Epidemiologische Charakteristika und Risikofaktoren nosokomialer Infektionen mit Carbapenem-resistenten Enterobakterien bei Kindern

Epidemiologische Charakteristika und Risikofaktoren nosokomialer Infektionen mit Carbapenem-resistenten Enterobakterien bei Kindern

Carbapenem-resistente Enterobakterien (CRE) stellen eine globale Bedrohung dar und sind mit hohen Mortalitätsraten assoziiert. Während CRE-Infektionen bei Erwachsenen umfassend untersucht wurden, fehlen vergleichbare Daten zur Epidemiologie, Risikofaktoren und Therapieergebnissen bei Kindern. Diese retrospektive Matched-Case-Control-Studie analysierte die epidemiologischen Merkmale, Risikofaktoren und Behandlungsoutcomes von nosokomialen CRE-Infektionen in einer pädiatrischen Population. Zudem wurden Resistenzmuster und Carbapenemase-Gene der Isolate charakterisiert.

Methoden
Die Studie wurde am Second Affiliated Hospital und Yuying Children’s Hospital der Wenzhou Medical University (China) durchgeführt. Eingeschlossen wurden Kinder mit nosokomialen CRE-Infektionen (2009–2018), die im Verhältnis 1:2 mit Kontrollpatienten mit Carbapenem-empfindlichen Enterobakterien (CSE)-Infektionen nach Alter und Infektionstyp gematcht wurden. Die mikrobiologische Identifizierung erfolgte mittels VITEK Compact-2-System. Die minimale Hemmkonzentration (MHK) wurde gemäß CLSI-Richtlinien bestimmt. Carbapenemase-Gene wurden mittels PCR nachgewiesen. Statistische Analysen erfolgten mit SPSS 25.0.

Ergebnisse
Es wurden 51 CRE-Patienten und 102 Kontrollen eingeschlossen. Unabhängige Risikofaktoren für CRE-Infektionen waren:

  • Vorherige Exposition gegenüber Cephalosporinen der 3. Generation (OR 3,12; 95 %-KI 1,23–7,91)
  • Beta-Lactam/Beta-Lactamase-Inhibitoren (OR 4,05; 95 %-KI 1,55–10,60)
  • Mechanische Beatmung (OR 3,88; 95 %-KI 1,45–10,35)
  • Liegender Harnblasenkatheter (OR 6,01; 95 %-KI 1,77–20,44)

Von 57 CRE-Isolaten zeigten 98,2 % Multiresistenzen. Tigecyclin wies die höchste Sensitivität auf (100 %), gefolgt von Amikacin (91,3 %) und Levofloxacin (75,4 %). Bei 23 Isolaten dominierten KPC-2 (73,9 %) und NDM-1 (13,0 %). Zwei Isolate produzierten keine Carbapenemasen, aber ESBL/AmpC-Gene.

Die Mortalität unterschied sich nicht signifikant zwischen CRE- (7/51) und CSE-Gruppe (6/102). Alle acht Patienten mit Fosfomycin-basierter Kombinationstherapie überlebten.

Diskussion
Die identifizierten Risikofaktoren unterstreichen die Bedeutung von Antibiotika-Stewardship und restriktivem Einsatz invasiver Devices. Die KPC-2-Dominanz korreliert mit internationalen pädiatrischen Studien. Trotz hoher In-vitro-Sensitivität von Tigecyclin und Fluorchinolonen sind deren Anwendungsbeschränkungen bei Kindern (z. B. Dentalfluorose, Knorpelschäden) zu beachten. Fosfomycin zeigte vielversprechende Synergieeffekte, bedarf jedoch weiterer prospektiver Evaluierung.

Schlussfolgerung
Die Studie identifiziert modifizierbare Risikofaktoren für CRE-Infektionen bei Kindern und betont präventive Maßnahmen. Fosfomycin-basierte Kombinationstherapien könnten eine wirksame Option darstellen. Zukünftige Forschung sollte Sicherheit und Wirksamkeit neuer Therapieregime in größeren Kohorten prüfen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001006

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