Ergebnisse der super minimalinvasiven Chirurgie versus Ösophagektomie

Ergebnisse der super minimalinvasiven Chirurgie versus Ösophagektomie bei oberflächlichem ösophagealem Plattenepithelkarzinom: Eine monozentrische Studie basierend auf Propensity-Score-Matching

Die super minimalinvasive Chirurgie (SMIS) ist ein 2016 eingeführtes innovatives chirurgisches Konzept, das als „Heilung der Erkrankung unter Erhalt der anatomischen Integrität menschlicher Organe“ definiert wird. Dieser Ansatz wurde von der World Endoscopy Organization und der Chinesischen Gesellschaft für digestive Endoskopie anerkannt. Der Hauptvorteil der SMIS liegt in ihrer Fähigkeit, Erkrankungen zu behandeln, ohne die Struktur und Funktion der Organe zu beeinträchtigen, wodurch eine normale Überlebenszeit und postoperative Lebensqualität (QoL) bei Krebspatienten gewährleistet werden. Trotz dieses Potenzials mangelt es an hochwertigen Vergleichsstudien zwischen SMIS und Ösophagektomie bei der Behandlung des oberflächlichen ösophagealen Plattenepithelkarzinoms (SESCC). Diese Studie zielt darauf ab, die Ergebnisse von SMIS und Ösophagektomie direkt zu vergleichen, insbesondere hinsichtlich QoL und lebensstilbezogener Veränderungen.

Studiendesign und Patientenauswahl

In dieser Studie wurden Patienten mit SESCC analysiert, die zwischen Januar 2018 und Juni 2020 am Chinesischen PLA-Generalhospital behandelt und entweder mit SMIS oder Ösophagektomie operiert wurden. Die SESCC-Diagnose wurde durch postoperative pathologische Ergebnisse bestätigt. Die Einschlusskriterien umfassten ein Tumorbefinden im TNM-Stadium T1N0M0. Ausschlusskriterien waren vorherige Chemo- oder Strahlentherapie, Zweitmalignome oder frühere Krebsbehandlungen. In der SMIS-Gruppe wurden Patienten ausgeschlossen, die eine sofortige Rescue-Ösophagektomie benötigten. Die Studie umfasste 120 SMIS-Patienten und 62 Ösophagektomie-Patienten. Die ethische Genehmigung erfolgte durch die Ethikkommission des PLA-Generalhospitals.

Präoperative Evaluation und chirurgische Verfahren

Alle Patienten unterzogen sich präoperativ einer Gastroskopie mit Vergrößerungsendoskopie, Laser-Blaulicht, Chromoendoskopie (Lugol-Lösung) und Narrow-Band-Imaging. Zusätzlich wurden endoskopischer Ultraschall, CT und/oder PET-CT zur Bestimmung von Tumorgrenzen, Infiltrationstiefe und Lymphknotenmetastasen eingesetzt. SMIS-Verfahren umfassten endoskopische Submukosadissektion oder tunnelbasierte Dissektion. Die Ösophagektomie wurde in offene und minimalinvasive Verfahren unterteilt.

Endpunkte

Primäre Endpunkte waren QoL und lebensstilbezogene Veränderungen postoperativ. Sekundäre Endpunkte waren Gesamtüberleben (OS), krankheitsspezifisches Überleben (DSS) und rezidivfreies Überleben (RFS). Die QoL wurde mittels EORTC QLQ-C30-Fragebogen bewertet. Dysphagie wurde anhand des Mellow-Pinkas-Scores quantifiziert. Nachsorgeuntersuchungen erfolgten nach 3, 6 und 12 Monaten.

Statistische Analyse

Die statistische Auswertung erfolgte mit SPSS-Software. Kategorische Variablen wurden mittels Chi-Quadrat- oder Fisher-Exakt-Test verglichen, kontinuierliche Variablen mittels t-Test oder Mann-Whitney-U-Test. Die Überlebensanalyse erfolgte nach der Kaplan-Meier-Methode. Zur Reduktion von Selektionsbias wurde ein Propensity-Score-Matching (1:1-Ratio, Kaliber: 0,01) unter Berücksichtigung von 10 prognoserelevanten Faktoren durchgeführt.

Ergebnisse

Nach dem Matching ergaben sich 34 gepaarte Patientengruppen. Der mittlere Nachbeobachtungszeitraum betrug 23,1 (SMIS) bzw. 23,8 Monate (Ösophagektomie). Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in OS, DSS oder RFS. Die 3-Jahres-DSS-Raten lagen bei 100 % (SMIS) vs. 97,1 % (Ösophagektomie), die RFS-Raten bei 80,6 % vs. 85,5 % (nicht signifikant).

Die SMIS-Gruppe wies signifikant bessere Werte in globalem Gesundheitsstatus, physischer und sozialer Funktion auf (p < 0,05). Die Ösophagektomie-Gruppe berichtete stärkere Fatigue, Schmerzen, Schlafstörungen und finanzielle Belastung. Der mediane Dysphagie-Score lag bei 0 (SMIS) vs. 0–2 (Ösophagektomie). 55,9 % der Ösophagektomie-Patienten konnten nicht in Rückenlage schlafen (vs. 2,9 % bei SMIS).

Diskussion

SMIS bietet vergleichbare onkologische Ergebnisse, aber deutlich bessere QoL durch Organerhalt. Die traumabedingten Funktionsstörungen nach Ösophagektomie erklären die Unterschiede in Dysphagie und Schlafposition. Retrospektives Design, kurze Nachbeobachtung und kleine Stichprobe limitieren die Aussagekraft. Langzeitstudien sind erforderlich.

Fazit

SMIS und Ösophagektomie zeigen bei SESCC vergleichbare mittelfristige Überlebensraten. SMIS übertrifft die Ösophagektomie jedoch signifikant in der Erhaltung der Lebensqualität und physiologischen Lebensgewohnheiten. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung organerhaltender Verfahren in der onkologischen Chirurgie.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002365

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