Faktoren für gute Oozytenkompetenz und Nutzungsraten bei Hochrespondern

Faktoren für gute Oozytenkompetenz und Nutzungsraten bei In-vitro-Fertilisation oder intrazytoplasmatischer Spermieninjektion bei Hochrespondern

Die Oozyten-Nutzungsrate (OUR) ist ein entscheidender Parameter in der assistierten Reproduktionstechnologie (ART), der die Fähigkeit der Oozyten widerspiegelt, sich in transferierbare oder kryokonservierbare Embryonen zu entwickeln. Während das mütterliche Alter ein bekannter Einflussfaktor auf die Oozytenqualität ist, können weitere intra- und extraovarielle Faktoren die Interaktion zwischen Oozyten und Granulosazellen, die Reifung der Oozyten sowie die Entwicklung der Zygoten signifikant beeinflussen. Diese Studie untersuchte Faktoren, die zu Unterschieden zwischen hohen und niedrigen OUR bei Hochrespondern während IVF oder ICSI führen. Die Ergebnisse liefern wertvolle Erkenntnisse zur Optimierung der IVF-Ergebnisse in dieser Patientengruppe.

Methodik
Es wurden IVF/ICSI-Zyklen einer einzelnen Klinik vom 1. Januar 2013 bis 31. Dezember 2019 analysiert. Eingeschlossen wurden Zyklen mit mindestens 15 gewonnenen Oozyten; frische Embryotransfers wurden zur Vermeidung eines ovariellen Überstimulationssyndroms (OHSS) ausgeschlossen. Die OUR wurde als Anteil der verwertbaren Embryonen (Blastomeren und Blastozysten) an allen gewonnenen Oozyten pro Zyklus definiert. Die Zyklen wurden nach ihrer OUR stratifiziert: die oberen 10 % als Gruppe A (hohe OUR), die unteren 10 % als Gruppe B (niedrige OUR).

Die ovarielle Stimulation erfolgte mittels GnRH-Agonist-Langprotokoll, GnRH-Antagonist-Protokoll oder Dual-Suppressions-Protokoll. Die Startdosis von rekombinantem FSH (rFSH) basierte auf Alter, BMI und ovarieller Reserve. Die Oozytenreifung wurde mit hCG ausgelöst; die Follikelpunktion erfolgte nach 36 Stunden. Embryonen wurden an Tag 3 sowie an Tag 5/6 bewertet. Zwei Top-Embryonen wurden an Tag 3 vitrifiziert, verbleibende Embryonen zu Blastozysten kultiviert.

Ergebnisse
Es wurden 453 Patientinnen analysiert (43 in Gruppe A, 47 in Gruppe B). Beide Gruppen unterschieden sich nicht signifikant hinsichtlich Alter, BMI oder basaler Hormonwerte. Gruppe B wies jedoch häufiger ovulatorische Störungen oder Endometriose auf (34 % ICSI vs. 14 % in Gruppe A). Ein Estradiol (E2)-Abfall während der Stimulation trat in Gruppe B häufiger auf (44,7 % der Zyklen mit vorzeitigem rFSH-Stopp). Trotz vergleichbarer Oozytenzahlen zeigten sich deutliche Unterschiede im Entwicklungs-potenzial: An Tag 3 wiesen 15,8 % der Embryonen in Gruppe A eine gute Qualität auf (vs. 3,7 % in Gruppe B). Die Blastozystenbildungsrate lag in Gruppe B signifikant niedriger (7,9 % vs. 78,1 %). Gruppe A erreichte eine kumulative Schwangerschaftsrate von 95,3 % und Lebendgeburtenrate von 90,7 %, verglichen mit 31,9 % bzw. 40,4 % in Gruppe B.

Logistische Regression
Negative Einflussfaktoren auf die OUR waren vorherige IVF/ICSI-Zyklen (OR: 0,10; 95%-KI: 0,01–0,81), Endometriose (OR: 0,16; 95%-KI: 0,03–0,84) und E2-Abfall (OR: 0,16; 95%-KI: 0,04–0,64). Längere Stimulationsdauer (OR: 3,24; 95%-KI: 1,25–8,42) sowie GnRH-Antagonist- (OR: 1,39; 95%-KI: 1,09–10,04) und Dual-Suppressions-Protokolle (OR: 3,74; 95%-KI: 1,06–26,86) korrelierten mit höheren OUR.

Diskussion
Wiederholte IVF-Zyklen können die OUR durch suboptimale Lutealphasenunterstützung beeinträchtigen. Der E2-Abfall, insbesondere bei Hochrespondern, stellt einen Risikofaktor dar – ein Gegensatz zu Studien an Normal- bzw. Low-Respondern. Endometriose reduziert die Oozytenkompetenz signifikant. Für Hochresponder, insbesondere bei PCOS, erwiesen sich das Dual-Suppressions-Protokoll und präzise LH/FSH-Steuerung als vorteilhaft. Diese Protokolle senken das OHSS-Risiko ohne Beeinträchtigung der Endometriumdicke oder Oozytenqualität.

Fazit
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung individueller Stimulationsprotokolle für Hochresponder. Risikofaktoren wie Endometriose, E2-Abfall und wiederholte ART-Zyklen erfordern besondere Aufmerksamkeit. Das Dual-Suppressions-Protokoll und GnRH-Antagonisten verbessern die OUR nachhaltig, wodurch kumulative Schwangerschaftschancen optimiert werden können.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001356

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