Empfehlungen zur respiratorischen Rehabilitation bei Erwachsenen mit Coronavirus-Erkrankung 2019

Empfehlungen zur respiratorischen Rehabilitation bei Erwachsenen mit Coronavirus-Erkrankung 2019

Die Coronavirus-Erkrankung 2019 (COVID-19) stellt seit Dezember 2019 einen schwerwiegenden gesundheitlichen Notfall dar. Die chinesische Regierung hat COVID-19 als Infektionskrankheit der Kategorie B eingestuft, jedoch mit Kontrollmaßnahmen der Kategorie A versehen. Die Nationale Gesundheitskommission Chinas veröffentlichte Protokolle zur klinischen Diagnose und Behandlung. Mit zunehmender Erfahrung im Umgang mit schweren und kritischen COVID-19-Fällen hat sich das pathophysiologische Verständnis vertieft. Atemwegs-, körperliche und psychologische Dysfunktionen sind bei Patienten häufig, weshalb standardisierte respiratorische Rehabilitationsverfahren erforderlich sind. Dieser Artikel bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Atemrehabilitation bei erwachsenen COVID-19-Patienten.

Methodik

Die Empfehlungen wurden durch einen strukturierten Prozess entwickelt. Eine Arbeitsgruppe bestehend aus drei Untergruppen (Redaktion, Evidenzbewertung, Expertenkonsens) formulierte die Inhalte. Literaturrecherchen umfassten Leitlinien, systematische Reviews und randomisierte kontrollierte Studien zu COVID-19, SARS und MERS in englischen (PubMed, Ovid, Embase) und chinesischen Datenbanken (bis 21. Februar 2020). Suchbegriffe beinhalteten „novel coronavirus pneumonia“, „respiratory rehabilitation“ u. ä.

Die Evidenzbewertung erfolgte mittels AGREE-II (Leitlinienqualität), AMSTAR (Systematic Reviews) und Cochrane-Risikobias-Tool (RCTs). Empfehlungen wurden durch Expertenkonsens erarbeitet.

Grundprinzipien der Atemrehabilitation

Die Rehabilitation muss infektionspräventiven Vorgaben entsprechen. Ziel ist die Linderung von Dyspnoe, Reduktion psychischer Belastungen, Verbesserung der Lebensqualität sowie Prävention von Komplikationen. Eine frühe Rehabilitation wird bei instabilen schweren/kritischen Fällen nicht empfohlen. Stufenweise Maßnahmen sind für Patienten mit Langzeitfolgen sinnvoll.

Isolierte Patienten erhalten Schulungsvideos, Selbstmanagementmaterialien und Telekonsultationen. Individualisierte Pläne sind für ältere, adipöse oder multimorbide Patienten entscheidend. Kontinuierliche Evaluation ist obligat.

Empfehlungen für leichte Fälle während der Hospitalisierung

Patientenedukation Aufklärung über Erkrankung, ausreichende Erholung, ausgewogene Ernährung und Rauchverzicht.

Aktivitätsempfehlungen Borg-Skala ≤3 für Dyspnoe; keine Ermüdung am Folgetag. Übungsfrequenz: 2× täglich, 15–45 Minuten, 1 Stunde postprandial. Atemübungen, Tai Chi und Square Dancing werden empfohlen.

Psychologische Intervention Selbsteinschätzung mittels Skalen; psychologische Beratung bei Bedarf.

Empfehlungen für moderate Fälle während der Hospitalisierung

Ausschlusskriterien Temperatur >38,0°C; Symptomdauer <7 Tage; Sauerstoffsättigung (SpO₂) <95%; radiologische Progression >50% in 24–48 h; Blutdruck außerhalb 90/60–140/90 mmHg.

Abbruchkriterien Borg-Skala >3; Thoraxschmerzen, Schwindel, Tachykardie oder Gleichgewichtsstörungen.

Interventionen Sekretmobilisation durch tiefe Atmung und kontrolliertes Husten in Plastikbeutel. Körperliche Aktivität <3,0 METs (2× täglich, schrittweise Steigerung). Thromboseprophylaxe durch Beinübungen.

Rehabilitation bei schweren/kritischen Fällen

Interventionszeitpunkt FiO₂ ≤0,6; SpO₂ ≥90%; Atemfrequenz ≤40/min; PEEP ≤10 cmH₂O; stabile Hämodynamik und neurologischer Status.

Frühzeitiger Abbruch SpO₂ <90%; Atemfrequenz >40/min; Widerstand im Beatmungssystem; kardiovaskuläre Instabilität.

Interventionsmaßnahmen Lagerung: Oberkörperhochlagerung (60°), Bauchlagerung bei ARDS (>12 h/Tag). Frühmobilisation mit schrittweisem Training (Drehen, Sitzen, Transfer). Sekretmanagement durch oszillatorische Atemtherapiegeräte.

Rehabilitation nach Entlassung

Ausschlusskriterien Herzfrequenz >100/min; SpO₂ <95%; akute Symptomverschlechterung.

Evaluierung Lungenfunktionstests, Muskelkraft, Ausdauerkapazität (6-Minuten-Gehtest), Barthel-Index für Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL).

Interventionen Aerobes Training, Kraft- und Balancetraining, ADL-Schulung. Traditionelle Chinesische Medizin (Baduanjin-Qigong, 24-Form-Tai-Chi, Six-Character-Mnemonic-Atmung) wird integriert.

Traditionelle Chinesische Medizin

Baduanjin-Qigong 8 Übungen, 6–8 Wiederholungen, 30 Minuten täglich. Kombiniert Bewegungsfluss und Atemkontrolle.

24-Form-Tai-Chi Bewusste Atemkoordination mit langsamen Bewegungen. 50 Minuten pro Einheit.

Geführte Atemübungen Integration von Körperhaltung, Meridianstimulation und visueller Imagination. 30 Minuten täglich.

Schlussfolgerungen

Diese Leitlinien bieten einen umfassenden Rahmen zur Atemrehabilitation bei COVID-19-Patienten unter Berücksichtigung klinischer Evidenz und Expertenkonsens. Sie zielen auf Funktionserhalt, psychologische Stabilisierung und strukturelle Remodelling-Förderung ab. Weiterentwicklungen werden im Kontext neuer Erkenntnisse erwartet.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000848

Schreibe einen Kommentar 0

Your email address will not be published. Required fields are marked *