Entwicklung der arthroskopischen Behandlung von intra- zu extrakapsulären Verfahren bei der lateralen Epikondylalgie
Die laterale Epikondylalgie, allgemein als „Tennisarm“ bekannt, betrifft etwa 1,3 % der Bevölkerung. Obwohl historisch mit Sportlern assoziiert, treten nur 5 % der Fälle bei Tennisspielern auf. Risikofaktoren umfassen Rauchen, schwere körperliche Arbeit und geringe soziale Unterstützung. Circa 10 % der Patienten benötigen chirurgische Intervention nach erfolgloser sechsmonatiger konservativer Therapie. Traditionelle offene Operationen wurden weitgehend durch minimal-invasive arthroskopische Techniken ersetzt. Intra-kapsuläre Methoden, die den natürlichen Gelenkraum als Operationsfeld nutzen, etablierten sich aufgrund direkter Visualisierung und geringerer Invasivität. Jedoch birgt die Eröffnung der Gelenkkapsel Risiken wie neurovaskuläre Verletzungen, Hämatome und postoperative Instabilität. Um diese Limitationen zu adressieren, entwickelte sich ein neuartiger extrakapsulärer arthroskopischer Ansatz, der außerhalb der Gelenkkapsel operiert und deren Integrität bewahrt.
Entwicklung der extrakapsulären Methode
Der Wechsel von intra- zu extrakapsulärer Arthroskopie markiert einen Paradigmenwechsel. Die von Rubenthaler et al. entwickelte Technik schafft einen subkutanen Arbeitsraum über dem lateralen Epikondylus zur direkten Darstellung des Ursprungs der Extensor-carpi-radialis-brevis(ECRB)-Sehne. Klinische Anwender berichten von verbesserter Sicherheit, vereinfachter Technik und geringeren Komplikationsraten. Eine Mixed-Methods-Studie kombiniert qualitative Chirurgeninterviews mit quantitativen Patientenoutcomes, um die Methode zu standardisieren.
Qualitative Erkenntnisse aus Chirurgeninterviews
Eine Fokusgruppe sieben erfahrener Sportmediziner identifizierte folgende Fortschritte:
- Direkte Visualisierung: Pathologische Strukturen wie ECRB-Risse, degenerative Areale und freiliegender Knochen können ohne Kapselverletzung beurteilt werden.
- Vereinfachte Technik: Geradlinige Portalplatzierung (3 cm proximal und distal des lateralen Epikondylus) und Basisinstrumente für Debridement, Dekortikation und Naht.
- Geringeres Risikoprofil: Vermeidung der Kapseleröffnung reduziert Verletzungen des N. radialis oder N. interosseus posterior. Postoperative Hämatome oder Instabilitäten sind seltener.
- Kürzere Lernkurve: Anatomische Klarheit und repetitive Schritte ermöglichen schnelle Kompetenzentwicklung.
Chirurgisches Protokoll der extrakapsulären Methode
Standardisiertes Vorgehen:
- Anästhesie: Plexus-brachialis-Block.
- Lagerung: Rückenlage, betroffener Arm 90° flektiert.
- Portale: Zwei 0,5 cm Inzisionen 3 cm proximal und distal des Epikondylus.
- Subkutaner Arbeitsraum: Anlegen mittels stumpfem Trokar.
- Arthroskopisches Debridement: Synoviale Resektion mittels Shaver. Der „Scratch-Test“ identifiziert geschädigte Sehnenanteile.
- Dekortikation: Anrauen des Knochens zur Heilungsstimulation.
- Sehnenrekonstruktion: Perkutane Naht mit Polydioxanon(PDS)-Faden der Stärke 0.
Quantitative Ergebnisse und Sicherheitsprofil
Retrospektive Analyse von 43 Patienten (Durchschnittsalter: 44,4 Jahre; 67 % weiblich):
- Schmerzreduktion: Medianes Erreichen schmerzfreier Zustände nach 3 Monaten (Spanne: 1–6 Monate).
- Funktionelle Erholung: Rückkehr zu Alltagsaktivitäten nach median 6 Wochen (Spanne: 4–8 Wochen).
- Scores:
- Präoperativ: Mayo Elbow Performance Score (MAYO) = 54,44; DASH = 54,74; VAS = 6,91.
- 3-Monats-Follow-up: MAYO = 83,00; DASH = 24,05; VAS = 2,80.
- 12-Monats-Follow-up: MAYO = 96,41; DASH = 7,53; VAS = 1,00.
- Komplikationen: Keine neurovaskulären Schäden, Infektionen oder Instabilitäten.
Vergleichende Vorteile gegenüber intra-kapsulären Techniken
- Anatomische Präzision: Zielgenaues Debridement durch direkte ECRB- und CEO-Darstellung.
- Kapselerhalt: Unversehrte Synovialflüssigkeitsdynamik minimiert postoperative Steifheit.
- Verbesserte Sicherheit: Radiales Kollateralband und neurovaskuläre Strukturen bleiben geschützt.
- Flexibilität: Kombination mit intra-kapsulärer Exploration bei vorbestehenden Kapseldefekten möglich.
Klinische Implikationen und Limitationen
Die Studie validiert die extrakapsuläre Methode als sichere und effektive Alternative bei therapierefraktärer Epikondylalgie. Das standardisierte Protokoll ermöglicht Reproduzierbarkeit, insbesondere für Chirurgen mit offener Chirurgie-Erfahrung. Die retrospektive Einzelzentrumsdesign-Limitation erfordert multizentrische randomisierte Studien zur Vergleichbarkeit mit intra-kapsulären und offenen Verfahren.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002204