Entwicklung und Evaluation der psychometrischen Eigenschaften eines gemeinsamen Moduls zur Lebensqualitätsskala für lebende Organspender (QLSLOD-CM V1.0) anhand von Leber-Spendern

Entwicklung und Evaluation der psychometrischen Eigenschaften eines gemeinsamen Moduls zur Lebensqualitätsskala für lebende Organspender (QLSLOD-CM V1.0) anhand von Leber-Spendern

Die lebende Organspende umfasst gesunde Personen, die sich freiwillig chirurgischen Eingriffen unterziehen, um Organe zu spenden, und dabei physischen sowie psychischen Risiken ausgesetzt sind. Während die Sicherheit der Spender prioritär bleibt, erfordert die Auswirkung der Spende auf die Lebensqualität (LQ) ein robustes Bewertungsinstrument. Bestehende Tools, einschließlich generischer Instrumente wie des 36-Item Short Form Health Survey (SF-36) und krankheitsspezifischer Fragebögen, erfassen die einzigartigen Erfahrungen lebender Spender unzureichend. Generische Tools übersehen oft operationsspezifische Aspekte, während krankheitsspezifische Instrumente nicht auf gesunde Spender zugeschnitten sind. Selbstentwickelte Skalen adressieren zwar Teilaspekte, mangeln jedoch an Standardisierung. In China existiert kein Konsens über eine LQ-Skala spezifisch für lebende Organspender. Diese Studie entwickelte und validierte das Quality of Life Scale for Living Organ Donors-Common Module (QLSLOD-CM V1.0) als Kernmodul eines umfassenden Skalensystems zur Bewertung der LQ aller Spendertypen.

Entwicklung des QLSLOD-CM V1.0

Die Skala wurde in sieben Schritten gemäß dem QoL-Rahmenkonzept der Weltgesundheitsorganisation entwickelt, das sechs Domänen umfasst: körperliche Funktion, psychisches Befinden, Autonomiegrad, soziale Beziehungen, umweltbezogene Faktoren und persönliche Überzeugungen. Eine Querschnittsstudie wurde von Oktober 2015 bis Februar 2019 an zwei chinesischen Krankenhäusern (Tianjin First Center Hospital und Beijing Friendship Hospital) durchgeführt. Teilnehmer waren Leber-Spender ≥18 Jahre, mindestens einen Monat postoperativ. Die Studie wurde von der Ethikkommission der Universität Peking genehmigt (IRB00001052-19005); alle Teilnehmer gaben informierte Einwilligung.

Itemgenerierung und -selektion

Ein initialer Itempool von 74 Fragen entstand durch Literaturrecherchen, Interviews mit Leber- und Nierenspendern sowie Expertenkonsultationen. Zwei Delphi-Runden mit 32 Experten bewerteten Relevanz, Klarheit und Korrelation der Items auf einer 5-stufigen Likert-Skala. 55 Items wurden beibehalten und in einer Vorstudie mit 100 Teilnehmern getestet. Statistische Methoden (Varianzanalyse, Item-Gesamt-Korrelation, Faktoren- und Clusteranalyse) reduzierten die Skala auf 44 Items.

Psychometrische Evaluation

In einer Folgestudie mit 403 Leber-Spendern identifizierte eine explorative Faktorenanalyse (EFA) 12 Faktoren, die 61,03 % der Gesamtvarianz erklärten. Sechs Items mit niedrigen Faktorladungen (<0,4) wurden entfernt oder überarbeitet, sodass eine finale 39-Item-Skala mit sechs Domänen resultierte. Die interne Konsistenz (Cronbachs α) reichte von 0,65 (soziale Beziehungen) bis 0,83 (körperliche Funktion), was akzeptable Reliabilität anzeigt. Die Test-Retest-Reliabilität (100 Teilnehmer, 2 Wochen Intervall) zeigte hohe Korrelationen (r = 0,78–0,92). Item-Gesamt-Korrelationen waren signifikant (p < 0,01), was die Kohärenz bestätigt.

Struktur und Anwendung der Skala

Der QLSLOD-CM V1.0 umfasst 39 Items in sechs Domänen:

  1. Körperliche Funktion (8 Items): Bewertet Schmerzen, Erschöpfung und postoperative Erholung.
  2. Psychisches Befinden (7 Items): Erfasst Ängste, Selbstwertgefühl und emotionale Stabilität.
  3. Autonomiegrad (6 Items): Fokussiert Alltagsaktivitäten und Arbeitsfähigkeit.
  4. Soziale Beziehungen (7 Items): Analysiert Familienbeziehungen und sozialen Rückhalt.
  5. Umweltbezogene Faktoren (6 Items): Adressiert finanzielle Stabilität und Gesundheitszugang.
  6. Persönliche Überzeugungen (5 Items): Dokumentiert spirituelle und existenzielle Perspektiven.

Die Skala ist für Prä- und Post-Spende-Evaluationen konzipiert, wobei 34 Items präoperativ anwendbar sind. Sie betont spenderspezifische Aspekte wie postoperative Anpassung und Langzeitwohlbefinden, die generische Tools vernachlässigen.

Limitationen und zukünftige Forschung

Die Generalisierbarkeit auf andere Spendertypen (z. B. Niere) ist aufgrund des Fokus auf Leber-Spender eingeschränkt. Die Stichprobengröße ermöglichte zwar eine initiale Validierung, begrenzt jedoch Subgruppenanalysen. Zukünftige Studien sollen Nierenspender einbeziehen, um konfirmatorische Faktorenanalysen und Kriteriumsvalidität zu prüfen. Interkulturelle Anpassungen erfordern rigorose Übersetzungsprozesse.

Fazit

Der QLSLOD-CM V1.0 stellt einen signifikanten Fortschritt in der LQ-Bewertung lebender Organspender dar. Seine Entwicklung kombiniert Expertenkonsens, statistische Rigorosität und Spenderperspektiven, wodurch Relevanz und Reliabilität gewährleistet werden. Durch die Adressierung bestehender Lücken bietet die Skala eine standardisierte Methode zur Evaluation des Spenderwohls, die klinische Interventionen und politische Maßnahmen leiten kann. Weiterführende Forschung soll die Anwendung auf diverse Spenderpopulationen und kulturelle Kontexte erweitern.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000833

Schreibe einen Kommentar 0

Your email address will not be published. Required fields are marked *