Entwicklung eines bullösen Pemphigoids bei einem Patienten mit HHD

Entwicklung eines bullösen Pemphigoids bei einem Patienten mit chronischem benignem familiärem Pemphigus (Hailey-Hailey-Erkrankung)

Der chronisch benigne familiäre Pemphigus, auch als Hailey-Hailey-Erkrankung (HHD) bekannt, ist eine vererbte akantholytische Dermatose, die durch rezidivierende Blasen und Mazerationen in intertriginösen Arealen gekennzeichnet ist. Das bullöse Pemphigoid (BP) hingegen stellt eine autoimmune subepidermale blasenbildende Erkrankung dar. Dieser Fallbericht beschreibt einen Patienten mit klinischen und histologischen Merkmalen beider Erkrankungen, was die seltene Assoziation zwischen HHD und BP unterstreicht.

Der 70-jährige Patient litt seit über 10 Jahren an rezidivierender Erythembildung mit Pruritus in den Axillae und Leisten. Innerhalb der letzten zwei Wochen entwickelten sich zusätzlich juckende Blasen und Bullae im Unterbauch, an den Oberschenkeln und in der Leistenregion. Die dermatologische Untersuchung zeigte Blasen, Erosionen und Mazerationen in den Axillae, Leisten sowie perianal. Zudem fanden sich erythematöse Blasen und Bullae am Unterbauch und beidseitigen Oberschenkeln (Abbildung 1A–C). Eine relevante Medikamentenanamnese oder familiäre Belastung mit ähnlichen Erkrankungen wurde verneint.

Die histopathologische Untersuchung einer erythematösen Läsion aus der Leiste ergab intraepidermale Spaltbildungen mit akantholytischen Zellen, die ein „zerfallenes Mauerwerk“-Erscheinungsbild aufwiesen. Angrenzend dazu wurden subepidermale Spaltbildungen beobachtet (Abbildung 1D). In der oberen Dermis zeigte sich ein Infiltrat aus Eosinophilen (Abbildung 1E). Die direkte Immunfluoreszenz (DIF) wies eine lineare Ablagerung von IgG und C3 entlang der Basalmembranzone nach (Abbildung 1F). Serologisch waren BP180-Antikörper positiv, während Antikörper gegen Desmoglein 1 (Dsg1) und Desmoglein 3 (Dsg3) negativ ausfielen. Auf Basis dieser Befunde wurde die Diagnose eines BP in Assoziation mit HHD gestellt.

Beide Erkrankungen sprachen gut auf eine Kombinationstherapie mit Prednisolon (30 mg/Tag) und Minocyclin (100 mg/Tag) an, was zu einer deutlichen Besserung der Symptome und Hautläsionen führte.

Die HHD entsteht durch einen genetischen Defekt einer Kalzium-ATPase auf Chromosom 3q21. Bei etwa zwei Dritteln der Patienten liegt eine positive Familienanamnese vor. Das BP hingegen ist eine autoimmune Blasenerkrankung, die mit Autoantikörpern gegen BP180 oder BP230 in Hemidesmosomen assoziiert ist.

Der Patient hatte eine langjährige Anamnese von HHD-typischen Hautveränderungen in intertriginösen Bereichen, die initial als Ekzem fehldiagnostiziert worden waren. Die plötzliche Entwicklung praller Blasen sowie die histologischen, DIF- und serologischen Befunde bestätigten jedoch zusätzlich ein BP.

Die Koinzidenz von BP und HHD ist äußerst selten. Frühere Fallberichte, wie der von Mehregan et al., beschrieben ein BP mit Hailey-Hailey-ähnlichem histologischem Muster, das als Zufallsbefund oder isolierte akantholytische Läsion interpretiert wurde. Maruyama et al. berichteten über ein BP, das 10 Jahre nach HHD-Manifestation auftrat, wobei die Läsionen beider Erkrankungen räumlich überlappten.

Die genauen Mechanismen dieser Assoziation bleiben unklar. Eine Hypothese ist, dass chronische Entzündungsprozesse bei HHD durch rezidivierende Keratinozyten-Schädigung zur Freisetzung von Autoantigenen (z. B. BP180) führen. Dies könnte eine lymphozytäre Infiltration und die Bildung spezifischer Autoantikörper begünstigen, wodurch sich das Entzündungsmuster hin zu einer autoimmunen Blasenbildung verschiebt. Weitere Forschung ist notwendig, um diese Pathomechanismen aufzuklären.

Zusammenfassend zeigt dieser Fall eine seltene Überlappung von HHD und BP. Beide Erkrankungen konnten mittels Glukokortikoiden und Tetrazyklin erfolgreich behandelt werden. Die Koexistenz legt einen Zusammenhang zwischen chronisch-entzündlichen Prozessen bei HHD und der Entstehung autoimmuner Blasenerkrankungen nahe. Ein besseres Verständnis dieser Interaktion könnte zukünftig therapeutische Strategien optimieren.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002081

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