlusts durch präzisere Dissektion. Die Ergebnisse korrelieren mit früheren Berichten zum Exoskop-Einsatz in der Neurochirurgie (z. B. Spinalchirurgie, Hämatomevakuation). Das geteilte Sichtfeld fördert zudem die chirurgische Ausbildung.
Limitationen
Die Studie ist monozentrisch, und der Vergleich mit 3D-Exoskopen fehlt. Weitere Studien sollten den Einsatz bei anderen komplexen Eingriffen und 3D-Systeme evaluieren.
Fazit
Das HD-2D-Exoskop bietet bei der VS-Resektion vergleichbare Sicherheit und Effizienz wie das Mikroskop, mit zusätzlichen Vorteilen in Blutverlust, Workflow und Ergonomie. Seine Integration in die mikrochirurgische Praxis erscheint vielversprechend, insbesondere in Kombination mit Trainingsaspekten. Zukünftige Studien sollten breitere Anwendungsgebiete und 3D-Technologien untersuchen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000818