Einzeitige Hüfttotalendoprothese und „Light-bulb“-Technik bei bilateraler NONFH

Einzeitige Hüfttotalendoprothese und „Light-bulb“-Technik bei bilateraler nicht-traumatischer Hüftkopfnekrose in unterschiedlichen Stadien

Die nicht-traumatische Hüftkopfnekrose (NONFH) ist eine schwerwiegende Erkrankung, die häufig beide Hüften betrifft und zu erheblichen Schmerzen sowie funktionellen Einschränkungen führt. In der klinischen Praxis stellen sich Patienten mit bilateraler NONFH oft mit einer hüftendoprothesenpflichtigen Seite und einer kontralateralen, asymptomatischen oder geringer symptomatischen Hüfte vor, die möglicherweise eine erhaltende Therapie erfordert. Das Management solcher Fälle stellt eine besondere Herausforderung dar, da der Zeitpunkt und die Strategie der Behandlung die akute Notwendigkeit einer Hüfttotalendoprothese (THA) mit dem langfristigen Ziel des Hüfterhalts abwägen müssen. Diese Studie untersucht die Ergebnisse eines einzeitigen chirurgischen Vorgehens, das THA an der stärker betroffenen Hüfte mit der „Light-bulb“-Technik an der kontralateralen Hüfte kombiniert, im Vergleich zu einem zweizeitigen Vorgehen.

Hintergrund und Rationale

Bei bilateraler NONFH wird die symptomatischere Hüfte häufig mittels THA versorgt, während hüfterhaltende Verfahren für die Gegenseite erwogen werden. Theoretisch sollte die erhaltende Therapie vor oder zeitgleich mit der THA erfolgen, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Patienten zögern jedoch oft, sich an der asymptomatischen Seite operieren zu lassen. Diese Studie postuliert, dass ein einzeitiges Vorgehen Vorteile bietet.

Patientenselektion und Methodik

Eingeschlossen wurden 26 Patienten mit bilateraler NONFH, die zwischen 2013 und 2018 einzeitig operiert wurden. Die Kontrollgruppe umfasste 26 matched Patienten mit zweizeitigem Vorgehen. Ätiologisch dominierten steroidinduzierte (65,4 %) und alkoholinduzierte (34,6 %) Nekrosen. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 30,8 Monate.

Die Diagnose basierte auf klinischen und bildgebenden Befunden. Hüfterhaltende Operationen wurden bei ARCO-Stadium II oder IIIa durchgeführt, während THA bei ARCO-Stadium IV oder IIIb/c indiziert war. Ausschlusskriterien für Hüfterhalt umfassten Alter >50 Jahre, fortgesetzte Steroidgabe oder Alkoholabusus.

Chirurgische Techniken

Die THA erfolgte in Seitenlage via posterolateralen Zugang mit zementfreien DePuy-Prothesen. Die „Light-bulb“-Technik wurde über einen direkten anteriorn Zugang (DAA) durchgeführt. Autologes Spongiosa-Material wurde aus reseziertem Hüftkopf und Femur gewonnen; bei Bedarf wurde PRODENSETM ergänzt. In der Zweizeit-Gruppe diente das Knochenfenster-Material als Transplantat. Das Intervall zwischen den Eingriffen lag bei 6–24 Monaten (Median 11 Monate).

Nachsorge

Klinisch-radiologische Kontrollen erfolgten 3-monatlich im ersten Jahr, danach halbjährlich. Der Harris-Hüftscore (HHS) diente der klinischen Bewertung. Ein HHS ≤70 Punkte oder Konversion zur THA definierten klinisches Versagen. Radiografisches Versagen war bei Kollaps >2 mm oder Arthrose gegeben.

Ergebnisse und Vergleich

Beide Gruppen zeigten vergleichbare Sicherheit (Gesamtblutverlust 373,08 ± 106,20 mL vs. 387,50 ± 78,25 mL; p = 0,497). Die einzeitige Gruppe hatte längere OP-Zeiten (157,69 ± 28,51 vs. 124,38 ± 14,94 min; p < 0,001) bei ähnlicher Komplikationsrate (3,8 % vs. 7,7 %; p = 1,000).

An der THA-Seite verbesserte sich der HHS in beiden Gruppen signifikant (93,58 ± 2,99 vs. 94,04 ± 2,01; p = 0,518). Radiologisch traten keine Prothesenlockerungen auf.

An der hüfterhaltenen Seite zeigte die einzeitige Gruppe bessere klinische (73,1 % exzellente/gute Ergebnisse vs. 46,2 %; p = 0,048) und radiologische Resultate (65,4 % ohne Nekroseprogression vs. 34,6 %; p = 0,027). Die Konversionsrate zur THA war in der einzeitigen Gruppe niedriger (15,4 % vs. 42,3 %; p = 0,032).

Kosten und Hospitalisierung

Das einzeitige Vorgehen reduzierte die Kosten pro Fall um 13 % (79.769,23 ± 13.087,10 RMB vs. 91.034,62 ± 4.496,35 RMB; p < 0,001) und die Hospitalisationsdauer (11,77 ± 2,58 vs. 14,84 ± 2,13 Tage; p < 0,001).

Diskussion

Die „Light-bulb“-Technik ermöglicht minimal-invasiven Hüfterhalt mit kurzer OP-Zeit. Die Überlegenheit des einzeitigen Vorgehens lässt sich auf frühe Intervention, autologe Transplantatvorteile und entlastende Mobilisation über die THA-Seite zurückführen. Die Erfolgsrate von 71,15 % liegt unter früheren Berichten (86 % bei Mont et al.), was möglicherweise auf Unterschiede im Studienkollektiv zurückgeht.

Limitationen

Retrospektives Design, kleine Fallzahl und heterogene Transplantatmaterialien limitieren die Aussagekraft. Langzeitdaten fehlen.

Schlussfolgerung

Das einzeitige Vorgehen kombiniert erfolgreich THA und Hüfterhalt bei bilateraler NONFH. Es bietet bessere Ergebnisse am erhaltenen Hüftgelenk, reduziert Konversionsraten und ist kosteneffizient. Obwohl weitere Studien erforderlich sind, liefert diese Arbeit wertvolle Impulse für das Management bilateraler Nekrosen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000545

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