Erfolgreiche Behandlung einer Basilarisarterienokklusion durch verzögerte intravaskuläre Intervention und milde Hypothermie
Die akute Basilarisarterienokklusion (BAO) stellt eine schwerwiegende und oft katastrophale Schlaganfallform dar, die etwa 1 % aller Schlaganfälle ausmacht. Trotz ihrer Seltenheit geht sie mit hoher Morbidität und Letalität einher. Selbst unter Therapie liegt die Rate an Tod oder Behinderung bei bis zu 80 %. Eine frühe Rekanalisation, sei es durch Thrombolyse oder Thrombektomie, verbessert die Prognose signifikant. Tiermodelle zeigen, dass postischämisch induzierte Hypothermie das endgültige Infarktvolumen reduziert. Moderate Hypothermie unterdrückt die Bildung sauerstofffreier Radikale und Entzündungsreaktionen, die zur Reperfusionsschädigung beitragen. Therapeutische Hypothermie gilt als eine der wirksamsten neuroprotektiven Strategien mit multiplen Wirkmechanismen während des Ischämie-Reperfusions-Fensters. Klinische Studien bestätigen ihre Sicherheit und Machbarkeit bei Schlaganfallpatienten. Aktuelle Studien prüfen die kombinierte Anwendung von Hypothermie und Rekanalisation.
Fallbericht
Ein 49-jähriger chinesischer Patient wurde mit tiefer Bewusstlosigkeit in die Notaufnahme des Nanfang-Krankenhauses eingeliefert. 16 Stunden zuvor traten plötzlich Schwindel, Armparesen und leichte Schwäche der Extremitäten auf. Ein initiales Schädel-CT zeigte keine Auffälligkeiten. Unter antiaggregatorischer Therapie verschlechterte sich sein Zustand. Bei Aufnahme betrug der Glasgow-Coma-Scale(GCS)-Score 4 (E1V1M2). Ein erneutes CT wies auf eine Hypodensität im rechten Kleinhirn hin. Die Angiographie bestätigte Verschlüsse der Basilarisarterie, beider Arteriae cerebelli superiores und der rechten Arteria cerebri posterior. Mittels Solitaire-FR-Stent-Thrombektomie und Katheteraspiration wurde ein 3 mm × 10 mm-Thrombus entfernt. Die Rekanalisation erfolgte 20 Stunden nach Symptombeginn (TICI-Grad 3). Zur Thromboseprophylaxe erhielt der Patient 5 mg Tirofiban.
Postinterventionell wurde eine milde Hypothermie (33°C) über 12 Stunden mittels COOLGARD3000-System eingeleitet. Die Sedierung erfolgte mit Midazolam, die neuromuskuläre Blockade mit Vecuronium. Am 4. Tag entwickelte der Patient eine Pneumonie (Klebsiella pneumoniae), die antibiotisch behandelt wurde. Die Extubation erfolgte am 11. Tag. Das NIH-Stroke-Scale(NIHSS)-Score betrug initial 26, verbesserte sich jedoch kontinuierlich. Die Bildgebung bestätigte Infarkte im Pons, bilateralen Mittelhirn und rechten Kleinhirn. Nach Rehabilitation erreichte der Patient einen modifizierten Rankin-Scale(mRS)-Score von 2 nach 6 Monaten.
Diskussion
Die BAO-Inzidenz wird auf ca. 1/100.000/Jahr geschätzt. Prodromi wie Schwindel oder Kopfschmerzen können der typischen Symptomtrias (Bewusstseinsstörung, Quadriparese, Hirnnervenausfälle) vorausgehen. Die Rekanalisation mittels Thrombektomie zeigt hohe Erfolgsraten (TICI 2b-3: 80 %; mRS ≤2: 42,8 %). Auch bei verzögertem Behandlungsbeginn kann sie bei jungen Patienten mit geringem Infarktkern vorteilhaft sein. Experimentell zeigt Hypothermie synergistische Effekte zur Reperfusion, reduziert Hirnödeme und verbessert Outcomes. In einer Studie mit Rekanalisationserfolg wies die Hypothermiegruppe bessere Ergebnisse bei vergleichbarer Komplikationsrate auf.
Schlussfolgerung
Dieser Fall unterstreicht das Potenzial kombinierter Hypothermie und Thrombektomie bei BAO. Obwohl Fallberichte Limitierungen aufweisen, könnte diese Strategie die Prognose verbessern. Großangelegte randomisierte Studien sind erforderlich, um den Nutzen zu validieren.
Interessenkonflikte
Die Autoren erklären keine Interessenkonflikte.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000000131